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17.07.2017 11:30 Uhr - 1. Bundesliga - spk

"Ich kann es kaum erwarten": Eulen-Shooter Patrick Weber im Interview

"Wird nicht leicht, bei uns zu gewinnen": Patrick Weber von den Eulen Friesenheim"Wird nicht leicht, bei uns zu gewinnen": Patrick Weber von den Eulen Friesenheim
Quelle: Harry Reis
Für Patrick Weber und die TSG Ludwigshafen-Friesenheim ging am 38. und letzten Spieltag der vergangenen Saison ein Traum in Erfüllung. Mit den "Eulen" schaffte der 25-Jährige Rechtshänder in einem dramatischen Finish den Aufstieg in die erste Bundesliga. Im Interview mit Sebastian Knierim spricht der gebürtige Mainzer über die Saisonvorbereitung, Trainingswochen ohne Sprungwürfe, seinen Wikipedia-Eintrag und Parallelen zu seinem Vorbild Pascal Hens.

Hallo Patrick, wie hast du die freie Zeit nach der langen Saison und den ausgiebigen Feierlichkeiten verbracht?

Patrick Weber:
Hallo! Nach der langen und intensiven Saison und der ebenso langen und intensiven Aufstiegsfeier war ich erstmal froh, ein paar Tage im Urlaub mit meiner Freundin zu entspannen und alles in Ruhe zu verarbeiten. Aber gleich danach kam schon wieder das Kribbeln.

Die Eulen Ludwigshafen sind vergangene Woche offiziell in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet: Wie viel "Vorfreude" verspürst du beim Blick auf den Trainingsplan?

Patrick Weber:
Sehr viel Vorfreude! In der Vorbereitung muss man zwar regelmäßig an seine Grenzen gehen, aber dabei lernt man gleich sehr gut die neuen Mitspieler kennen. Mit der richtigen Einstellung innerhalb der Mannschaft kann das Ganze dann sogar Spaß machen. Aufgrund des engen Terminplans ist gar nicht so viel Zeit für Quälereien, da sieht man gleich von Anfang an Licht am Ende des Tunnels. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, bis die Saison losgeht.

Auf dich und dein Team wartet eine große Aufgabe - als Aufsteiger kann es in der stärksten Liga der Welt nur um den Klassenerhalt gehen, oder?

Patrick Weber:
Auch wenn unsere Freunde vom TV Hüttenberg im Aufstiegsrausch gleich mal in Richtung Europapokal geschielt haben, kann es für die drei Aufsteiger nur darum gehen, die jeweils anderen zwei Teams hinter sich zu lassen. Wenn dann noch ein etablierter Erstligist strauchelt, ist das umso besser für uns. So oder so: Das Ziel ist und bleibt, am Ende über dem Strich zu landen.

Was macht dich optimistisch, dass ihr dieses Ziel erreichen werdet?

Patrick Weber:
Da gibt es viele Gründe. Vor zwei Jahren wurde bei den Eulen nach dem Bundesliga-Abstieg und den Abgängen von über zehn Spielern ein komplett neues Team mit vielen jungen Spielern aus der Region zusammengestellt. In dieser Zeit hat sich ein einzigartiger Teamgeist entwickelt und jeder Spieler hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind inzwischen sehr gut eingespielt und müssen nicht ganz von vorne anfangen.
Ich glaube, dass es auch in der ersten Liga nicht einfach wird, bei uns in der Eberthalle zu gewinnen. Das Pfälzer Publikum freut sich wahnsinnig auf die erste Liga und wird die Halle bei jedem Heimspiel zum Kochen bringen. Man könnte uns zwar mangelnde Erfahrung vorwerfen - allerdings können wir dadurch sehr unbekümmert in die Saison gehen und verkrampfen nicht so schnell.

Du warst in der heißen Phase der vergangenen Saison Leistungsträger und hast regelmäßig "abgeliefert". Wie siehst du deine Entwicklung, seit du 2015 von Balingen nach Ludwigshafen gewechselt bist?

Patrick Weber:
Ich bin nach Ludwigshafen gekommen, um mich bei einem starken Zweitligisten durchzusetzen und zu einem Leistungsträger zu entwickeln. Ich denke, ich konnte von Anfang an meine Stärken aus dem Rückraum gut einbringen, hatte aber noch Probleme in der Abwehrarbeit und im 1:1-Verhalten. Daran habe ich intensiv gearbeitet, um ein kompletterer Spieler zu werden. Auch wenn es immer Verbesserungspotenzial gibt, zeigen mir insbesondere die letzten Monate, dass ich auf dem richtigen Weg bin und jetzt der ideale Zeitpunkt ist, um sich in der ersten Liga mit den besten Spielern der Welt zu messen.

Welchen Anteil hat dein Coach Benjamin Matschke an dieser positiven Entwicklung?

Patrick Weber:
Er weiß sowohl die Stärken, als auch die Schwächen seiner Spieler sehr gut einzuschätzen und sie auch entsprechend einzusetzen. In meinem Fall heißt das, dass ich in der Defensive vermehrt auf der Spitze in der 5:1-Deckung eingesetzt werde, um meine Größe und Schnelligkeit auszuspielen und nicht im Mittelblock, wofür mir einfach ein paar Kilo fehlen. Neben dem enorm wichtigen Vertrauen, dass er allen Spielern gibt, hilft er einem durch individuelle Trainingsaufgaben dabei, intensiv an Schwächen zu arbeiten. Da kann es mal vorkommen, dass ich eine ganze Trainingswoche lang nicht einen Sprungwurf im Training habe und mich stattdessen immer wieder in 1:1-Situationen bringe.

In deinem Wikipedia-Eintrag steht "Linksaußen, der auch im Rückraum eingesetzt werden kann". Müsste es mittlerweile nicht eher "Rückraumspieler, der auch auf Linksaußen eingesetzt werden kann" heißen?

Patrick Weber:
Am liebsten wäre es mir inzwischen, wenn da einfach "Rückraumspieler" stehen würde (lacht). Meine Flexibilität hat mir zwar einige Türen geöffnet, letztendlich bin ich aber seit frühester Jugend im Rückraum zuhause. Es war und ist auf jeden Fall hilfreich, beide Positionen kennenzulernen. Als einer von wahrscheinlich wenigen Spielern, die beide Positionen über Jahre hinweg gespielt haben, kann ich festhalten, dass zwar beide Positionen Spaß machen, aber Training als Rückraumspieler definitiv anstrengender ist, als als Außenspieler.

Abgesehen vom Klassenerhalt: Welche persönlichen Ziele verfolgst du im kommenden Jahr?

Patrick Weber:
Ich möchte als Führungsspieler vorangehen und meinen Mitspielern helfen, so gut es geht. Dazu gehört in meinem Fall natürlich vor allem Torewerfen, aber damit ist es noch lange nicht getan. Ich freue mich einfach wahnsinnig auf diese Saison und möchte auf und neben dem Spielfeld alles dafür geben, dass am Ende das bestmögliche Resultat herauskommt.

Viele Spieler in der Bundesliga studieren nebenher, um für die Karriere nach der Karriere gerüstet zu sein. Du hast dich für ein Jurastudium entschieden. Wie läuft die Studentenkarriere - konntest du in den letzten Monaten überhaupt die Uni besuchen?

Patrick Weber:
Als Handballer hast du nicht den Luxus, nach deiner Karriere die Beine hochzulegen. Das wäre mir allerdings auch viel zu langweilig. Aktuell liegt mein Hauptaugenmerk klar auf dem Handball. Gerade in den letzten, nervenzereißenden Wochen der Saison war ich mental kaum in der Lage, an irgendetwas anderes zu denken. Es kann manchmal aber auch ganz angenehm sein, sich mit Jura zu beschäftigen. Ich versuche, jedes Semester einen Schritt in Richtung Staatsexamen weiterzukommen. Das klappt bisher ganz gut.

Als kleiner Junge war Pascal Hens dein Lieblingsspieler. Wenn man genauer hinschaut, fallen einige Gemeinsamkeiten auf: die Herkunft aus der Nähe von Mainz, die schlaksige Figur und ein Hammer im rechten Arm. Gibt es noch weitere Parallelen?

Patrick Weber:
Da Pascal Hens nicht nur mein persönliches Vorbild, sondern auch einer der besten deutschen Handballer aller Zeiten ist, ehren mich solche Vergleiche natürlich - auch wenn da schon noch ein ziemlich großer Unterschied besteht. Tatsächlich hat man aber auch mir aufgrund meines schmalen Körperbaus zu Beginn meiner Karriere einen sehr schmeichelhaften Spitznamen gegeben (grinst).
Ich denke, auch Pascal hatte sehr damit zu kämpfen, dass er nie richtig zum Abwehrspieler ausgebildet wurde. Zumindest was das angeht, bilde ich mir ein, schon einen Schritt weiter zu sein.

Dein jüngerer Bruder Julian zählt zur internationlen Spitze der Speerwerfer und stand 2016 im olympischen Finale. Wer von euch beiden würde den Handballweitwurf für sich entscheiden?

Patrick Weber:
Da sich mein Bruder gerade von einer schweren Ellenbogenverletzung erholt, rechne ich mir aktuell ganz gute Chancen aus (lacht). Wenn er nächstes Jahr wieder fit ist und sich auf die EM in Berlin vorbereitet, habe ich dann wahrscheinlich eher schlechte Karten.

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