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03.01.2018 10:00 Uhr - 1. Bundesliga - Susan Dobias, dpa

Tristesse statt Triumphe: Der Niedergang der SG Wallau/Massenheim

Martin Schwalb Martin Schwalb
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Einst feierte die SG Wallau/Massenheim nationale und internationale Handball-Triumphe. Anno 2017 herrscht nur noch Tristesse - zum großen Bedauern früherer Topspieler.

Meister, Pokalsieger, Europapokal-Champion: Von 1992 bis 1994 war die SG Wallau/Massenheim die beste Handball-Mannschaft Deutschlands. 25 Jahre später ist vom einstigen Glanz nichts übrig geblieben. Der frühere Spitzenverein spielt heute als HSG mit einer etwas aufgefrischten Altherren-Auswahl vor nur noch 30 Zuschauern in der 9. Liga in Hessen. "Es tut weh, keine Frage. Aber man kann halt nur das anbieten, was möglich ist", sagt der langjährige Spieler und Trainer Martin Schwalb über den Absturz.

Noch drastischer formuliert es der frühere Nationalspieler Jan-Olaf Immel, der noch immer in der Nähe von Wiesbaden lebt und Handball-Talente fördert: "Ich finde es sehr schade, dass es in der Region keinen hochklassigen Verein mehr gibt. Meine Talente rennen alle in den Trikots der Rhein-Neckar Löwen herum. Es werden sogar Busse zu Auswärtsspielen der Löwen gechartet, dabei könnte man es doch vor der Haustür haben."

Nach zwei Insolvenzen erscheint das aktuell aussichtslos. Daher richtet der Verein sein Augenmerk auf den Nachwuchs. "Wir wollen eine gute Jugendarbeit bieten, haben den Aktivenbereich aber nicht aus den Augen verloren. Es ist ein Prozess über mehrere Jahre", erklärt HSG-Sprecher und Vorstandsmitglied Stefan Ullrich.

Anfang der 90er Jahre schien die Zukunft noch rosa-rot. Der langjährige Manager und Mäzen Bodo Ströhmann investierte kräftig in den Verein. Ehemalige DDR-Asse wie Peter Hofmann und Mike Fuhrig sowie Nationalspieler Schwalb wurden verpflichtet und in der 5000 Zuschauer fassenden Frankfurter Ballsporthalle die größten Erfolge der Vereinsgeschichte gefeiert. "Es war eine unglaublich schöne und intensive sowie sportlich herausragende Zeit. Wir hatten viel Spaß miteinander", sagt Schwalb.

1998 übernahm er den Trainerposten. Doch schon zu Beginn des neuen Jahrtausends war Schwalb wegen anhaltender finanzieller Probleme gezwungen, auf den Nachwuchs zu setzen. Immel, Pascal Hens und Dominik Klein wurden unter ihm Nationalspieler. "Ich war damals sehr dankbar, dass mir dieser Job zugetraut wurde. Das war schon außergewöhnlich", erzählt Schwalb.

Immel denkt heute noch gerne an die Zeiten zurück. "Er hat es verstanden, junge Spieler zu fördern. Wir haben bei ihm viel gelernt", sagt der Europameister von 2004. Doch auch ihm sei während der neun Jahre in Wallau immer bewusst gewesen, dass es finanziell irgendwie "unrund" lief.

Dass zeigte sich 2005, als der Verein wegen ausgebliebener Sponsorengelder Insolvenz anmelden musste und keine Bundesligalizenz erhielt. "Es war traurig. Das Rhein-Main-Gebiet hat einfach nicht das hergegeben, was der Handballsport braucht. Die Investitionsfreudigkeit war nicht da", sagt Schwalb.

Der Neustart erfolgte mit der zweiten Mannschaft in der damals drittklassigen Regionalliga Südwest. 2007 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga. 2009 gründete die 1. Mannschaft der SG mit Ligakonkurrent TSG Münster eine Spielgemeinschaft, die 2011 auf einen Lizenzantrag für die neu gebildete eingleisige 2. Bundesliga verzichtete. Wallau spielte fortan wieder selbstständig in der Oberliga und schaffte 2013 den Aufstieg in die 3. Liga, aus der sich der Verein am Saisonende wegen erneuter Zahlungsschwierigkeiten freiwillig zurückzog.

Nach der zweiten Insolvenz ging es als HSG Wallau/Massenheim in der Bezirksliga weiter. "Das war der große Sturz, von der dritten in die siebte Liga", sagt Ullrich. In diesem Sommer ging es nun sogar in die C-Klasse runter. Immel hat aber immer noch die leise Hoffnung auf bessere Handball-Zeiten. "Mit Intensität und Leidenschaft ist vieles möglich", sagt er. "Ich möchte ungern den Gedanken aufgeben, dass in der Region noch was geht."

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