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26.12.2016 14:30 Uhr - 1. Bundesliga - Dominik Schreier

Handballrecht - Käding: "Verlängerungsklauseln und Befristung von Arbeitsverträgen wirksam"

Helge-Olaf KädingHelge-Olaf Käding
Quelle: handballrecht.de
"Eine Klausel in einem Arbeitsvertrag zwischen einem Berufshandballer und seinem Verein, nach der sich der auf zwei Jahre befristete Vertrag um ein Jahr verlängert, wenn der Hauptsponsor des Vereins zu gleichen oder besseren Bedingungen sein Engagement bei diesem Verein forstsetzt, ist wirksam", fasst Helge-Olaf Käding die Auswirkungen eines jünst gefällten Urteils des Landesarbeitsgerichts Thüringen zusammen. Der Experte für Handballrecht wird unter anderem über Vertragsproblematiken auch auf dem Praxisforum Handball am 5. Januar in Essen berichten.

"Der Kollege Jörn Riedenklau aus der Kanzlei Voigstberger, Riedenklau und Kollegen in Eisenach hat Handballrecht dankenswerterweise ein von ihm am 20. Dezember 2016 vor dem Landesarbeitsgericht Thüringen erstrittenes Urteil zur Verfügung gestellt", berichtet Helge-Olaf Käding über einen Prozess, dessen Ausgangspunkt der Rechtsstreit zwischen einem aktuellen Handball-Zweitligisten und einem ehemaligen Spieler war.

Der Sachverhalt: Der Spieler unterschrieb bei dem Verein A einen Vertrag für die Spielzeiten 2013/2014 und 2014/2015. Weiter war vereinbart, dass sich der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, wenn der Hauptsponsor des Vereins A sein Engagement über die Saison 2014/2015 hinaus zu gleichen oder besseren Konditionen fortsetzt, was auch geschah und dem Spieler mitgeteilt worden ist.

Über die Wirksamkeit dieser Klausel entbrannte der Streit. Der Spieler – mittlerweile von einem Spielerberater vertreten – hielt die Klausel für unwirksam, weigerte sich eine verbandsrechtliche Vertragsverlängerungsanzeige für die Saison 2015/2016 bei A zu unterschreiben und unterzeichnete stattdessen bei einem Ligakonkurrenten B.

Für seinen neuen Verein B erhielt der Spieler die Spielberechtigung, da der Verband (hier die Handball-Bundesliga, HBL) nicht die Wirksamkeit von Arbeitsverträgen prüft, sondern die Spielberechtigung für denjeningen Verein erteilt, der sie zuerst beantragt.

Hiergegen setzte sich A zu Wehr und erwirkte eine Einstweilige Verfügung, die es dem Spieler untersagte, für B zu spielen und zu trainieren. Daraufhin schlossen A und B einen Vergleich mit dem Inhalt, dass der Spieler für B spielen darf und A dafür eine Summe X von B erhält. Eine weitere Zahlung werde fällig, sobald rechtskräftig gerichtlich entschieden werde, dass das Arbeitsverhältnis des Spielers bei A über den 30. Juni 2015 hinaus bestanden habe.

Im Hauptsacheverfahren hat das Arbeitsgericht Suhl die Klage von A abgewiesen. Die Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Thüringen in Erfurt hatte jedoch Erfolg. Das Gericht hielt die Klausel nach erschöpfender Auslegung für wirksam.

"Die vereinbarte aufschiebende Bedingung sei eingetreten. Es läge auch keine einseitige Benachteiligung des Spielers vor; der Eintritt der Bedingung sei von Dritten abhängig gewesen. Ferner sei die Klausel auch hinreichend transparent, denn der Eintritt der Bedingung lasse sich objektiv überprüfen", fasst Helge-Olaf Käding die Gründe zusammen und führt aus: "Das LAG Thüringen bestätigt nebenbei Wirksamkeit von Befristungen von Verträgen mit Berufssportlern."

"Erwähnenswert ist noch, dass sich das LAG Thüringen im Hinblick auf die Frage der Wirksamkeit einer Befristung von Verträgen von Berufssportlern, die über zwei Jahre hinaus geht, der Rechtsauffassung des LAG Rheinland-Pfalz angeschlossen hat, das die weitergehende Befristung für wirksam hält", fügt Käding an, betont aber auch: "Die endgültige Entscheidung, ob Verträge mit Berufssportlern über zwei Jahre hinaus wirksam befristet werden können (Fall des Fußballers Müller), obliegt dem Bundesarbeitsgericht, bei dem eine entsprechende Revision derzeit anhängig ist."

Hinweis:
Die Entscheidung des LAG Thüringen - Daten des Spieler und Betriebsgeheimnisse des Vereins A wurden entfernt - sind bei handballrecht.de zu finden.

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