News sendenPDF öffnen

12.09.2017 15:50 Uhr - Beachhandball - jun

Beachhandball träumt von Olympia - IOC-Entscheidung steht bevor

Wird der Beachhandball olympisch - oder nicht? Wird der Beachhandball olympisch - oder nicht?
Quelle: jun
Es ist soweit: In dieser Woche richten sich die Augen der Beachhandball-Szene nach Peru. In der Hauptstadt Lima wird beim Kongress des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die Entscheidung fallen, ob die Sandvariante ab 2024 ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen wird oder nicht. Für den Weltverband IHF und die Kontinentalverbände ist es das erklärte Ziel, doch dieser Schritt hätte vermutlich auch große Auswirkungen auf den Hallenhandball.

Beachhandball und Olympia: Für die Anhänger der Sandvariante ist das ein großer Traum - und zahlreiche Anzeichen sprechen dafür, dass dieser Traum tatsächlich Wirklichkeit werden könnte. Es werden regelmäßig Weltmeisterschaften und kontinentale Meisterschaften ausgetragen, zudem steht die Sandvariante im Programm der World Games.

2015 wurde die Sportart in Lausanne dem IOC offiziell präsentiert, bei den Olympischen Jugend-Spielen 2018 in Buenos Aires ersetzt der Beachhandball bereits den Hallen-Handball. " This is the first step in the long journey of introducing beach handball in the Summer Olympic Games", schrieb die IHF damals davon, dass es der erste Schritt auf dem Weg zur offiziellen Sportart bei den Sommerspielen sei.

Der Deutsche Handballbund hat seine Planung bereits auf die Aufnahme des Beachhandballs ins Olympische Programm ausgerichtet - u.a. mit der Einberufung der Jugend-Nationalmannschaften im vergangenen Jahr. "Für uns als Deutscher Handballbund gäbe es dann in Zukunft die Chance, vier anstatt zwei Medaillen bei Olympia zu gewinnen - das ist ja auch ganz gut", erklärte Andreas Michelmann bereits Anfang des Jahres im Interview mit handball-world.com.

Der DHB-Präsident ist ein erklärter Anhänger das Sandvariante. Durch seine Förderung wurde der Beachhandball wieder im DHB integriert, bei der Deutschen Meisterschaft Anfang August war Michelmann zwei Tage vor Ort. "Wir hatten als DHB zunächst das aufzuarbeiten, was uns sieben Jahre zurückgeworfen hat", zeigt sich der DHB-Präsident angesichts der Entwicklung demütig. "Wir haben die Jungs und Mädels quasi in die Illegalität getrieben und dann gesagt, dass wir jetzt doch wieder leistungsorientierten Beachhandball spielen wollen. Das ist nicht so ganz einfach gewesen, es war eine Rolle vorwärts und anschließend eine Rolle wieder zurück. Ich freue mich, dass die Beachszene unsere Bemühungen positiv aufgenommen hat."

Michelmann selbst steht den Olympia-Ambitionen des Beachhandballs positiv gegenüber. "Der Beachhandball kann eine Bombenergänzung für unseren klassischen Hallenhandball sein, der ja im wesentlichen im Mai zu Ende ist und im August wieder beginnt", begründet der DHB-Präsident. "Ich würde der gesamten Sportart Handball die Olympia-Aufnahme des Beachhandballs wünschen, weil es den Handball zur Ganzjahressportart machen würde." International, so Michelmann, sei die Hoffnung vor allem, den Handball so stärker "in den Kontinenten verankern zu können, die keine klassischen Handballkontinente sind".

Der Knackpunkt der Olympia-Entscheidung ist jedoch schwerwiegend: Wenn der Beachhandball olympisch wird, würde das aller Voraussicht nach eine Reduzierung für den Hallenhandball bedeuten - an Mannschaften und bzw. oder an Spielern, da die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees die Anzahl an Teilnehmern einer Sportart vorschreiben. "Die Regel dass die Anzahl der Handballerinnen und Handballer konstant sein soll, macht die Entscheidung nicht einfach", weiß auch Michelmann und bestätigt: "Den Beachhandball aufzunehmen, würde eine Reduktion im Hallenhandball bedeuten."

Verständnis für diese Regelung hat der DHB-Präsident jedoch nicht. "Meine Meinung ist, dass das IOC insgesamt sehen muss, welche Sportarten noch zeitgemäß, angemessen und attraktiv sind - und die Anzahl an Athleten nicht innerhalb der Sportarten zu klären ist. Das ist keine Lösung", so Michelmann. "Beachhandball ist attraktiv, aber dafür soll der Hallenhandball, der in Rio zuschauertechnisch die Nummer Zwei war, reduziert werden - das ist keine Logik, der man folgen muss."

Aus Sicht des Funktionärs wäre es vielmehr sinnvoll, einen Blick über das komplette Programm zu werfen - und durch eine Umgewichtung Platz für mehr Athleten im Handball zu schaffen. "Ich weiß zum Beispiel nicht, wofür man Leichtgewichtsrudern braucht - es gibt ja auch kein Schwergewichtshandball", führt Michelmann seinen Gedanken aus. "Für bestimmte Sportarten muss man gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringen und wenn die nicht da sind, muss ich einen anderen Sport ausüben. Das ist so."

Doch selbst, wenn das IOC eine solche Reform erwöge, käme sie für den Beachhandball (wohl) zu spät. Die Sandvariante hofft daher auf eine ähnliche Entwicklung wie Karate und Sportklettern - beide Sportarten haben den Sprung von den World Games ins Olympische Programm geschafft. 2020 in Tokio werden sie erstmals ausgetragen - 2024 will der Beachhandball erstmals dabei sein. Ob die morgige Entscheidung in Lima positiv oder doch negativ ausfällt - da will sich Michelmann nicht festlegen. "Es spricht sicher einiges dafür - nicht zuletzt, dass jetzt auch Topnationen wie Frankreich und Dänemark wieder beim Beachhandball dabei sind", glaubt der Verbandschef.

Insgesamt sei es jedoch, so Michelmann, "ein bisschen wie Kaffeesatz lesen", Vermutungen anzustellen. Ein anderer ist sich hingegen sicher: Nationaltrainer Kai Bierbaum. "Der Daumen geht nach oben, meiner Meinung nach", erklärte er bereits im Februar gegenüber handball-world.com. "Die Zeichen sprechen alle dafür. Frankreich spielt auf einmal Beachhandball und nicht mehr Sandball. Wir haben Welt- und Europameisterschaften der Junioren. Das sind alles Dinge, die ganz klar in die Richtung zeigen. Ich lege mich zu 99,99 Prozent fest, dass Beachhandball ab 2024 im Programm ist."



Handballecke.de Diskutieren Sie direkt im Forum mit!


Meistgelesen:



Lesen Sie auch: