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31.01.2017 14:00 Uhr - 1. Bundesliga - Julia Nikoleit - handball-world.com

"Auf einem guten Weg": Schiedsrichterinnen überzeugen bei Länderpokal

Der Schiedsrichterkader des Länderpokals 2017Der Schiedsrichterkader des Länderpokals 2017
Quelle: J. Hilfinger
Es war ein Novum im Deutschen Handballbund: Beim Länderpokal der weiblichen Jugend im Januar wurden die Spiele erstmals ausschließlich von weiblichen Schiedsrichtergespannen geleitet. Nachdem der erste Versuch, einen Frauen-Kader aufzubauen, vor wenigen Jahren noch nicht den erhofften Erfolg brachte, zeigt sich damit nun eine deutlich erfreulichere Entwicklung im deutschen Schiedsrichterwesen. "Wir haben sehr positives Feedback von den Mannschaften und Trainern bekommen, die Leistungen waren mehr als zufriedenstellend", freut sich DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle. "Das war ein Schritt in die richtige Richtung."

Nach 50 intensiven Minuten sitzen Laura Becker und Asja Lippert in der Schiedsrichterkabine der Sporthalle Schwieberdingen und atmen erst einmal durch. Die Auswahl des HV Württemberg hat die Partie zwar klar dominiert, doch das Tempo konsequent hochgehalten. Es war die erste von drei Partien für das Gespann Becker/Lippert am ersten Spieltag des Länderpokals und die ‚Arbeit‘ ist noch nicht vorbei. Gemeinsam mit Jürgen Hilfinger, dem Schiedsrichterlehrwart der 3. Ligen und ihrem heutigen Coach, besprechen die beiden jungen Schiedsrichterinnen ihre Leistung; es geht unter anderem um Stellungsspiel und die Verteilung der Aufgabenbereiche. Der Block von Hilfinger ist voller Anmerkungen, teilweise hat er konkrete Szenen aufgezeichnet, um sein Feedback zu veranschaulichen.

Diese Analyse unmittelbar nach dem Spiel ist ein Kernstück der Schiedsrichterbetreuung beim Länderpokal. "Es war uns wichtig, die Gespanne während des Turniers auch qualitativ weiterzubringen", erklärt Hilfinger. Damit das bestmöglich geschieht, gibt der erfahrene Schiedsrichtercoach anders als bei normalen Beobachtungen während des Ligabetriebs keine Punktzahl, sondern konkrete Anweisungen, auf was das Gespann in seinem nächsten Spiel achten soll. Hilfinger: "Wenn ich ihnen irgendeine Punktzahl geben würde, hätte das in diesem Umfeld keine Aussagekraft - wir wollen vielmehr, dass sich die Gespanne von Spiel zu Spiel und von Tag zu Tag weiterentwickeln." Um eine optimale Betreuung zu gewährleisten, war in jeder der sieben Hallen ein Schiedsrichtercoach vor Ort; neben Hilfinger kümmerten sich unter anderem die ehemaligen Bundesligaschiedsrichter Holger Fleisch, Jutta Ehrmann-Wolf und Miriam Jarke um den Nachwuchs.

Insgesamt zehn Gespanne waren an den vier Spieltagen des Länderpokals im Einsatz. Neben den beiden Bundesligaduos Heinz/Lenhardt und Kruska/Lange kamen die Schiedsrichterinnen dabei - wie Becker/Lippert - aus dem Kader der 3. Liga sowie der weiblichen Jugend-Bundesliga. Zudem sprang ein Gespann aus dem Perspektivkader der Oberliga Baden-Württemberg nach einer krankheitsbedingten Absage kurzfristig ein. Dass es dem Deutschen Handballbund in diesem Jahr zum ersten Mal gelang, den weiblichen Länderpokal ausschließlich mit weiblichen Gespannen zu besetzen, ist ein Meilenstein für das Schiedsrichterwesen. Der erste Versuch, einen Frauenkader langfristig aufzubauen, scheiterte noch vor wenigen Jahren. "Es sind zwar einige Gespanne nach oben gekommen, aber die sind uns dann schnell wieder weggebrochen", erinnert sich Hilfinger. "Es ist uns nun gelungen, eine neue Basis zu schaffen. Die Geduld hat sich bezahlt gemacht."

Alleine im Drittligakader stehen derzeit zehn weibliche Gespanne, sie kommen in erster Linie in den vier Frauen-Staffeln und der weiblichen A-Jugend-Bundesliga zum Einsatz. Denn an diesem Punkt offenbart sich die Krux im derzeitigen System: Im Vergleich zu männlichen Gespannen ist den weiblichen Duos häufig ein schnellerer Aufstieg in den Kadern möglich, weil auf sie ein besonderes Augenmerk gelegt wird. Damit das nicht zu Spannungen führt, setzt der DHB die Frauen mit Bedacht an. "Über die Frauenschiene in den Kader kommen und dann sofort Männerspiele pfeifen, geht nicht", betont auch Hilfinger. "Wenn sich ein Frauen-Gespann in der Hinrunde jedoch bewährt und im Frauenbereich hervorragende Leistungen zeigt, gibt es durchaus die Möglichkeit, dass es in der Rückrunde auch mal für ein Männerspiel nominiert wird."

Ebenso gewünscht wie gewollt ist es jedoch, dass die weiblichen Gespanne unterhalb der DHB bei den Männern Erfahrung sammeln. "Wir wünschen uns, dass die Landesverbände die Schiedsrichterinnen in ihren höchsten Männerligen ansetzen", erläutert Hilfinger. In einigen Regionen funktioniere das vorbildlich, in anderen "sperren sich leider einige Verantwortliche". Dass Frauen im System schnellere Aufstiegsmöglichkeiten haben, streitet Hilfinger nicht ab; Projekte wie "Anpfiff" richten sich explizit an Mädchen und Frauen. Nur das Geschlecht alleine reicht jedoch nicht aus. „Die Gespanne müssen ihre Leistung trotzdem bringen“, unterstreicht der Lehrwart. "Wenn wir ihnen die Chance geben und sie diese nicht nutzen, sind sie selbst schuld - ebenso wie ihre männlichen Kollegen."

Denn egal, ob männlich oder weiblich: Erfahrung ist für Unparteiische die entscheidende Währung - und genau diese sollten die Schiedsrichterinnen beim Länderpokal sammeln. Während es für die beiden Bundesligaduos sowie die Drittligagespanne damit eine "hochkarätige Trainingsstunde" (Hilfinger) war, stellte die Maßnahme für den Jugendbundesliga-Nachwuchs Adenau/Ebelnkamp und Berndt/Hartmann ein Sprungbrett da. "Wenn sie sich sehr gut präsentieren, großes Engagement zeigen und auch bereit sind, einen hohen Aufwand auf sich zu nehmen, werden wir sie in Absprache mit den Landesverbänden zum Drittligalehrgang einladen", hatte Hilfinger im Vorfeld betont. Ein Vorbild für die Zukunft könnte dabei auch der Perspektivkader im Bereitch der männlichen Jugendbundesliga sein.

Die Nominierung für die 3. Liga ist der Schlüssel für höhere Aufgaben - den Aufstieg in den Bundesligakader. Neben guten Werten in der Beobachtung müssen gerade die weiblichen Gespanne dafür auch im Auftreten überzeugen. "Wir hatten früher durchaus auch männliche Gespanne, die mit sehr hohen Punktzahlen aufstiegen und in der höheren Liga wie der Ochs vor dem Berg standen", erinnert sich Hilfinger. "Daher entwickeln wir die Gespanne und nur, wenn wir das Gefühl haben, dass sie bestehen können, melden wir sie für die nächste Stufe."

Im Hinterkopf haben Jamelle und Hilfinger dabei ein Mantra, das von ganz oben kommt: Frauen pfeifen Frauen. Geht es nach dem Weltverband IHF, sollen in wenigen Jahren ausschließlich weibliche Gespanne bei Großturnieren der Frauen zum Einsatz kommen. "Das ist die Grundintention, aber nicht die Grenze", betont Hilfinger. In Jutta Ehrmann-Wolf und Susanne Künzig gelang bereits einem Frauen-Gespann der Schritt in die Männer-Bundesliga und aufs internationale Parkett. "Die mussten sich durchkämpfen, aber haben sich durch jahrelange harte Arbeit etabliert - und wurden am Ende akzeptiert", zeichnet der Lehrwart eine Karriere nach, den er sich durchaus auch für weitere weibliche Gespanne wünscht. Wie weit diese gehen kann, zeigt die Nominierung der Schwester Julie und Charlotte Bonaventura, die in Frankreich als erstes Frauen-Gespann bei einer Männer-Weltmeisterschaft zum Einsatz kamen.

Bis zu diesem Niveau sind es für die Gespanne des Länderpokals noch einige Entwicklungsschritte, doch von Seiten des DHB sollen keine Barrieren aufgebaut werden. Vielmehr soll die Förderung weiblicher Schiedsrichter weiter ausgebaut werden. "Der Länderpokal war eine sehr gute und wichtige Veranstaltung, doch wir wollen es unbedingt intensivieren", betont DHB-Schiedsrichterwart Jamelle. Dafür erwägt der Verband unter anderem die Einführung von Einzelcoaches, wie es sie auch beim Deutschen Fußball-Bund gibt. Außerdem steht bereits jetzt fest: Auch 2018 soll der Länderpokal der weiblichen Jugend wieder ausschließlich mit Frauen-Gespannen besetzt werden. Denn, so betont Jamelle: "Wir sind auf einem guten Weg!"

Die Gespanne beim Länderpokal 2017

Heinz/Lenhardt (LV Württemberg, Kader Bundesliga)
Kruska/Lange (LV Berlin, Kader Bundesliga)

Eckert/Ludwig (LV Sachsen, Kader 3. Liga)
Noack/Tornow (LV Brandenburg, Kader 3. Liga)
Bashitta/Glaab (LV Württemberg, Kader 3. Liga)
Baumann/Dauth (LV Mittelrhein, Kader 3. Liga)
Becker/Lippert (LV Niederrhein, Kader 3. Liga)

Adenau/Ebelnkamp (LV Niederrhein, Kader weibliche Jugendbundesliga)
Berndt/Hartmann (LV Sachsen, Kader weibliche Jugendbundesliga)
Flegel/Seiter (LV Württemberg, Perspektivkader Baden-Württemberg-Oberliga)

Die Schiedsrichtercoaches beim Länderpokal 2017

Jutta Ehrmann-Wolf (ehemalige EHF-Schiedsrichterin/EHF-Delegierte)
Holger Fleisch (ehemalige EHF-Schiedsrichter/DHB-Elitekader)

Martin Franz (ehemaliger DHB-Schiedsrichter bis zur 2. Bundesliga)
Miriam Jarke (ehemalige Bundesligaschiedsrichterin)
Jürgen Hilfinger (Schiedsrichterlehrwart 3. Liga)
Christian Luther (Beobachter 3. Liga)

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Männer · 1. Bundesliga · Saison 2016/2017
9. Spieltag · 29.01.2017 · 17:30 Uhr
Frankreich33:26
Norwegen
AccorHotels Arena (zuvor Palais Omnisports de Paris-Bercy)
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Torschützen: Karabatic (6), Guigou (5/2), Mahé (5/3), Porte (5), Remili (4), Sorhaindo (3), Narcisse (2), Fabregas (2), Abalo (1),
Siebenmeter:5 / 7
Zeitstrafen:1
Rot:
Torschützen: Tønnesen (5), Myrhol (4), Hansen (4), Bjørnsen (4), Tangen (3), Jøndal (2), O´Sullivan (1), Gullerud (1), Sagosen (1), Johannessen (1),
Siebenmeter:0/0
Zeitstrafen:2
Rot:

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