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20.11.2017 14:00 Uhr - 1. Bundesliga - Robin Engelking - handball-world.com

Jari Lemke: "Davon habe ich nicht einmal geträumt"

Jari LemkeJari Lemke
Quelle: Paul Cohen
Es sah schlecht aus für den TBV Lemgo, wenige Spieltage vor Schluss der vergangenen Saison. Mit drei Siegen zum Saisonende, gelang der Mannschaft von Trainer Florian Kehrmann hauchdünn der Klassenerhalt. Entscheidenden Anteil daran hatte ein junger Mann, den die wenigsten Experten auf dem Zettel hatten: Jari Lemke von den Lemgoer Youngsters übernahm in den existenziell wichtigen Spielen auf der Mittelposition eine Menge Verantwortung. Wie sich dies für den 20-Jährigen anfühlte und wie er die laufende Saison und seine Rolle im Team einschätzt, erzählt der junge Bruder von Finn Lemke im Interview mit Robin Engelking.

Hallo Jari, nachdem ihr euch in der letzten Saison erst in letzter Sekunde vor dem Abstieg retten konntet, steht ihr nun im gesicherten Mittelfeld der Tabelle. Bist du selbst positiv überrascht oder hast du eine derartige Steigerung erwartet?

Jari Lemke:
Ich wusste, dass wir jeden schlagen können, wenn wir am Optimum spielen. Dass der Start nun so gut läuft, damit habe ich nicht gerechnet.

Welche Faktoren sind deiner Meinung nach ausschlaggebend dafür, dass es jetzt besser läuft?

Jari Lemke:
Nach einem solch turbulenten Saisonende, geht man meistens gestärkt in die neue Saison herein. Wir haben die Abgänge mit erfahrenen Spielern aufgefangen. Fabian van Olphen und Isaias Guardiola bringen Stabilität in die Abwehr. Peter Johannesson bildet mit Piotr Wyszomirski ein gutes Duo im Tor. Das wichtigste ist meiner Meinung nach aber der gute Teamspirit. Dazu kamen zwei Ausnahmesituationen zu Saisonbeginn, als in Erlangen wegen des rutschigen Hallenbodens und gegen Leipzig wegen des Stromausfalls erst mit Verspätung angepfiffen wurde. Doch diese Spiele haben uns stark gemacht. Jetzt, wo wir mit dem TBV einen positiven Trend haben, läuft vieles rund. Beim Handball spielt die Psyche eine größere Rolle, als manch einer denkt.

Woran machst du die Änderungen im mentalen Bereich fest?

Jari Lemke:
Dass alle Spieler in dieser Liga Handball verstehen und spielen können, das ist klar. Diese Lockerheit, mit einem guten Gefühl in ein Spiel zu starten, ist aber viel Wert. Man spielt mutiger und wenn Fehler passieren, dann passieren sie halt. Die Mannschaft fängt das dann wieder auf. Doch wenn man in der Abwärtsspirale ist, passiert das nicht. Da kann einen die Niederlage wie gegen die Eulen Ludwigshafen komplett aus dem Tritt bringen. Doch wir haben unsere Lehren daraus gezogen und lassen uns nicht nach unten ziehen, auch wenn man mal ein schlechteres Spiel hat.

Du bist bislang überwiegend in der Spielform sieben gegen sechs zum Einsatz gekommen. War das schon vor deiner Zeit in der Profimannschaft eine Spezialität von dir oder hat dich erst Florian Kehrmann dafür als prädestiniert erachtet?

Jari Lemke:
Ich durfte das erste Mal sieben gegen sechs aktiv auf dem Platz in der Rückrunde in Flensburg spielen. Wir hatten zu der Zeit viele Verletzte und in der frühen Spielphase hatte sich außerdem Dominik Ebner, unser letzter Halbrechter, verletzt. Wir hatten also nur noch Rechtshänder im Rückraum. In der zweiten Halbzeit als sich Flensburg etwas absetzen konnte, probierten wir schließlich alles aus. Also auch sieben gegen sechs mit mir auf der Mitte. So entstand das Ganze im Endeffekt als eine Lösung, um mit drei Rechtshändern besser spielen zu können.

Dein Trainer Florian Kehrmann hat dich in der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel der vergangenen Saison herausgehoben und gesagt, dass er sich sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit dir freut. Spürst du diese extreme Wertschätzung, auch wenn du wegen der prominenten, internen Konkurrenz auf deiner Position mit Tim Suton, Andrej Kogut und Fabian van Olphen bislang weniger Spielanteile erhältst, als in der Schlussphase der vergangenen Saison?

Jari Lemke:
Dass ich in der vergangenen Saison so viele Spielanteile bekommen habe, lag zu einem großem Anteil an der personellen Situation. Davon habe ich selbst nicht einmal geträumt am Anfang der Saison. Ich kam frisch aus der A-Jugend und es war mein erstes Jahr in der 3. Liga. Ich versuche, damals wie heute, so viel wie möglich aus den Trainingseinheiten mit den Profis mitzunehmen. Natürlich freue ich mich über jede Spielminute in der 1. Liga, doch dass es weniger sein könnte als letztes Jahr, damit habe ich gerechnet.

Kannst du dir vorstellen, deinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag zu verlängern?

Jari Lemke:
Darüber mache ich mir zu gegebener Zeit Gedanken. Jetzt zählen erst einmal nur die anstehenden Spiele mit dem TBV!

Ähnlich wie dein guter Freund und Mitspieler Lukas Zerbe trägst auch du einen in Handballerkreisen sehr bekannten Nachnamen. Hast du das bislang als Vor- oder Nachteil empfunden?

Jari Lemke:
Ich glaube, dass es egal ist, welchen Namen man auf dem Trikot trägt. Natürlich wird man in der Öffentlichkeit - gerade bei der Ähnlichkeit zwischen Finn und mir - anders wahrgenommen und auch mal lächelnd angeguckt und der Spruch "Du läufst genauso wie dein Bruder" kommt zumeist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Aber letztlich zählt das, was auf der Platte gespielt wird und jeder, der Finn und mich etwas näher kennt, weiß, dass man uns doch gut unterscheiden kann.

Vielen Dank für das kurzweilige Interview und viel Erfolg für die kommenden Aufgaben!

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