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27.10.2017 17:00 Uhr - Beachhandball - Christian Ciemalla, Julia Nikoleit

Nach "Nicht-Entscheidung des IOC" fordert DHB-Präsident Andreas Michelmann Weichenstellung für Beachhandball

Andreas Michelmann im Sommer bei den Deutschen Meisterschaften im BeachhandballAndreas Michelmann im Sommer bei den Deutschen Meisterschaften im Beachhandball
Quelle: jun
An diesem Wochenende steht der Beachhandball im Fokus, auf Gran Canaria wird der EHF Beach Handball Champions Cup ausgetragen, bei dem zum Abschluss der Beachsaison die besten europäischen Clubteams gesucht werden. Die Sandvariante erhielt in den letzten Jahren einigen Aufschwung, auch aufgrund der Hoffnung auf die Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele. Auf dem Kongress in Lima gab es allerdings im vergangenen Monat keine Entscheidung von Seiten des Internationale Olympische Komitee (IOC), die Zukunft des Beachhandball ist ungewiss - und erschwert auch die Planungen des Deutschen Handballbundes. DHB-Präsident Andreas Michelmann fordert eine Weichenstellung.

Nach einem ersten Hoch war der Beachhandball in Deutschland einige Jahre eher als Spaßvariante für den Sommer in der Breite betrieben worden, mit der Perspektive der Aufnahme in das Olympische Programm gab es einen Schub für den Leistungsbereich: Der DHB bildete Nationalteams, die deutschen Nachwuchsteams errangen erste Erfolge.

"Zunächst freuen wir uns weiterhin, dass der Beachhandball unter das Dach des DHB zurückgekehrt ist - und wir wollen den Beachhandball auch unter diesem Dach lassen", stellt Andreas Michelmann im Gespräch mit handball-world klar. Doch während die EHF und die IHF Europa- und Weltmeisterschaften oder den aktuell ausgetragenen Beach Handball Champions Cup etablierten, scheint das Schicksal der Sportart insgesamt weiterhin eng mit der Olympiakarte verbunden zu sein - nicht nur, aber auch in Deutschland.

"Das ist nicht nur eine Entscheidung des DHB, sondern auch des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Bundesministerium des Inneren", verweist Andreas Michelmann auf die Tragweite der Entscheidung. Eine Aufnahme in das Olympische Programm würde dem Beachhandball zahlreiche Türen öffnen. "Von daher hoffe ich auf eine schnelle Entscheidung, um sagen zu können, wie sich der Beachhandball in Deutschland weiter entwickelt. Verkürzt: Wenn Beachhandball 2024 olympisch wird, gibt es vom Moment der Entscheidung an eine klare Zielstellung - Stichwort vier Medaillen. Wenn die Entscheidung kommt, dass es erst 2028 olympisch wird, wird der Weg flacher sein", so Michelmann.

Die aktuelle Situation ist unterdessen schwierig. Man müsse "als Verband insgesamt sehen, wofür die Ressourcen eingesetzt werden sollen", verweist Andreas Michelmann auf den Einsatz der Mittel und fügt an, dass "durch diese Nicht-Entscheidung des IOC wir auch als Deutscher Handballbund nicht auf den Millimeter wissen, wie es mit dem Beachhandball international weitergeht." Der Präsident des DHB betont: "Es ist ganz klar, dass es einen Unterschied gibt, ob du als Verband die Chance hast, bei Olympia zwei oder vier Medaillen zu gewinnen. Wenn es nur zwei gibt, muss man sich auf diese zwei auch konzentrieren!"

Bereits direkt nach dem Kongress in Lima hatte Michelmann die IHF zu einer "strategischen Entscheidung" aufgefordert. Schließlich müssten sich "beim langfristigen Einsatz ihrer Ressourcen für Halle und Beach sowie die Entwicklung ihrer Nationalmannschaften rechtzeitig auf solch massive Änderungen des olympischen Programms einstellen können". Eine Antwort hat er bislang noch nicht erhalten. "Nein, es gab darauf noch keine Reaktion. Wir haben aber beim Bundestag des Deutschen Handballbundes in Berlin IHF-Präsident Hassan Moustafa und EHF-Präsident Michael Wiederer zu Gast. Dabei wird es sicherlich am Rande der Veranstaltung die Möglichkeit geben, diese Fragen direkt zu erörtern - und die Chance werden wir auch nutzen", so Michelmann.

Seine persönliche Meinung ist klar, bereits als Vizepräsident hatte sich Andreas Michelmann für die Alternative im Sand stark gemacht. "Mein Wunsch ist, dass der Beachhandball olympisch wird, weil dann ganz klar die Entwicklung des Handballs in Richtung Ganzjahressportart geht", so der DHB-Präsident, der am Wochenende in Berlin vor der Wiederwahl steht. "Beachhandball ist für den gesamten Handball ein Fortschritt. Wenn es nun bei der Regelung bleibt, dass das Programm der Olympischen Spiele innerhalb der Sportart entschieden wird, wäre das nahezu tragisch", erklärte Michelmann, dass eine Entscheidung für den Sand aber nicht zu Lasten der Halle gehen dürfe. "Das ist meine ganz klare Meinung", unterstreicht der DHB-Präsident.

"Handball in der Halle ist das Kerngeschäft und auch für Olympische Spiele ein Erfolg: In Rio hat die Sportart Handball die zweitmeisten Zuschauer erreicht", führt Michelmann aus. Wird der Beachhandball aber nicht als neue Sportart durch das IOC anerkannt, sondern lediglich als weitere Variante der Sportart Handball, dann müssten sich Sand und Halle die Gesamtanzahl der zur Verfügung stehenden Plätze für Sportler teilen - die Anzahl der Teilnehmer in der Halle müsste somit reduziert werden, um Platz für die Beachhandballer zu schaffen. Ein Automatismus, den Michelmann hinterfragt: "Sportarten entwickeln sich, werden vielfältiger, laufen aber Gefahr, dafür bestraft zu werden. Das IOC muss entscheiden, welche Sportarten noch zeitgemäß sind", so der DHB-Präsident, der hinsichtlich der zahlreichen Disziplinen in anderen Sportarten anfügt: "Der Klassiker ist die Frage, warum es Leichtgewichtsrudern braucht, wenn es keinen Schwergewichtshandball gibt."



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