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29.07.2015 09:01 Uhr - 1. Bundesliga - Astrid Jöhnck

Fuchs im Glück - Rückblick auf das Esslinger Marktplatzturnier

Das Marktplatzturnier in EsslingenDas Marktplatzturnier in Esslingen
Quelle: groundshots.de
„Petrus ist ein Fuchs!“ – so dachten einige Zuschauer, die das Finale des 50. Esslinger Marktplatzturniers verfolgten, welches die Füchse Berlin gewannen. 13:8 führte der HSV Handball zu Beginn der zweiten Halbzeit, als das Spiel aufgrund von einsetzendem Regen und der dadurch entstehenden Verletzungsgefahr abgebrochen und per Siebenmeterwerfen entschieden wurde. Hier wendete sich das Blatt zugunsten der Spieler von Erlingur Richardsson, so dass Berlins Neu-Kapitän Fredrik Petersen am Ende eines interessanten und ganz besonderen Turniers den Reichsstadtpokal in die Luft stemmen durfte.

Los ging es bereits am Freitag – da allerdings noch in der Halle und über 2x30 Minuten. In Weilheim an der Teck trafen die Füchse Berlin und Frisch Auf! Göppingen aufeinander. Nach einer überzeugenden ersten Halbzeit behielten die Füchse am Ende knapp, aber verdient mit 30:28 die Oberhand (wir berichteten). In der anderen Partie des Abends standen sich in Unterensingen, der HSV Handball und die SG BBM Bietigheim gegenüber. Der Erstligaabsteiger bewies viel Moral, musste sich letztlich aber ebenfalls mit 28:30 geschlagen geben.

Lobende Worte zum Turnier

Samstagmittag ging es bei strahlendem Sonnenschein auf dem historischen Esslinger Marktplatz weiter. Veranstalter Thilo Huber zeigte sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt begeistert: „Wir haben in diesem Jahr das beste Teilnehmerfeld seit langem, das Wetter macht mit und der Zuschauerzuspruch ist bereits jetzt sehr gut!" Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning ergänzte: „Es ist ein einzigartiges und toll organisiertes Turnier, mit einer besonderen, familiären Atmosphäre. Nachdem wir bereits 2013 hier waren, wollten wir gern wieder her und freuen uns, dass wir dabei sind.“

Füchse Berlin souverän in der Vorrunde

Nach diesen lobenden Worten kam der Ball ins Spiel und es erfolgte der Anpfiff zur Partie der Füchse Berlin gegen die Mannschaft von Dinamo Bukarest. Wie schon am Abend zuvor boten die Füchse eine gute Leistung und gingen schnell mit 4:1 (7.) in Führung. Nach 14 Minuten fing Willy Weyhrauch einen Pass ab, schickte seinen Linkshänderkollegen Fabian Wiede auf die Reise und der vollendete sicher zum 9:5. Bis zur Pause konnten die Rumänen um ein Tor verkürzen und so wurden nach 20 Minuten beim 12:7 die Seiten gewechselt. Die zweite Halbzeit eröffnete der nun im Berliner Gehäuse stehende Silvio Heinevetter mit einer Glanzparade, ehe die „Fabian-Wiede-Show“ begann. Zunächst traf der 21-Jährige von der Strafwurflinie, dann verwandelte er einen langen Pass von Heinevetter im Fliegen zum 14:7 – manch Zuschauer fühlte sich an das Pokalfinale 2015 erinnert, bei dem Lars Kaufmann nach Zuspiel von Mattias Andersson in exakt gleicher Manier erfolgreich gewesen war.



Auch die nächsten drei Berliner Treffer gingen auf Wiedes Konto, so dass es nach nur fünf Minuten im zweiten Durchgang 18:10 stand. Nach zehn Minuten verließ Heinevetter das Spielfeld und machte Platz für den jungen Angelo Grunz, der sich sogleich mit einer Parade einführte. In einer äußerst fairen Partie bekam Dinamos Pierre-Yves Ragot viel Szenenapplaus, als er einen feinen Dreher zum 16:22-Anschluss in die Maschen setzte. Am Ende hieß es 24:18 für die Füchse, die sich somit vorzeitig in ihrer Dreiergruppe den ersten Platz und somit den Finaleinzug gesichert hatten.

HSV Hamburg ohne Blöße

Es folgte die Partie zwischen den künftigen Erstligakonkurrenten HSV Handball und TVB 1898 Stuttgart. Der Aufsteiger spielte von Beginn an gut mit und konnte sich immer wieder auf die Wurfkraft von Djibril M"Bengue verlassen, der in den ersten zehn Minuten gleich sechsmal erfolgreich und somit maßgeblich für die 8:4-Führung verantwortlich war. Im Anschluss fanden die Nordlichter jedoch besser ins Spiel und konnten kurz vor dem Pausenpfiff nach einem sehenswerten Anspiel von Allan Damgaard auf den nie zu haltenden Ilija Brozovic zum 11:11 ausgleichen. In der zweiten Hälfte stand die Hamburger Abwehr deutlich kompakter, ließ nur noch wenig zu und doch konnten die „Biddafelder“ bis zum 15:15 (27.) durch Lars Friedrich immer wieder ausgleichen.

Dragan Jerkovic zeigte in beiden Halbzeiten eine gute Leistung im TVB-Tor, war aber zunehmend machtlos gegen die gut herausgespielten Tore des HSV, so auch nach 33 Minuten, als der zweite dänische Hamburger Neuzugang Casper U. Mortensen zum 19:16 erfolgreich war. Den Schlusspunkt unter dieses Spiel setzte Routinier Adrian Pfahl, dessen Wurf zum 21:16 auch nicht vom Tornetz zu stoppen war. Da der HSV Handball ebenfalls am Abend zuvor gewonnen hatte, stand auch in der Gruppe B der Endspielteilnehmer vorzeitig fest.

Frisch Auf Göppingen mit schwerem Stand

Im Anschluss standen sich Frisch Auf! Göppingen und Dinamo Bukarest gegenüber, in deren Partie es um die Teilnahme am Siebenmeterwerfen um Platz 3 ging. Die Göppinger hatten sich nach der schwachen ersten Halbzeit am Vorabend einiges vorgenommen, sahen sich jedoch nach fünf Minuten einem 1:3-Rückstand gegenüber. Der aus Flensburg zurückgekehrte Lars Kaufmann bediente zunächst Andreas Berg mit einem langen Pass, ehe er selbst zum 3:3 ins lange Eck traf. Die Rumänen ließen sich hiervon jedoch nicht beeindrucken, sondern zogen in der 14. Spielminute auf 9:4 davon, als Torhüter Rares Stefan Grigores einen langen Pass abfing und Ciprian Sandu mustergültig bediente. Dieser Vorsprung blieb bis zum Pausenpfiff konstant und so wurden beim 11:6 für Bukarest die Seiten gewechselt.

Wie zuvor Fabian Wiede für die Füchse und Djibril M"Bengue für den TVB 1898 Stuttgart war es nun Jakov Vrankovic für Dinamo, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte. Ob ansatzlos aus dem rechten Rückraum oder auch per Gegenstoß, ganze siebenmal war der 22-jährige Linkshänder erfolgreich und ließ die Schwaben nie dichter als auf vier Treffer Differenz herankommen. Insbesondere die beiden Außen Marcel Schiller und Anton Halén stemmten sich gegen das vorzeitige Aus, doch vergaben ihre Mitspieler zu viele gute Möglichkeiten, um dem Spiel noch eine Wende zu geben. Erst als beim 11:18 (33.) schon alles entschieden war, konnte Frisch Auf! noch ein wenig Ergebniskosmetik zum 17:21-Endstand betreiben.

Derby und Siebenmeterwerfen

Während also die Göppinger ihre Taschen packen mussten, stand das Schwabenderby zwischen dem TVB 1898 Stuttgart und der SG BBM Bietigheim auf dem Programm. Wie schon in der ersten Partie des Aufsteigers war es Djibril M"Bengue, der das Spiel bestimmte. Zwar konnte Tim Dahlhaus nach sechs Minuten das 5:3 für die SG erzielen, doch Bittenfelds Rechtsaußen Finn Kretschmer konnte nur zwei Minuten später ausgleichen. Die Abwehr der Bietigheimer agierte sehr aufmerksam, zwang die Bittenfelder immer wieder zu Fehlern, während sich auf der Gegenseite u. a. Patrick Rentschler schön am Kreis durchsetzen konnte.

Bietigheim konnte sich, gestützt auf eine gute Abwehr sowie klug gespielte Angriffe, absetzen und nach einem Doppelschlag von Andre Lohrbach zum 19:13 (29.) schien das Spiel entschieden. Doch wieder kämpfte sich der TVB 1898 Stuttgart heran und legte in den folgenden sechs Minuten einen 6:0-Lauf hin, nicht zuletzt weil sich der türkische Neuzugang im Tor, Yunus Özmusul, erheblich gesteigert hatte und nun Ball um Ball abwehrte. Doch nachdem der junge Florian Burmeister auf 18:19 verkürzt hatte, besann sich Bietigheim auf seine Fähigkeiten und Jonathan Scholz konnte den Vorsprung drei Minuten vor dem Ende wieder auf zwei Treffer erhöhen. Hierbei sollte es auch bleiben und so zog die SG BBM Bietigheim als Derbysieger mit einem 21:19 in das Siebenmeterwerfen ein.

Das Siebenmeterwerfen um den dritten Platz sorgte für viel Spannung auf den bis auf den letzten Platz gefüllten Tribünen. Von den jeweils ersten fünf Schützen beider Teams gab sich keiner eine Blöße und so ging es im KO-System weiter. Hier war es Dinamos Torhüter Rares Stefan Grigores der im entscheiden Moment den richtigen Reflex zeigte und beim Stand von 7:7 den Matchball für sein Team sicherte. Ibrahim Diaw, der den Siebenmeter zum 3:3 mit einem frechen Heber erzielt hatte, verwandelte im Anschluss seinen Strafwurf sicher per Aufsetzer und so jubelten die Rumänen über den Platz auf dem Podium.

„Ich habe fertig“-Shirts - Das regnerische Finale

Vor dem Finale zwischen den Füchsen Berlin und dem HSV Handball wurden die Schiedsrichter Jürgen Rieber und Holger Fleisch endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Beide gelobten, dass dies nun wirklich ihr allerletztes Spiel sei. Während sich viele Spieler der anderen Mannschaften bereits mit ihren Familien rund um das Spielfeld tummelten, wurde die Neuauflage des EHF-Cup-Finales angepfiffen.

Hamburgs Stefan Schröder bewies sogleich, dass er immer noch ein sehr guter Schütze von Rechtsaußen ist und erzielte das erste Tor des Spiels. Nach einem schönen Anspiel quer durch den Kreis von Petar Nenadic traf Willy Weyhrauch in der 5. Spielminute zum 2.2., es sollte der letzte Berliner Treffer für die nächsten sechs Minuten sein. Mit einem artistisch verwandelten Konter riss Stefan Schröder das Publikum förmlich von den Sitzen und Allan Damgaard setzte einen weiteren Konter zum 6:2 in die Maschen. Zwar konnte Bjarki Mar Elisson per Strafwurf verkürzen, doch wirkten die Berliner insgesamt ein wenig müde, so dass die Hamburger immer wieder zu einfachen Toren kamen, so auch Matthias Flohr, der einen Abpraller sicher zum 4:8 verwandelte.

Der stark parierende Jens Vortmann, der sich im gesamten Turnier die Spielzeit mit Justin Rundt teilte, reagierte beim nächsten Strafwurf des Isländers Elisson blitzschnell, bekam die Beine zusammen und konnte den Ball so abwehren. Unterstützung erhielten die Füchse von einem sehr jungen, aber auch sehr engagierten Fanclub der Esslinger Handballjugend, doch es nützte nichts, der HSV ließ sich nicht beirren und bot immer wieder sehenswerte Treffer, wie durch Dener Jaanimaa, dessen Wurf zum11:6 genau unter die Latte passte oder auch durch den bereits erwähnten Stefan Schröder der einen tollen Dreher zu seinem vierten Treffer nutzte.

Beim 12:7 für die Hanseaten wurden die Seiten gewechselt und aufgrund der deutlichen Dominanz hätte wohl kaum noch jemand auf die Berliner gesetzt. Doch dann kam der Regen… Bei 2:59 Minuten auf der Uhr entschied das Kampfgericht auf Vorschlag von Hamburgs Trainer Michael Biegler, das Spiel abzubrechen und durch Siebenmeterwerfen zu entscheiden. Das Publikum reagierte mit viel Applaus auf diese, der Gesundheit der Spieler Rechnung tragende, Entscheidung.

Die Herren Fleisch/Rieber nutzten die Unterbrechung, um sich „Ich habe fertig“-Shirts überzustreifen und dann kam es zum finalen Showdown. Wie schon im Spiel um Platz drei verwandelten die jeweils ersten fünf Schützen beider Teams sicher, wobei insbesondere der Heber von Fredrik Petersen über Jens Vortmann hinweg für Raunen auf den Rängen sorgte. Beim Stand von 7:7 schnellte der linke Fuß von Silvio Heinevetter in die Höhe und verwehrte dem Wurf von Adrian Pfahl den Weg ins Tor. Petar Nenadic zeigte im Anschluss keine Nerven, verwandelte problemlos und sicherte den Füchsen Berlin bei ihrer zweiten Teilnahme den zweiten Sieg beim Esslinger Marktplatzturnier.

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