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12.08.2017 14:52 Uhr - 1. Bundesliga - HP DHB.de

U21-Trainer Wudtke: "Es war eine erfolgreiche WM, schade um die Medaille"

Erik WudtkeErik Wudtke
Quelle: Michael Heuberger
Vor einem Jahr holte er als Assistent von Markus Baur EM-Silber mit den deutschen Junioren, nun war Erik Wudtke als Cheftrainer bei der U21-Weltmeisterschaft in verantwortlicher Funktion tätig - zog ins Halbfinale ein und wurde am Ende nach Niederlagen gegen Spanien und Frankreich unglücklicher Vierter. Der 45-jährige Rheinländer zieht in diesem Interview seine WM-Bilanz, blickt aber auch schon auf die gerade stattfindende U19-WM in Georgien - schließlich wird er diese Spieler bald bei den Junioren begrüßen.

Mit etwas Abstand: Wie fällt Ihre Bilanz der WM in Algerien aus?

Erik Wudtke:
Es war eine erfolgreiche Weltmeisterschaft, auch wenn wir die beiden letzten Partien leider verloren haben. Es ist bitter, wenn du ins Halbfinale kommst und dann Vierter wirst. Ich habe echtes Mitgefühl mit den Jungs, denn die haben unglaublich viel investiert und hart gearbeitet. Schade um die Medaille! Wir gehören zu den besten Vier der Welt - das ist, was zählt.

Zwei Jahre zuvor hatte diese Mannschaft im Jugendbereich noch unglücklich das WM-Achtelfinale verpasst.

Erik Wudtke:
Darauf bin ich in Algerien oft angesprochen worden, ich habe mir allerdings nie einen Kopf gemacht. In jeder Mannschaft gab es Änderungen im Kader, jedes Team, jeder Spieler hat sich entwickelt. Und außerdem muss man sagen, dass es bei Weltmeisterschaften sehr eng zugeht. Eine knappe Niederlage, und du bist raus.

...das hätte Ihrem Team im Achtelfinale gegen Schweden passieren können, das erst nach Verlängerung gewonnen wurde.

Erik Wudtke:
Genau - in diesem Spiel hatten es beide Teams verdient gehabt, ins Viertelfinale einzuziehen. In der Verlängerung sind meine Spieler sehr konzentriert geblieben und haben den Vorsprung nicht mehr aus der Hand gegeben, das sprach für sie.

Welche Ihrer Spieler erhalten das Sonderlob des Trainers?

Erik Wudtke:
Es gab welche, die absolut zufrieden sein können, aber auch solche, die nicht alles abgerufen haben, was sie können. Für mich war Marian Michalczyk der beste Mittelmann des Turniers, er hat eine tolle WM gespielt. Linksaußen Lukas Mertens, Torwart Joel Birlehm und Kreisläufer Johannes Golla haben auch überzeugt - genau wie Lars Weissgerber, der die meisten Spielanteile hatte und extrem hohe Quoten im Gegenstoß und beim Siebenmeter hatte. Sebastian Heymann hat bis zum Halbfinale sehr gut gespielt, aber für ihn war die U21 auch absolutes Neuland. Er hat seine Sache gut gemacht und wird in Zukunft eine tragende Säule sein.

Welche Entwicklungen, welche Neuerungen haben die WM geprägt?

Erik Wudtke:
Bei Jugend- und Junioren-Turnieren wird generell mehr ausprobiert als bei den A-Mannschaften, deswegen ist es immer wieder spannend. In diesem Jahr waren es die Schein-Übergängen mit nur kurz einlaufenden Außen, die von vielen Mannschaften - auch uns - als taktisches Mittel gegen eine offensive 6:0-Abwehr eingesetzt wurden. Ein weiterer Trend: So gut wie keine Mannschaft spielt mehr 7 gegen 6, die einzigen, die es konsequent und gut gemacht haben, waren die Dänen, ein Schlüssel zu ihrem Finaleinzug. Dafür füllt aber auch fast jede Mannschaft in Unterzahl mit dem sechsten Feldspieler auf - das ist jetzt schon Standard.

Ihre künftige Mannschaft ist die aktuelle U19 von Jochen Beppler. Wie intensiv verfolgen Sie deren aktuelle Auftritte bei der WM in Georgien?

Erik Wudtke:
Natürlich sehr intensiv, ich schaue mir alle Spiele an, entweder als Livestream oder dann in Ruhe später. Zudem habe ich auch einen permanenten Austausch mit Jochen Beppler und Axel Kromer. Ich freue mich auf diese Spieler und auf unseren ersten gemeinsamen Lehrgang, zu dem ich dann mit Klaus-Dieter Petersen einladen werde. Gleichzeitig habe ich bei der WM auch schon unsere potenziellen Gegner im Blick.

Die U21-Spieler, die Sie jetzt in den Seniorenbereich "entlassen" haben, werden Sie aber auch weiter beobachten?

Erik Wudtke:
Das ist doch völlig klar, dass ich deren Entwicklung nicht aus den Augen lasse. Es freut mich, dass viele nun einen Verein in der ersten Liga haben - denn im Vergleich zu uns haben die Medaillengewinner aus Spanien, Dänemark und Frankreich allesamt in den ersten Ligen ihrer Länder gespielt. Generell ist es aber schon toll, wie die HBL auf deutsche Talente setzt.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning hat in einem Interview gesagt, im Spätsommer setzen sich alle im Nachwuchs Beteiligten des DHB zusammen, um festzulegen, wo der DHB in vier Jahren stehen will. Kann man im schnelllebigen Nachwuchsbereich so langfristig planen?

Erik Wudtke:
Aber natürlich. Man kann doch Ziele festlegen, die ein Jugendtalent von heute in vier Jahre erreicht haben soll, wo er stehen soll, was er können muss. Insgesamt befinden wir uns in einer sehr spannenden Phase mit einem immer höheren Grad an Professionalisierung. Das Oberziel ist aber gleich: Möglichst viele Nachwuchsspieler in die A-Nationalmannschaften zu bringen. Auf dem Weg dorthin arbeiten zum Beispiel an der Systematik, ein wichtiger Baustein ist der Elitekader. Und für mich ist es spannend, Teil dieser Entwicklung zu sein, ich freue mich drauf, junge Spieler auf diesem Weg zu begleiten.

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