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09.09.2017 12:39 Uhr - Beachhandball - Julia Nikoleit - handball-world.com

"Eine IHF-Nominierung wäre ein Traum": Beach-Referees Deiters/Stumpfe im Interview

Jesper Stumpfe und Bjarne Deiters sind das deutsche Top-Gespann im BeachhandballJesper Stumpfe und Bjarne Deiters sind das deutsche Top-Gespann im Beachhandball
Quelle: jun
Bjarne Deiters und Jesper Stumpfe biladen das deutsche Top-Gespann im Beachhandball. Die beiden jungen Schiedsrichter aus Niedersachsen leiteten bei der Deutschen Meisterschaft das Endspiel der Männer, pfiffen bereits zweimal bei dem Finalturnier das European Beachhandball-Tour und wurden für die Europameisterschaften im Juni nominiert. Im Interview mit handball-world.com blicken Deiters und Stumpfe auf die vergangenen Monate zurück und sprechen über die Herausforderungen des Pfeifens im Sand ...

Bjarne, Jesper, ihr habt im vergangenen Monat bei der Deutschen Meisterschaft das Finale der Männer geleitet. Was bedeutet euch das?

Bjarne Deiters:
Wir haben im letzten Jahr das Frauenfinale gepfiffen und sind dementsprechend auch dieses Jahr mit sehr hohen Zielen hier angereist. Ich denke, wir können mit unserer Leistung zufrieden sein.

Also fällt eure Turnierbilanz positiv aus?

Jesper Stumpfe:
Im Großen und Ganzen war es sehr positiv, ja. Es war ein super Turnier mit einem für uns erfolgreichen Abschluss. Wir sind auch mit allen Mannschaften problemlos klargekommen und ich denke, es war ein sehr faires Turnier. Zudem wurde erneut ein Schritt in Richtung der internationalen Regelauslegung gemacht und es war eine deutliche Leistungszunahme in der Breite zu sehen.

Für alle Leser, die vielleicht nicht so beachhandball-affin sind: Woran kann man den Schritt in Richtung internationale Regelauslegung festmachen?

Bjarne Deiters:
Es wurde deutlich körperloser gespielt. Das zeigt sich sehr gut, wenn man diese Deutsche Meisterschaft mit der letzten vergleicht. In diesem einem Jahr gab es eine Leistungszunahme bei vielen Teams, was es deutlich spannender gemacht hat. Es wird immer mehr Beachhandball gespielt - körperloser, schneller, attraktiver - als ?Hallenhandball im Sand?.

International ist ein gutes Stichwort - im Juni wart ihr bei der Beachhandball-Europameisterschaft im Einsatz. Wie fällt rückblickend euer Fazit aus?

Jesper Stumpfe:
Es war unsere erste EM und ich denke, wir haben uns ganz gut geschlagen. Alle Spiele sind zufriedenstellen gelaufen und wir haben auch eine ganz gute Resonanz gekriegt. Es hätte deutlich schlechter laufen können (schmunzelt).

Bjarne Deiters:
Ich kann mich da nur anschließen.

Wie hat ein Tag bei der Europameisterschaft für euch ausgesehen?

Jesper Stumpfe:
Wir sind mit allen Schiedsrichtern gemeinsam gegen neun Uhr morgens am Gelände angekommen und hatten dann jeden Tag drei bis vier Spiele, die wir leiten durften. Bei 34 Grad in der Sonne ist das relativ anstrengend (lacht).

Bjarne Deiters:
Da ja noch ein mögliches Shoot Out dazukommt, waren wir mit einem Spiel inklusive Vor- und Nachbereitung rund 45 Minuten beschäftigt. Zwischen den Spielen haben wir meist mit den Delegierten besprochen, was gut war und was wir noch besser machen können. Außerdem haben wir versucht, ein bisschen runterkommen. Es war allerdings schon eine Herausforderung, sich immer wieder neu zu konzentrieren.

Bei 34 Grad liegen viele einfach in der Sonne. Wie anstrengend ist es, bei dieser Temperatur Beachhandball zu pfeifen?

Jesper Stumpfe:
Sagen wir mal: Man schwitzt schon ? (beide lachen). Es ist schon sehr anstrengend - gerade, weil man als Schiedsrichter die ganze Zeit in der Sonne steht und keine Chance hat, mal kurz durchzuatmen. Wir freuen uns nach solchen Tagen immer, wenn wir abends in der Unterkunft sind.

Wie viel Sonnencreme habt ihr bei der EM verbraucht?

Jesper Stumpfe:
Ich hatte zwei Packungen a 500 Milliliter dabei?

Bjarne Deiters:
Ich hatte drei dabei - und bin trotzdem so oft in den Schatten gegangen wie möglich?

Kommen wir zurück zum Sportlichen: Was ist am Beachhandball das Schwierigste zu pfeifen?

Jesper Stumpfe:
Die Geschwindigkeit. Die Aktionen verlaufen alle deutlich schneller als in der Halle und bei den kleinen Kontakte, die man im Hallenhandball einfach laufen lassen kann, hat man hier jedes Mal die Entscheidung zu treffen, wer die eine Zehntelsekunde schneller oder langsamer war. Das ist eine große Schwierigkeit. Da das Spiel zudem an sich sehr schnell ist, ergibt sich für uns die Herausforderung, dass wir alles super schnell entscheiden müssen.

Bjarne Deiters:
Außerdem haben wir anders als in der Halle keine Stunde Spielzeit, sondern nur zweimal zehn Minuten. Du kannst daher nicht am Anfang jeden erstmal ermahnen, dass er die Hände weglassen soll, sondern muss dann schon einmal sofort ein Zeichen setzen. Also: Früh anfangen, um seine Linie zu finden und sich bis zum Ende weiter zu steigern.

Ein häufiger Diskussionspunkt - auch am Wochenende in Berlin - war die Fußstellung bei einem Spin Shot. Wie schwierig ist das zu bewerten, ob es ein oder zwei Punkte gibt? `

Bjarne Deiters:
Das ist relativ schwer - vor allem, wenn die Spieler die Füße nicht parallel haben. Wenn ein Fuß zum Tor zeigt und der andere nach außen, sieht der Torschiedsrichter vielleicht den Fuß zum Tor und gibt zwei Punkte, während der Feldschiedsrichter den anderen Fuß sieht und nur einen gibt. Das in Bruchteilen von Sekunden zu entscheiden, ist nicht einfach. Die Frage dahinter: Verlass ich mich auf meinen Partner oder darauf, was ich gesehen habe?

Jesper Stumpfe:
Es ist aber eigentlich kein Hexenwerk! Man entwickelt mit der Zeit Bewegungsmuster, an denen man sich orientieren kann.

Wie seid ihr eigentlich Beachhandball-Schiedsrichter geworden?

Jesper Stumpfe:
Wir sind im Jugendbereich mit unserem Verein immer nach Cuxhaven gefahren; das war zwar am Beach aber eigentlich mehr Hallenhandball im Sand. In der B-Jugend wollte der Verein wegen der Problematik mit Alkohol nicht mehr hinfahren. Wir fanden das Turnier aber cool und haben gesagt: ?Dann fahren wir halt als Schiedsrichter.? Als B-Jugendliche haben wir dann die C-Jugend dort gepfiffen und waren so plötzlich Beachhandball-Schiedsrichter.

Bjarne Deiters:
Wir hatten vorher schon in der Halle gepfiffen, weil wir schon relativ früh - mit 13 Jahren - angefangen hatten. In Cuxhaven haben wir dann Kai Bierbaum getroffen, den Nationaltrainer der Männer. Er hat uns gelobt und gefragt, ob wir nicht zur DBT kommen wollen. Wir haben dann 2015 in Hamburg gepfiffen und wurden daraufhin zur Deutschen Meisterschaft eingeladen.

Jesper Stumpfe:
Genau. Die mussten wir zwar leider absagen, sind dann aber - ohne Deutsche Meisterschaft und mit nur diesem einen DBT-Turnier - nach Thessaloniki zum Ausbildungslehrgang der EHF eingeladen worden. Der fand im Rahmen der EBT-Finals statt und denen hat wohl ganz gut gefallen, was wir gemacht haben, sodass wir da das Finale der Männer geleitet haben. Im letzten Jahr haben wir dann einige Turniere in Europa gepfiffen und sind viel herumgekommen. Das war eine super Erfahrung!

Und dann?

Bjarne Deiters:
Dieses Jahr waren wir erneut bei den EBT-Finals und haben erneut das Männerfinale bekommen. Das ist sehr gut gelaufen. Wir waren trotzdem sehr überrascht, dass wir schon für die EM nominiert wurden, haben uns drüber aber natürlich gefreut. Ich denke, wir haben uns schon gut entwickelt und viel an uns gearbeitet.

Pfeift ihr noch in der Halle?

Bjarne Deiters:
Momentan liegt unser Fokus auf dem Beachhandball.

Was wollt ihr noch erreichen?

Jesper Stumpfe:
Wir haben die Einladung für einige EBT-Turniere in der kommenden Saison bereits und was dann noch kommt, werden wir einfach abwarten.

Bjarne Deiters:
So eine IHF-Nominierung wäre schon ein Traum für die Zukunft , aber das ist noch ein sehr weiter Weg. Da müssen wir noch hart an uns arbeiten.

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