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21.07.2017 13:09 Uhr - 1. Bundesliga - dpa und red

Nachruf auf "Monsieur Handball": Bernhard Kempa verstorben

Bernhard Kempa verstarb im Alter von 96 JahrenBernhard Kempa verstarb im Alter von 96 Jahren
Quelle: Michael Heuberger
Bernhard Kempa war schon zu Lebzeiten eine Handball-Legende: Er begründete die Erfolge von Frisch Auf Göppingen, der nach ihm benannte Trick gehört zum Standard-Repertoire der Sportart und wurde zudem Namensgeber der Handball-Linie der Firma Uhlsport. Eine Karriere war ihm unterdessen nicht genug: Mit 47 Jahren fing Bernhard Kempa noch einmal ganz von vorn an. "Monsieur Handball" verschrieb sich dem Tennis - und war damit so erfolgreich wie zuvor in seiner ersten Laufbahn, wurde bei den Senioren dreimal Weltmeister. Am heutigen Freitag bestätigte die Familie gegenüber der Südwestpresse den gestrigen Tod von Bernhard Kempa im Alter von 96 Jahren.

"Mit dem Kempa-Trick hat sich Bernhard Kempa unsterblich gemacht. Sein Name ist in unseren Hallen noch immer bekannt. Der deutsche Handball verdankt dem Spieler und Trainer Bernhard Kempa unglaublich viel", sagte Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) anlässlich des 95. Geburtstags der Handball-Legende, die zuvor sechzig Ehejahre mit seiner Frau Marianne in seiner Heimat in Bad Boll gefeiert hatte.

"Wir trauern um einen der größten Sportler, die Deutschland hervorgebracht hat. Was der deutsche Handball dem Spieler und Trainer Bernhard Kempa verdankt, ist kaum in Worte zu fassen", so Andreas Michelmann heute. Der Präsident des DHB betont: "Bernhard Kempa hat Handballgeschichte geschrieben und bleibt mit dem nach ihm benannten Kempa-Trick Teil der DNA unseres Sports."

Sein Meisterstück in Sachen Spielwitz war die Erfindung des Kempa-Tricks. Die Geschichte dieses Tricks beginnt im Training seines Clubs Frisch Auf Göppingen, das entnimmt Kempa seinem "Grünen Ordner", in dem er alle wichtigen Etappen seiner Sportler-Biografie aufbewahrt. "Ein Anspieler hebt den Ball über die Abwehr, sein Mitspieler springt möglichst hoch in den Wurfkreis, fängt den Ball noch im Flug und wirft ein Tor", notierte er.

Das erste Mal vorgeführt wurde dieser Trick am 24. März 1954 in Karlsruhe, im inoffiziellen Länderspiel gegen Schweden. "Beim ersten Mal klappte es nicht, weil ich die Größe der schwedischen Spieler falsch eingeschätzt hatte", erzählt Kempa im Buch "Monsieur Handball", das 2007 sein Leben würdigte. In seiner Autobiografie "Ball ist Trumpf" schrieb er: "Wir haben bei Frisch Auf in Göppingen im Training immer viel ausprobiert. Mal dies, mal das. Auch das Training sollte Spaß machen. Und bei solchen spaßigen Übungen erfand ich den Trick." Weil die ganze Aktion in der Luft passierte, ist der Kempa-Trick auch als "Flieger" bekannt, in Deutschland aber ist es der "Kempa".

Und der wurde Namensgeber für die Handball-Linie der Firma Uhlsport. "Ich kannte Bernhard Kempa schon viele Jahre. Zu meiner Gymnasialzeit war er mein Sportlehrer gewesen. Als die uhlsport GmbH in den Handballsport einsteigen wollte, habe ich den Kontakt zu Bernhard aufgenommen. Er war sofort von der Idee, uns die Nutzung seines Namens zu erlauben, begeistert. Der Tod Bernhard Kempas macht mich persönlich sehr betroffen", so Günter Daiss, Gesellschafter der uhlsport GmbH.

Geboren wurde Bernhard Kempa am 19. November 1920 im oberschlesischen Oppeln. Dort begann er mit 14 Jahren seine Handball-Karriere und spielte nach dem Krieg zunächst beim TSV 1860 München, wo er fast von den Fußballern abgeworben worden wäre. Während des Krieges wurde die neunköpfige Familie in alle Winde zerstreut. Bernhard, einer von insgesamt fünf Brüdern und zwei Schwestern, landete nach Kriegsende in München, spielte beim TSV 1860 und lernte an der Isar seine spätere Frau Marianne, deutsche Handball-Meisterin mit dem VfL München, kennen.

Obwohl er ein Angebot von 1860 München besaß, es als Fußballer in der Oberliga zu versuchen, blieb er doch beim Handball. "Die Fußballer bekamen zum Training eine Vesper: eine Maß Bier und ein Stück Leberkäse. Das hat mir gefallen, und da habe ich ein paar Mal mittrainiert", berichtete Kempa. Doch vor seinem ersten geplanten Spiel gegen den 1. FC Nürnberg kehrte er den Kickern den Rücken und wandte sich wieder dem Handball zu.

Nach Göppingen zog es ihn 1947, weil der Verein ihm eine Wohnung und auch einen Arbeitsplatz verschaffen konnte. Als Präsidiumsmitglied des Bayrischen Roten Kreuzes spürte Kempa nach und nach seine Familie wieder auf und vereinte sie - bis auf zwei gefallene Brüder und den verstorbenen Vater - 1950 in Göppingen. Mit ihm und durch ihn - und mit Hilfe seiner Brüder Achim und Gerhard - stieg der Verein Frisch Auf! zum Nonplusultra im deutschen Handball auf. Kempa gewann mit Frisch Auf! Göppingen als Spieler vier Meister-Titel (je zwei Feld und Halle) sowie als Trainer fünf Hallen-Meisterschaften und 1960 den Europapokal der Landesmeister. In seiner Ära wurde der Begriff von den "Kempa-Buben" geprägt.

FAG-Vereinspräsident Thomas Lander erklärte: "Der Verstorbene war über siebzig Jahre Mitglied von Frisch Auf Göppingen. Mit Bernhard Kempa als Spieler, Spielertrainer und Trainer konnte Frisch Auf seine größten Erfolge feiern. Er war als zweifacher Weltmeister, vielfacher Deutscher und Württembergischer Meister einer der herausragenden Sportler seiner Zeit. Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten seiner Frau und allen Angehörigen. Bernhard Kempa und sein Wirken werden bei Frisch Auf unvergesslich bleiben."

Seine Karriere lässt sich keinesfalls auf die geniale Erfindung reduzieren: Kempa zählte zu seiner aktiven Zeit zu den besten Handballern der Welt, auch im Trikot der deutschen Auswahl. 1952 und 1955 wurde er mit der Bundesrepublik Weltmeister auf dem Feld; das Finale 1955 gegen die Schweiz (25:13) im Dortmunder Stadion Rote Erde, als Kempa sieben Tore warf, verfolgten über 50.000 Zuschauer. 1954 wurde der 31-malige Nationalspieler in Schweden Vize-Weltmeister.

Bernhard Kempa hätte Welthandballer und Welttrainer sein müssen, aber diese Auszeichnungen sind erst weit nach seiner aktiven Zeit geschaffen worden. Ligapräsident Uwe Schwenker hatte zum 95. Geburtstag erklärt: "Wir verdanken Bernhard Kempa große Momente im Sport, die weit über den Kempa-Trick hinaus reichen." DHB-Vizepräsident Bob Hanning befand: "Er ist ein Idol für Generationen."

Ehrungen wurden ihm dennoch zahlreich zuteil: Er bekam das Bundesverdienstkreuz, die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg zweimal das Silberne Lorbeerblatt und wurde 2011 in die "Hall of Fame" des deutschen Sport aufgenommen. Seine Spuren hinterließ Bernhard Kempa aber nicht nur durch seinen Trick oder seine Erfolge, sondern durch seine Leidenschaft für den Sport, die er auch im hohen Alter in jedem Gespräch transportierte und so auch den Nachwuchs begeisterte.

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