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14.01.2016 21:40 Uhr - 1. Bundesliga - Astrid Jöhnck - handball-world.com

Plötzliche Kehrtwende: EHF untersagt Regenbogen-Armbinde von Karlsson

Tobias Karlsson wollte bei der EM mit einer Regenbogen-Armbinde auflaufen - die EHF untersagt diesTobias Karlsson wollte bei der EM mit einer Regenbogen-Armbinde auflaufen - die EHF untersagt dies
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Plötzliche Wende beim Thema „Regenbogen-Armbinde“. Zu Beginn der Woche hatte die EHF dem Ansinnen von Tobias Karlsson, bei der anstehenden EM mit einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben auflaufen zu wollen, noch stattgegeben. Doch heute erfolgte die überraschende Kehrtwende – alle Kapitänsbinden bei der EM müssen einfarbig oder in den Farben der jeweiligen Nation sein.

Karlsson, Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft, hatte in der vergangenen Woche die Absicht erklärt, bei der Europameisterschaft in Polen mit einer Armbinde in Regenbogenfarben auflaufen zu wollen. Der Abwehrspezialist wollte dies nicht als Protest verstanden wissen, sondern als ein Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit (wir berichteten). Während viele Fans und Spieler, darunter auch der deutsche Kapitän Steffen Weinhold, ihren Respekt für die angedachte Geste ausdrückten, regte sich auch Widerstand. Im konservativen Gastgeberland vermutete man gar, dass Karlsson gegen Polen und seine Gesetze, die eine gleichgeschlechtliche Ehe verbieten, protestieren wolle.

Den Schweden überraschten die starken Emotionen: „Für mich war das Ganze wie ein Weckruf. Ich kann mir nun ungefähr vorstellen, wie sich einige Menschen in ihrem Alltag in Schweden, aber auch in anderen Ländern fühlen.“ Den widersprüchlichen Meinungen zum Trotz hatte die EHF zu Beginn der Woche Zustimmung zur symbolträchtigen Armbinde signalisiert. Doch nun die Kehrtwende: Am heutigen Donnerstag hat die EHF allen teilnehmenden Verbänden einen Kleiderkodex zukommen lassen und in diesem zweiseitigen Dokument steht, dass mehrfarbige Kapitänsbinden verboten sind. Zur Begründung verweist der europäische Verband auf das geltende Reglement (hier nachzulesen).

Die Mannschaftskapitäne von Norwegen und Island, Bjarte Myrhol und Gudjón Valur Sigurdsson hatten in den letzten Tagen von der Aktion erfahren und spontan eigene Armbinden in Regenbogenfarben bei Karlsson bestellt. Doch genau wie der Schwede, werden sie diese nun nicht bei der kontinentalen Meisterschaft tragen. Auf der Homepage des schwedischen Handballverbandes drückt Tobias Karlsson sein Bedauern über die Entscheidung der EHF in deutlichen Worten aus: „Meiner Meinung nach ist es traurig, dass die EHF uns daran hindert zu zeigen, wofür wir stehen – Toleranz, Mitmenschlichkeit und die Gleichwertigkeit aller Menschen.“

Vom schwedischen Verband erhält der Kapitän volle Rückendeckung, wie Delegationsleiter Lasse Tjernberg auf der Verbandsseite erklärt: „Für uns war es selbstverständlich, Tobias in seinem Vorhaben die Binde zu tragen, zu unterstützen. Der Schwedische Handballverband ist der Auffassung, dass alle Personen den gleichen Wert haben, ohne Ansehen von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Sexualität oder Religionszugehörigkeit. Wir sind bestrebt, offen für alle zu sein und sie willkommen zu heißen.“





Man of the hour, Handbollslandslaget captain Tobias Karlsson, after the decission that the rainbowcoloured ribbon got banned. Too bad.We"re all behind our captain!#OneForAllAllForOne #WeAreAllOfEqualValue

Posted by Mattias Andersson on Thursday, 14 January 2016

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