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18.08.2017 10:00 Uhr - 1. Bundesliga - Daniel Genings

Praxis-Forum: "Ohne Breite kommt man nicht zur Spitze" - Begeisterungsmöglichkeiten in Österreich

Dietmar PeißlDietmar Peißl
Quelle: Marco Wolf
Auch bei der 6. Ausgabe des Praxis Forum Handball beim TÜV Rheinland in Köln war der schon fast zur Tradition gewordene Besuch eines Vortragenden aus Österreich wieder fester Bestandteil der Agenda. Dietmar Peißl, Landessportkoordinator des Steirischen Handballverbandes, stellte Möglichkeiten vor um Kinder, Jugendliche und Erwachsene für diesen Sport zu begeistern. "Wir wollen Leute holen, die wenig oder gar nichts mit dem Handball zu tun haben", so Peißl.

"In Österreich haben wir etwa 8.000 aktive Handballer, da müssen wir einfach andere, kleinere Brötchen backen", so Peißl zu Beginn seines Vortrages über die strukturierte Weiterentwicklung des Handballs in ländlichen Regionen. "Wir müssen flexibel agieren, um gegen den König Fußball zu bestehen", so der Landessportkoordinator weiter. Denn auch in der Alpenrepublik ist der Fußball die Ballsportart Nummer eins. Umso erfolgreicher das Modellprojekt in der Steiermark, wo das Bundesland dem Handballverband die Stelle des Landessportkoordinators finanziert um die Entwicklung des Handballs zu fördern.

Um Leute an der Basis für den Handball zu begeistern, realisiert der steirische Handballverband seit mehr als fünf Jahren verschiedenste Projekte. Aufgrund der Erfolge wurde deshalb auch das ursprüngliche Modellprojekt in eine Regelförderung überführt. "Seit 2012 haben wir etwa 40 Projekte umgesetzt", berichtet Peißl von verschiedensten Handballturnieren, angefangen in den Grundschulen, über Handballtage in Regionen oder dem Handballmarathon in der Steiermark, an dem auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit körperlichen und geistigen Behinderungen teilgenommen haben.

"Beim Handballmarathon war der jüngste Teilnehmer fünf Jahre alt, der älteste 75", berichtet Dietmar Peißl von der Bandbreite der Teilnehmer. "Wir haben im Rahmen der Special-Olympics auch Rollstuhl-Handball gespielt und insgesamt war der Marathon eine tolle Werbung für den Handball und eine perfekte Veranstaltung."

Mit beispielsweise solchen Aktionstagen will man viele nicht nur für Handball, sondern auch für Sport im Allgemeinen begeistern, denn etwa 60% der Jugendlichen in Österreich bestreiten eher weniger Sport. "10.000 Schritte sollen es pro Tag schon sein, doch oft ist das Fernsehen und das Smartphone ein beliebterer Freizeitpartner", berichtet Peißl. "Die Kinder und Jugendlichen wollen sich nicht mehr quälen", verweist der Österreicher auf die Bequemlichkeit der Jugend von heute.

"Kinder sind die Basis für die Zukunft, deshalb fangen wir bereits in der Volksschule mit den Veranstaltungen an. Sie sind ein wichtiger und starker Impuls für den weiteren Weg", stellt Peißl fest. "Ohne Breite kommt man nicht zur Spitze." Und genau diese Breite will der Steirische Handballverband fördern. "Wir versuchen, neue Vereine zu entwickeln und stehen bei ihrer Gründung dann zur Seite." Mittlerweile ist es gelungen, in der Steiermark neue Vereine zu gründen.

Und die Arbeit zahlt sich aus. "Früher sind die Fördermittel vom Land verpufft, nun schaffen wir es, die Unterstützung umzusetzen", ist für Peißl wichtig, dass nicht nur Trainnigseinheiten und -aktionen für Kinder geschaffen werden.

"Wir unterstützen auch in der Trainerausbildung und arrangieren Austauschveranstaltungen mit Profi-Clubs. Zum Beispiel mit dem THW Kiel", besuchte jüngst THW-Manager Thorsten Storm die Steiermark. "29 Spielerinnen und Spieler aus der Steiermark haben es in die Junioren-Auswahlmannschaften des ÖHB geschafft", ist Peißl stolz auf den Erfolg. "Wir können einen Zuwachs von 25% im Bereich der Vereinsmitglieder verzeichnen, die Spielanzahl konnten wir verdreifachen", stellt Dietmar Peißl weitere Erfolge vor.

Eine inzwischen schon traditionelle Veranstaltung sind die steirischen Handballtage. "Mit großer Unterstützung der steirischen Handballvereine setzen wir an drei Tagen an fünf Standorten ein großes Turnier mit Frauen- und Männermannschaften um", berichtet Peißl auch mit Blick auf das kommende Wochenende. Dann sind wieder zwölf Mannschaften im Einsatz, neben den steirischen Topclubs unter anderem auch die Champions League-Teilnehmer aus Zagreb und Szeged. "Für uns ist das Turnier unheimlich wichtig um unsere Kinder, Jugendlichen und alle Handballer zu motivieren."

Peißl träumt von internationalen Handballturnieren für Jugendliche und Kinder "Wir wollen die Nachwuchsarbeit weiter intensivieren und viele weitere Projekte umsetzen." Nächstes großes Ziel im Bereich Erwachsenenhandball ist ein internationales Handballturnier in der Steiermark im Herbst 2018 zur Eröffnung der neuen Sportarena in Graz. "Dort wollen wir mit Schweden, Norwegen, dem dann amtierenden Europameister und natürlich Österreich ein Turnier veranstalten", schließt Peißl ab. So kann die Steiermark sich perfekt auf die EHF EURO 2020 vorbereiten, denn eine Vorrundengruppe wird in Graz ausgespielt. Die EM, an der erstmals 24 Teams teilnehmen werden, findet in 2020 in Schweden, Norwegen und Österreich satt.


Praxis-Forum by handball-world


Das Praxis-Forum Handball ist die Plattform für Austausch und Wissenstransfer zwischen Spitze und Breite. Mit Beispielen aus der Praxis sowie Gesprächsrunden mit hochkarätigen Referenten werden Lösungen und Konzepte für die weitere Professionalisierung in Spitze und Breite des Handballsports diskutiert.

Am 12. August fand in Köln die sechste Auflage der Veranstaltung statt, die siebte ist in der Vorbereitung. Bereits jetzt können sich Interessierte aber unverbindlich per mail an praxisforum@handball-world.com in den Newsletter zu dieser Veranstaltung eintragen.



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