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11.02.2018 14:02 Uhr - 1. Bundesliga - Wieland Berkholz

"Zwanzig Minuten haben wir es gut gemacht" - Hüttenberg unterliegt souveränem THW Kiel

Die Kieler Deckung steigerte sich nach anfänglichen ProblemenDie Kieler Deckung steigerte sich nach anfänglichen Problemen
Quelle: W. Berkholz
Nach dem erfolgreichen Start in der Champions League hat der THW Kiel auch im ersten Bundesligaspiel nach der Pause für die Europameisterschaft zwei Punkte verbucht. Gastgeber TV Hüttenberg, der unter auf Szymon Sicko und Vladan Lipovina verzichten musste, ging das Tempo des Rekordmeister zunächst mit und führte zwischenzeitlich sogar. Mit zunehmender Spieldauer stabilisierte sich aber die Deckung des Favoriten, der die Führung schnell zurückeroberte und sich zur Pause beim 19:13 auf sechs Tore abgesetzt hatte. Im zweiten Abschnitt wuchs die Führung schnell in den zweistelligen Bereich, Kiel steuerte in der Folge zu einem souveränen 37:25-Erfolg. Kiel bleibt dem Spitzenquartett damit auf den Fersen und will den Druck am Donnerstag mit einem Sieg gegen Wetzlar weiter aufrecht erhalten, für Schlusslicht Hüttenberg nimmt am nächsten Sonntag in Minden neuen Anlauf auf weitere Punkte im engen Tabellenkeller.

Wenn das Starensemble des THW die "Studententruppe" aus der Käsemetropole Hüttenberg besucht, sind Rollen und Erwartungshaltungen in der Sonntagsaufführung in der Halle Gießen-Ost klar definiert. Die Halle mit 2.600 Zuschauern fast ausverkauft, darunter auch die Republikweit verteilten "Zebra"-Fans und Hüttenberger Fans, die sich noch an die Zeit vor zwanzig Jahren erinnern konnten, als der TVH als Favorit in Duelle mit dem THW ging.

In den besten Momenten der heutigen Begegnung kam ein Hauch von Atmosphäre aus dieser Zeit auch in Gießen-Ost auf. Die Hüttenberger ließen in der Winterpause vor dem Spiel Optimismus verlautbaren. Die Spielergebnisse gegen gute Zweiligisten hatten für Mut gesorgt. Die Partie bewies auch, dass Trainer Kurtagic in der Winterpause dem Team seine Philosophie nähergebracht hatte. Zwar ging der Favorit nach fünfzig Sekunden durch einen Kracher von Nilsson schnell in Führung, doch die Gastgeber waren hochkonzentriert und motiviert.

Beispielsweise Pädagogikstudent Jannik Hofmann: Der Außen deckte auf der Halbposition und störte mit schnellen Beinen immer wieder die Kreuzbewegungen der Kieler Angreifer und war selbst für das 3:3 mit einem Trickwurf gegen Andreas Wolff erfolgreich. Der Nationalkeeper hatte zuvor den ersten freien Wurf von Dominik Mappes pariert. Der junge Spielmacher, welcher Anfang Februar seinen Wechsel nach Erlangen verkündet hatte, bewies auch in dieser Begegnung trotz einiger Fehlpässe sein Talent.

Die Gastgeber gingen das Tempo der Kieler mit, die Treffer fielen auf beiden Seiten am Fließband. Nach zehn Minuten ging der TVH durch Wernig sogar zum ersten Mal in Führung - auch aufgrund vermeidbarer Fehler bei den Kielern. Auffällig war, dass die Gastgeber, aber auch die Kieler Spieler in Hälfte Eins gegenüber dem jungen Schiedsrichterpaar häufig Bestrafungen einforderten. Emir Kurtagic war ebenfalls zu bremsen und musste vom Delegierten am Kampfgericht per Verwarnung zur Ordnung gerufen werden.

Auf Nachfrage erklärte Kurtagic hierzu nach dem Spiel: "Das war keinerlei Taktik oder Psychotrick, um auf das Schiedsrichterpaar einzuwirken. Wir wurden in der Phase klar benachteiligt. Bilyk macht vor seinen Treffern ständig vier Schritte. Der THW ist so groß, dass er nicht die Hilfe der Schiedsrichter benötigt." Für Kiels Linksaußen Rune Dahmke waren die Emotionen bei Gastgeber nachvollziehbar: "Es ist doch klar, dass Hüttenberg gegen die Spitzenteams noch mehr als sonst über die Emotionen kommt. Das haben sie gerade in den ersten zwanzig Minuten auch sehr gut gemacht. Für uns war auch dieses Spiel anspruchsvoll und ich finde, dass wir das über die gesamten sechzig Minuten gut gelöst haben."

Die Anspannung auf der Kieler Bank legte sich nach zwanzig Minuten, aus einem 9:9 war über ein 12:9 ein 15:10 geworden. In dieser Phase ließen die Kieler ihre Klasse aufblitzen: Das vierzehnte Tor erzielte Ekberg beispielsweise unter Passivwarnzeichen per Kempator. Tor Nummer 15 ging an Wienczek, welcher einen Pass abgefangen hatte. Das in der Anfangsphase noch gehemmte, und von Gislason nach der Partie kritisierte, Gegenstoßspiel kam bei den Kielern auf Betriebstemperatur.

Der Fünf-Tore-Rückstand beeindruckte die Halle allerdings nicht und auch die Akteure des Gastgebers auf dem Parkett leisteten weiterhin größtmöglichen Widerstand. Verbissen kämpfte der TVH um den Anschluss. Der starke Linkshänder Johannsson, allein auf sich gestellt, da Vladan Lipovina mit Grippe ausfiel, erzielte das elfte Tor. Allerdings zeigte sich Kiel souverän, hatte das Heft nun in der Hand und öffnete die Tür für den Außenseiter nicht mehr. TVH-Kreisläufer Mario Fernandes bemerkte nach Spielschluss: "Zwanzig Minuten haben wir es gut gemacht. Dann drei, vier Fehler und unglückliche Schiedsrichterentscheidungen und die Dinge nahmen ihren Lauf."

Nach einem Bilyk-Treffer zum 19:13 hatte der THW Kiel eine Sechs-Tore-Führung mit in die Kabinen genommen und diese sollte nach dem Seitenwechsel nicht mehr in Gefahr geraten. Hüttenberg versuchte dabei weiterhin mitzuhalten, immer wieder gelangen gute Aktionen - doch Kiel dominierte die Begegnung und verteidigte die Führung souverän, auch wenn sich ab und an einige Fehler einschlichen. Die Führung pendelte um die sieben Tore, beim 20:28 waren es zwölf Minuten vor dem Ende weiterhin lediglich acht Treffer. Dann aber schob der Rekordmeister den Abstand mit einer Dreier-Serie in den zweistelligen Bereich und in diesem Blieb die Differenz bis zum 37:25-Endstand.

Emir Kurtagic monierte nach dem Spiel, dass sein Team in der Endphase die Spannung verlor: "Das hat mich doch enttäuscht. Am Ende war es doch etwas mit Freundschaftsspielcharakter. Wir konnten das Gegenstoßverhalten der Kieler nicht mehr beeinflussen." Die Hüttenberger nutzten die Gelegenheit, der 18-jährige Leon Friedl erhielt beispielsweise erste Spielanteile in der Bundesliga und das gegen den THW Kiel. "Eine Belohnung und perspektivischen Anreiz", so Kurtagic. Auf der Gegenseite zeigte sich Alfred Gislason zufrieden mit dem Auftritt: "Man hat gemerkt, dass die Jungs sich freuten wieder zusammen zu spielen. Der 16-Kader auf dem Spielbericht hilft uns auch mehr als in der Vergangenheit die Belastungen zu verteilen."

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Männer · 1. Bundesliga · Saison 2017/2018
20. Spieltag · 11.02.2018 · 12:30 Uhr
TV Hüttenberg25:37
THW Kiel
Sporthalle Gießen-Ost · Zuschauer : 2550
Live als TV oder Internet-Stream auf sky (Pay-TV) -1

Spielfilm:
0:1 (1.), 0:2 (2.), 1:2 (3.), 1:3 (4.), 3:3 (6.), 4:3 (7.), 4:5 (10.), 5:6 (11.), 6:7 (13.), 7:8 (14.), 7:9 (15.), 9:9 (16.), 9:11 (17.), 9:12 (18.), 10:13 (20.), 10:15 (22.), 11:16 (23.), 12:17 (24.), 12:18 (26.), 13:19 (HZ), 13:20 (31.), 14:21 (33.), 15:22 (35.), 16:23 (37.), 16:24 (40.), 17:25 (42.), 18:26 (44.), 18:27 (46.), 19:28 (48.), 20:28 (49.), 20:31 (51.), 21:32 (52.), 23:32 (53.), 23:34 (55.), 24:35 (56.), 25:36 (57.), 25:37 (EN)


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