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08.01.2013 17:35 Uhr - Weltmeisterschaft - Apollo L. Falke - handball-world.com

Legenden der Weltmeisterschaften - Stefan Birtalan

Stefan Birtalan, die WM-Seite "Balomano 2013" präsentiert einige historische AufnahmenStefan Birtalan, die WM-Seite "Balomano 2013" präsentiert einige historische Aufnahmen
Quelle: Balomano 2013
In wenigen Tagen beginnt die WM in Spanien – Anlass genug, zurückzuschauen: Handball-world.com-Experte Apollo L. Falke wirft einen Blick auf große Persönlichkeiten der Handball-Historie. Diesmal im Fokus: Stefan Birtalan, einer der "besten und erfolgreichsten Spieler der Siebziger Jahre" mit Rumänien. Der Rückraumspieler warf für Rumänien die Tore am Fließband und sammelte Titel, Medaillen und Auszeichnungen en gros.

Rumänien ist bis heute einer der Rekord-Weltmeister. Von 1961 bis 1974 gewann diese Mannschaft vier von fünf Weltmeistertiteln, ehe die Erfolgsserie vielleicht für alle Zeiten riss. Es war die Zeit, in der es Mode war, einen Hauptschützen zu haben, für den die komplette Mannschaft arbeitete. Ioan Kunst-Ghermanescu und Nicolae Nedef brachten als Trainer diese Kunst zur Höchstreife. Mit Gheorghe Gruia hatte man den Prototypen des Spielers, um den man die Mannschaft nach diesem Konzept bauen konnte.

Doch irgendwann ist für jeden Spieler die Zeit in der Weltspitze abgelaufen. Nach drei Turnieren und zwei Weltmeistertiteln endete Gruias Karriere in der Auswahl mit einer olympischen Bronzemedaille 1972 in München. Glück für die Trainer, dass da bereits ein anderer Spieler wartet, der in die Fußstapfen von Gruia, dem Schrecklichen treten wollte und konnte. Stefan Birtalan spielte spiegelverkehrt zum Linkshänder Gruia auf Halblinks. So musste man auch die Spielzüge umkehren.

Sonst änderte sich allerdings nicht viel. Birtalan warf fortan die Tore wie am Fließband. Dass er seinem Vorgänger nicht direkt auf dessen Position folgte, hatte den positiven Effekt, dass er nicht jahrelang hinter dem großen Star anstehen musste.

So hatte Birtalan bei seiner ersten großen Bewährungsprobe, der Weltmeisterschaft 1974, bereits zwei Turniere Erfahrung auch als Spieler und nicht bloß als Tourist. Er war also bereits Weltmeister und Olympiamedaillengewinner als seine Laufbahn so richtig los ging.

1974 verteidigte Rumänien den Weltmeistertitel in der Neuauflage des 1970er-Finales gegen die DDR. Neben dem unglaublichen Torhüter Cornel Penu in Höchstform und Spielmacher Cristian Gatu war Birtalan der absolute Schlüsselspieler. 43 Tore warf er und wurde damit überlegen Torschützenkönig des Turniers. Nur drei Strafwurftore waren darunter und somit war er bei weitem der beste Torschütze des Turniers aus dem Spiel heraus. Dabei profitierte er von seine ungeheuren Sprungkraft und seinem hervorragenden Wurfarm.

Ziemlich ungewöhnlich für einen so großen Spieler war sein Bewegungsmuster. Er braucht keinen oder kaum Anlauf wie viele andere Rückraumspieler, sondern stieg praktisch aus dem Stand einfach nach oben, um dann seinen knallharten Wurf anzubringen. Stefan Birtalan ist 1,95 Meter groß, was heute für einen Rückraumhalben immer noch im Rahmen liegt. Zu seiner Zeit gehörte er damit zu den größten Spielern überhaupt. Die Zwei-Meter-Männer bekamen erst eine Dekade später so richtig Hochkonjunktur in der Weltspitze. Über seinen Wurf ist überliefert, dass er den Handball 65 Meter weit werfen konnte. Im rumänischen Handball war das offenbar eine Tradition, derlei Testwürfe zu machen. Seine Weite wurde erst von seinem Nachfolger Vasile Stinga überboten.

Bei den Olympischen Spielen 1976 krönte sich Birtalan ein weiteres Mal zum Torschützenkönig. Auch zwei Jahre später bei der Weltmeisterschaft 1978 gehörte er erneut zu den Spielern, die am häufigsten einnetzen konnten. Peter Kovacs und Jerzy Klempel landeten jedoch knapp vor ihm. Bei den folgenden beiden Turnieren war Birtalan noch im Kader. Doch der Torjäger, der seinen 30. Geburtstag nun hinter sich hatte, musste Vasile Stinga seinen Stammplatz überlassen. Bei diesen beiden Weltmeisterschaften sprang keine Medaille mehr heraus. Anders bei den Olympischen Spielen. In Montreal gab es Silber und in Moskau Bronze. Tolle Resultate, die jedoch zu dieser Zeit in Rumänien als Misserfolg bewertet wurden. Besonders das verlorene Finale 1976 in Kanada.

Birtalan darf zusammen mit Hrvoje Horvat wohl als der beste und erfolgreichste Spieler der Siebziger Jahre gelten. Lediglich der Olympiasieg war ihm nicht vergönnt. Immerhin langte es zu drei Medaillen, davon eine silberne. Neben den erwähnten beiden Weltmeistertiteln 1970 und 1974 erspielte sich Birtalan 1977 mit Steaua Bukarest im Europapokal der Landesmeister den wichtigsten internationalen Titel im Vereinshandball. Auf die Legionen an nationalen Titeln soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Erwähnt sei jedoch der Stellenwert, dem ihm die Fachjournalisten seiner Zeit einräumten und ihn in den Jahren 1974, 1976 und 1977 gleich dreimal zu Europas Handballer des Jahres wählten.

Historisches Material der WM-Seite Balomano 2013 zu Stefan Birtalan


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