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18.11.2017 13:58 Uhr - 1. Bundesliga - PM ÖHB

Viktor Szilagyi: "Das entscheidende Spiel wird gleich der Auftakt gegen Weißrussland sein"

Viktor Szilagyi (re.)Viktor Szilagyi (re.)
Quelle: Thomas Schmidt
Vergangene Saison noch hatte Österreichs langjähriger Nationalteamkapitän Viktor Szilagyi mit Max und Alex Hermann in seiner Position als Sportdirektor des Bergischen HC zwei heimische Legionäre unter seinen Fittichen. Ab Jänner übernimmt Szilagyi den Posten des Sportdirektors beim THW Kiel, wird dort mit Nikola Bilyk und Raul Santos erneut mit zwei Österreichern zusammenarbeiten. Im Interview spricht der 203fache Internationale über unsere Legionäre in Deutschland, den Teamgeist des Nationalteams und die EURO 2018.

Vergangenes Jahr noch spielten die Zwillingsbrüder Max und Alexander Hermann beim Bergischen HC. Während Max Hermann aufgrund seiner Schulterprobleme noch kein Spiel für seinen neuen Verein, den VfL Gummersbach, bestreiten konnte, scheint sich Alexander Hermann bei der HSG Wetzlar gut eingelebt zu haben.

Viktor Szilagyi:
Ich glaube insgesamt ist er dabei sich zu einer festen Größe in der Bundesliga zu entwickeln. Es läuft gut bei ihm und mit Kai Wandschneider hat er bei Wetzlar einen ähnlichen Trainer wie er bei uns mit Sebastian Hinze hatte. Ein großer Vorteil für ihn war, dass er vom Verein Zeit bekommen hat in die Mannschaft hinein zu wachsen. Durch sehr gute Leistungen hat er dann auch immer mehr Spielzeiten bekommen. Er ist definitiv dabei eine gewisse Konstanz aufzubauen und den nächsten Schritt zu machen.

Kann man sagen, dass Ihre Generation, durch die Leistungen, die man in der deutschen Bundesliga erbracht hat, den heutigen Legionären ein wenig den Weg geebnet hat?

Viktor Szilagyi:
Ich glaube da kann man sogar noch weiter zurückgehen, um mit Ewald Humenberger und Andreas Dicker zum Beispiel zwei zu nennen. Dann kam unsere Generation, da war Patrick Fölser einer der ersten. Man hat sich viel erarbeiten müssen, da hat sich heute viel verändert.

Mit dem Nationalteam konnten wir uns lange Zeit für kein Großereignis qualifizieren. Dann kam die Heim-EM 2010 und seither haben wir uns regelmäßig qualifizieren können und uns immer positiv und gut präsentiert. Da wird man auch für Spitzenklubs in Europa interessant. Das Ziel muss sein, sich weiterhin regelmäßig für Großereignisse zu qualifizieren und dort seine Leistung bringen. Dann stehen die Spieler auch bei sämtlichen Vereinen im Fokus.

Es ist generell eine große Verantwortung von jedem Einzelnen der ins Ausland geht Österreich und den österreichischen Handball so gut wie möglich zu repräsentieren. Ich glaube, das funktioniert in Deutschland sehr gut, auch durch die gemeinsame Sprache und die gemeinsame Kultur. Jeder unserer Legionäre bringt seine Leistung und drückt dem Spiel der eigenen Mannschaft und der Liga seinen Stempel auf. Die Spieler müssen den österreichischen Handball bestmöglich repräsentieren um damit jenen, die Nachkommen, den Weg ins Ausland zu erleichtern. Umso besser die Erfahrungen mit österreichischen Spielern im Ausland sind, umso größer ist auch die Chance ins Ausland zu wechseln. Die Rückmeldungen die ich bekomme sind bislang alle positiv.

Sie selbst haben das österreichischen Nationalteam über viele Jahre als Kapitän angeführt. Zu Ihrer Zeit und auch heute wurde und wird vor allem der Teamgeist und das Kollektiv hervorgehoben. Aus Ihrer Sicht der Kern des Erfolgs der letzten Jahre?

Viktor Szilagyi:
Das Kollektiv war immer schon eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Wir wollten immer übers Kollektiv kommen. Das Nationalteam hat auch immer davon profitiert, dass der ein oder andere Spieler bei einem Profiverein gearbeitet hat.

Im Juni schaffte das Nationalteam die Qualifikation für die EURO 2018. Wie beurteilen Sie die Leistungen gegen Bosnien-Herzegowina und zuletzt gegen Serbien?

Viktor Szilagyi:
Ich war begeistert vom Spiel gegen Bosnien-Herzegowina. Es hatte Höhen und Tiefen, Torhüterwechsel, taktische Wechsel in der Abwehr, Dramatik. Alle, die Fans, die gesamte Halle, waren begeistert wie die Mannschaft sich präsentiert hat und dass sie immer an den Sieg geglaubt hat. Die Jungs fahren völlig verdient zur EM. Das ist auch das grundlegende Ziel, bei jedem Großereignis dabei zu sein.

Dadurch haben auch jene Spieler die mit ihrem Verein nicht international spielen die Möglichkeit auf höchstem Niveau zu spielen. Die Heim-EM 2020 ist eine super Sache. Umso schöner ist der Erfolg, auf dem Weg dorthin, sich aus eigener Kraft für die jetzige EM qualifiziert zu haben. Dadurch sammeln sämtliche Spieler, die womöglich auch 2020 spielen werden, viel Erfahrung und übernehmen Verantwortung. Man kann gar nicht hoch genug einschätzen was sie da geschafft haben.

Bei der EURO 2018 selbst erwischte man mit Weltmeister Frankreich, Vize-Weltmeister Norwegen und Weißrussland eine äußerst schwere Gruppe. Ist das erste Spiel gegen Weißrussland gleich das Schicksalsspiel?

Viktor Szilagyi:
Das entscheidende Spiel wird gleich der Auftakt gegen Weißrussland sein. Man hat keine Zeit ins Turnier hineinzukommen, man muss gleich voll da sein. Da steht jeder einzelne in der Verantwortung, früh genug sich damit mental auseinanderzusetzen.

Sehen Sie es als Vorteil oder als Nachteil, dass man dieses Spiel gleich zu Beginn bestreitet?

Viktor Szilagyi:
Das ist eine Frage die man erst im Nachhinein beantworten kann. Bei der EM 2014 in Dänemark haben wir im ersten Spiel gegen Tschechien unser bestes Spiel rausgehaut und sind in die Hauptrunde gekommen. Man weiß nie, was in der Gruppenphase passieren wird.

Ich denke, es wird sich zwischen Österreich und Weißrussland entscheiden, wer in die Hauptrunde kommt. Bei einem Erfolg gilt es, die restlichen Spiele bestmöglich zu nutzen um sich auf die Hauptrunde vorzubereiten. Das wünsch ich mir, wie ganz Österreich. Bei einer Niederlage ist nicht alles verloren, aber das erste Spiel wird richtungsweisend sein.

Werden Sie die Mannschaft vor Ort anfeuern?

Viktor Szilagyi:
Ich bin möglicherweise vor Ort, weiß aber ehrlich gesagt noch nicht wie ich das mit dem neuen Job hinbekomme, da ja nicht nur beruflich eine Veränderung ansteht, sondern wir auch in dieser Zeit übersiedeln. Ich habe es auf jeden Fall vor nach Kroatien zu kommen.

Stichwort neuer Job: Ab Januar übernehmen Sie den Posten als Sportdirektor beim THW Kiel. Freuen Sie sich darauf dort mit Nikola Bilyk und Raul Santos wieder mit zwei Österreichern arbeiten zu können?

Viktor Szilagyi:
Ja klar. Generell freue ich mich wieder nach Kiel zu kommen. Der neue Job ist eine Herausforderung auf die ich mich ebenso freue, bin aber auch ein wenig traurig, dass es hier beim BHC dann zu Ende geht.

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