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02.02.2017 10:00 Uhr - 1. Bundesliga - hüp

"Meine innere Haltung ist mein guter Zustand": Dominik Klein beim #Praxisforum

Dominik Klein sprach in Essen über das Potenzial des Individuellen Performance CoachingDominik Klein sprach in Essen über das Potenzial des Individuellen Performance Coaching
Quelle: Michael Heuberger
Prominenter Besuch beim 5. Praxisforum Handball powered by Alpha Sports im Ruhrturm in Essen: In Dominik Klein teilte ein Weltmeister von 2007 seine Erfahrungen mit den rund 100 Teilnehmern. Der Linksaußen des HBC Nantes referierte über ein Thema, das ihm besonders am Herzen liegt: Das Potenzial des Individuellen Performance Coaching in der Mannschaftssportart Handball. Dabei geht es um die Zusammenarbeit mit einem Experten, den Klein nicht als Mental-, sondern als Performancecoach bezeichnet.

Gespickt mit vielen kleinen und großen Anekdoten aus seiner Karriere erläuterte Dominik Klein den Weg, den er seit 2010 zusammen mit Jürgen Boss, seinem Personal Coach im Mentalbereich, gegangen ist. "Ich hatte zu der Zeit, 2009, eine ziemlich schleppende Phase“, erinnerte sich Klein, „Die Kurve ging nicht wirklich nach oben." Heiner Brand nominierte ihn nach der Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2010 in Österreich nicht für das Großturnier, auch im Verein konnte er nicht an seine Vorjahresleistung anknüpfen. "Ich habe mir Gedanken gemacht und bin zu demjenigen gegangen, der mir empfohlen wurde", so Klein über die Kontaktaufnahme mit Boss. "Es war relativ witzig, als wir uns getroffen haben hat er mir erzählt, dass er kaum Ahnung von Handball hat", erzählt Klein und erinnert sich lachend: Eine der ersten Fragen von Boss sei gewesen: "Du bist doch Rechtshänder, du spielst bestimmt auf Rechtsaußen?"

Der Linksaußen und sein Personal Coach mussten also beide ganz von vorne anfangen, was das Spezialgebiet des jeweils anderen angeht. "Er hat mir zig Fragen gestellt, wie ich denn in einen guten Zustand komme", erinnert sich Klein an das erste Treffen. Diese Frage habe er zigmal gehört, bis er für Boss in Worte fassen konnte, was für ihn ein guter Zustand eigentlich sei. "Wenn ich in der Abwehr stehe, dann brennt das. Dann kommen hier Flammen, dann bin ich hier sowas von bereit", beschreibt Klein das Gefühl, dass der Mentaltrainer aus ihm herausgekitzelt habe - ein Gefühl, dass er zu diesem Zeitpunkt lange nicht mehr gehabt hatte. "Ich bin immer ein Spieler gewesen, der in der Abwehr steht und sagt: Auf meiner Seite passiert nichts – so komme ich gut in ein Spiel rein", erklärt Dominik Klein. "In der Abwehr kann ich selbst entscheiden, was zu machen ist – ich bin derjenige der aktiv sein kann. Im Angriff bin ich abhängig von meinen Mitspielern und es zählen immer nur die Tore. Aber in der Abwehr kann ich mir ein gutes Gefühl holen, um in ein Spiel zu kommen."

Selbstreflexion ist ein wichtigste Stichwort, wenn es um individuelles Performance Coaching geht. Egal, ob als Spieler auf dem Feld oder als Trainer an der Seitenlinie: Wichtig ist, an dieser Stelle einen Berater oder einen Gesprächspartner zu haben, mit dem man darüber reden kann. Die Frage nach dem guten Zustand sei jedoch von Person zu Person anders. Beim Aufwärmen in der Ostseehalle in Kiel, vor einem wichtigen Champions League-Spiel habe er seinen Fokus verloren, erinnert sich Klein, weil sein Mannschaftskollege die Hallenmusik mitgepfiffen hat und gut gelaunt war vor einem wichtigen Spiel. "Meine Energie war bei meinem Mitspieler, dem ich mit seiner guten Laune unterstellt habe nicht konzentriert zu sein. Und diese Energie ging mir dabei verloren, die ich selbst gut gebrauchen kann, um in einem Spiel 60. Minuten 100 Prozent geben zu können." Die Erklärung von Jürgen Boss brachte ihn auf den Gedanken: "Jeder hat seinen eigenen individuellen Weg sich in einen "guten Zustand" zu bringen!"

Die Arbeit mit Boss habe ihm auch in zahlreichen weiteren Situationen geholfen. 2009 war der THW Kiel drei Spieltage vor Saisonende beim Tabellenführer HSV Handball gefordert. Damals auf der Bank: Martin Schwalb, Kleins ehemaliger Trainer bei der SG Wallau/Massenheim. Im Vorfeld dieser Partie hat Klein mit seinem Perfomance Coach mögliche Szenarien durchgespielt: Schwalb, der an der Seitenlinie einen kumpelhaften Spruch bringen könnte, um ihn aus dem Konzept zu bringen, der ihm seine Aufmerksamkeit/Energie ein bisschen rauben könnte. "Aber ich hab das Spiel umgedreht und hab gefragt, ob bei ihm Zuhause alles gut ist", erklärt Klein. Solche Szenen im Vorfeld zu besprechen, lassen ihn dann im Moment des Eintreffens nicht nachdenken.

"Oftmals ist in dem Einfachen auch die Lösung. Ich erkläre und beantworte einfachste Fragen und merke, wie ich mir die Lösung im Gespräch manchmal selbst sage." Dann sei auch schon das Telefonat beendet und der Weg ist frei für den "guten Zustand".

„Als Verein kann man, egal in welcher Liga, versuchen eine solche vertrauensvolle Person zur Verfügung zu stellen, wo die Spieler hingehen können. Wo aber auch der Trainer hingehen kann. Aus solch einer Zusammenarbeit kann ein Trainer dann auch herausfinden, welcher Spieler braucht welche Ansprache oder welches Feedback", so Klein. Er resümiert: "Schlussendlich kann jeder für sich einen Kanal finden, um darüber zu sprechen, um seine Gefühlslage und was einen beschäftigt loszuwerden oder besser gesagt zu verarbeiten. Dieser freigewordene Arbeitsspeicher wird einem im Spiel helfen."

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