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07.09.2017 12:05 Uhr - 1. Bundesliga - Nele Hüpper

Praxis-Forum: "Ohne Aktivierung wird ein Film nicht funktionieren" - Bewegtbilder sinnvoll nutzen

Désirée Krause Désirée Krause
Quelle: Marco Wolf
Bei der 6. Ausgabe des Praxis-Forum Handball beim TÜV Rheinland in Köln hat Désirée Krause nicht nur moderiert und durch das Event geführt, sondern hielt auch selbst einen Vortrag über ihr Aufgabengebiet in der Welt der Handball-Medien. Die Moderatorin des Handball-Magazins 7Meter, welches sie für die DKB Handball-Bundesliga mit der Agentur Mhoch4 produziert und redaktionell begleitet, hat in ihrem Vortrag darüber gesprochen, wie man Bewegtbilder sinnvoll nutzen kann. "Ohne Aktivierung wird ein Film nicht funktionieren", erklärte Krause.

Zuerst stellte Désirée Krause aber fest, dass es keine Anleitung dafür gibt, wie man einen Film richtig produziert und platziert, damit dieser ein Durchbruch wird. Seit 2011 ist Mhoch4 der Bewegtbildpartner der Bundesliga. "Wir sind eine Bewegtbildagentur mit Sitz in Hamburg, Düsseldorf und Berlin", so Krause über das Unternehmen. Dabei betreut Krause die Handball-Bundesliga als Kunden und darf nun in der dritten Saison in Folge das Magazin 7Meter sowohl moderieren als auch redaktionell begleiten und verantworten. Die Absolventin der deutschen Sporthochschule Köln produziert jedoch nicht nur die Beiträge. "Wir distribuieren vor allem das Material. Mit den vorhandenen Kontakten versuchen wir das Netzwerk so zu aktivieren, dass TV-Sender und Online-Portale das einsetzen", so Krause in ihrem Vortrag. "Wir wollen also nicht nur produzieren sondern auch, dass das Bewegtbild gesehen wird. Das verstehen wir darunter, dass Bewegtbilder sinnvoll genutzt wird."

"Ohne Aktivierung wird ein Film nicht funktionieren", so Krause. "Natürlich gibt es immer Ausreißer, aber darauf kann man sich nicht verlassen", führte sie fort und nannte Beispiele für Filme von Mhoch4, die ohne große Aktivierung durch die Decke gegangen sind. Dazu zählte unter anderem der für die Weltmeisterschaft 2013 von Moch4 aktivierte und vermarktete Film "Heimstärke", der eigentlich nur für den internen Kreis der Nationalmannschaft bestimmt war. "Bevor man zur Aktivierung selbst kommt, sollte man sich aber überlegen, wie genau man das Bewegtbild überhaupt produziert", erklärt Krause. Dabei sind vor allem die folgenden Fragen wichtig: "Warum mache ich den Film, für wen mache ich diesen Film? Will ich meine Fans ansprechen? Oder lieber neue Fans akquirieren? Möchte ich Nachwuchs für meinen Verein? Oder bin ich auf der Suche nach neuen Sponsoren?", führte Krause aus. "Natürlich gibt es auch Kombinationen, dennoch muss ich mir bewusst sein, welche Zielgruppe ich erreichen kann und will, um dann festzulegen, wie ich das angehe."

Nachdem eine Zielgruppe definiert ist, muss eine Plattform für den Film gefunden werden. "Möchte ich einen TV-Spot produzieren oder einen TV-Bericht? Möchte ich auf Online-Plattformen stattfinden? Ist der Film für meine Homepage oder meine Social Media-Kanäle?", listete Krause die für diesen Schritt entscheidenden Überlegungen auf. Am Beispiel der Second Screen-Nutzung junger Erwachsener erläuterte die Moderatorin dann, wie wichtig Soziale Medien seien. "Junge Menschen schauen weniger Fernsehen. Mit jungen Menschen meine ich 14- bis 29-Jährige. Da wird die Nutzung immer weniger und dafür wird die Bewegtbildnutzung über andere Plattformen und Geräte immer mehr", erklärt sie. "72 % der Deutschen nutzten im vergangenen Jahr Bewegtbilder übers Internet." Von Bedeutung sei auch, welche Geräte genutzt werden: Das Smartphone sei auf Platz eins der Endgeräte, gefolgt vom Laptop und dem Tablet. "Deswegen sollte man sich bei seinen Filmen auch überlegen, ob ich die Filme in Apps einspeisen kann", so Krause.

Auch beim Thema Second Screen entwickelt sich die Nutzung ähnlich. "Ich sitze zwar abends ganz klassisch auf dem Sofa und gucke Handball, das Handy liegt aber eh immer neben mir. Irgendwann nehme ich es dann auch in die Hand. Wenn ich eine strittige Szene gesehen habe, oder es eine Schiedsrichterentscheidung gibt, die vielleicht der ein oder andere anders gesehen hat, findet man mich persönlich auf Twitter", erklärt die Sportjournalistin, die in dem Kurznachrichtendienst unter @DesiKrause twittert. "Ich gucke mir an, was andere sagen, habe dazu vielleicht meine eigene Meinung, twittere etwas und lege das Handy dann auch meistens nicht aus der Hand", so Krause über ihr eigenes Verhalten. So gehe es auch vielen anderen Menschen in der Altersklasse 14 bis 29 Jahre: "81 % der jungen Zielgruppe geben an, den Second Screen gelegentlich zu nutzen, 30 %, dass sie ihn täglich nutzen. Was dazu gesagt werden muss: Nur 50 % dieser Zielgruppe schaut überhaupt täglich Fernsehen."

Als Praxisbeispiel brachte Desiree Krause die Social Media-Arbeit der DKB Handball-Bundesliga beim REWE Final Four an. "Strittige Szenen, Verletzungen oder das entscheidende Tor werden direkt ins Internet eingespeist, sodass sie jeder sofort sehen und auch diskutieren und teilen kann. Und genau so funktioniert Second Screen. Natürlich wollen sich die Leute auch online über diese Themen unterhalten und so bietet man den Menschen die Chance dazu", so Krause. "Wenn ich mein Bewegtbild für Social Media-Plattformen anlege sind Untertitel wichtig." Denn das Bewegtbild auf den Social Media-Plattformen käme ohne Untertitel nur bedingt an. "Die Unterwegsnutzung steigt immer mehr an, deswegen steigt auch der Konsum durch Smartphones immer mehr. Wenn man zum Beispiel in der Bahn sitzt, durch Facebook scrollt und ein Video in der Timeline hat, das interessant aussieht was macht man, wenn man keine Kopfhörer dabei hat? Dann fällt man unangenehm auf, wenn man den Film ohne Kopfhörer hört", erklärte Krause.

"Wenn der Film Untertitel hat, dann schaut man ihn. Wenn mein Film mit Untertiteln funktioniert, habe ich genau so viel erreicht, wie wenn ich ihn gehört hätte", sagte Krause. "Deswegen ist das Thema Untertitel gerade auf Social Media wichtig. Es macht auch nicht viel Arbeit, hat aber dafür eine enorme Wirkung. Auf Social Media-Kanälen ist es wichtig, kurz und prägnant zu sein." Und Krause gab den Teilnehmern des Praxis-Forums noch einen Tipp für Videos, die auf Social Media-Kanälen funktionieren sollen: "Alles, was länger als 90 Sekunden ist funktioniert online nicht mehr."

Ausgehend von den ersten Überlegungen erklärte Désirée Krause, dass dann der erste eigentliche Punkt der Filmproduktion kommt: Nämlich die Idee. "Damit steht und fällt das Projekt." Sie sagte, dass eine Film-Idee lustig, skurril, einfach mal etwas Neues sein oder auch auf Konfrontation zu gehen kann. "Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Ganze erfolgreich wird. Und heutzutage ein ganz wichtiges Thema: Storytelling." Storytelling ist eine Erzählmethode. Denn: "Ich als Konsument möchte keine klassische Werbung mehr sehen." Die Idee des Storytellings ist es, eine Marke emotional aufzuladen. "Ich verpacke meine Marke in eine Geschichte. Ich versuche, den Zuschauer zu erreichen, indem ich ein bisschen näher an ihn heran komme", erklärte Krause über Storytelling. "Storytelling soll Geschichten erzählen und Methapern nutzen, um Wissen und Botschaften einfach zu vermitteln. Die Botschaft soll verankert werden, die Leute sollen sich wiedererkennen. Ich kann meine Marke und mein Produkt emotional aufladen. Es wird gar nicht mehr wahrgenommen, dass es hierbei um Werbung geht."

Nach der Produktion des Bewegtbildes gehe es dann darum, das produzierte Material auch zu aktivieren. "Ich will ja auch, dass es viele Leute sehen. Natürlich gibt es Themen und Timings, die kann man nicht planen, da funktioniert das ganz von alleine. Man kann aber versuchen, die Wahrscheinlichkeit dafür zu erhöhen", erklärt Krause. Durch die Unterstützung von Agenturen wie Mhoch4 zum Beispiel. "Wir haben ein breites Netzwerk von Redaktionen, von Online-Portalen die wir ansprechen, anschreiben, die wir persönlich kennen. Denen bieten wir das Material an", erklärt die Sportjournalistin und Moderatorin. "Wie kann ich dafür sorgen, dass den Film nicht nur meine Facebook-Fans teilen, sondern auch von Seiten mit ebenfalls hohen Reichweiten eingesetzt wird? Das ist auch eine Frage, ob man das Geld hat und es ausgeben möchte. Habe ich vielleicht sogar ein Media-Budget? Das fängt bei Facebook an und geht bis zu dem Punkt, an dem ich sage, ich kaufe den letzten Spot vor der Tagesschau."

Hier kämen laut Krause die Multiplikatoren ins Spiel. "Im Handball sind das auch einfach Gesichter wie ein Andreas Wolff oder Uwe Gensheimer, die riesengroße Reichtweiten haben. Wenn Uwe Gensheimer einen Spot von uns teilt, den wir vielleicht mit ihm produziert haben, dann schießt das in die Höhe und erreicht genau die richtige Zielgruppe, es erreicht die Leute, die sich mit Handball identifizieren."

Auf die Frage, welches Bewegtbild sie gern mal produzieren würde meint Krause, dass sie sehr glücklich mit dem 7Meter-Magazin sei. "Das ist das, was ich gern produzieren würde. Und das darf ich zum Glück."




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Das Praxis-Forum Handball ist die Plattform für Austausch und Wissenstransfer zwischen Spitze und Breite. Mit Beispielen aus der Praxis sowie Gesprächsrunden mit hochkarätigen Referenten werden Lösungen und Konzepte für die weitere Professionalisierung in Spitze und Breite des Handballsports diskutiert.

Am 12. August fand in Köln die sechste Auflage der Veranstaltung statt, die siebte ist in der Vorbereitung. Bereits jetzt können sich Interessierte aber unverbindlich per mail an praxisforum@handball-world.com in den Newsletter zu dieser Veranstaltung eintragen.



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