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12.07.2014 13:00 Uhr - Weltmeisterschaft - Dominik Schreier - handball-world.com

Deutsche Wild Card wirft auch in Island Fragen auf

Islands Nationaltrainer Aron Kristjansson sieht sein Team an Stelle der deutschen Auswahl im Teilnehmerfeld der WM in KatarIslands Nationaltrainer Aron Kristjansson sieht sein Team an Stelle der deutschen Auswahl im Teilnehmerfeld der WM in Katar
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Am Dienstag bebte die Handball-Welt. handball-world.com hatte exklusiv das Nachrücken der deutschen Nationalmannschaft zur WM in Katar vermeldet. Die Vorgänge warfen allerdings auch einige Fragen über den gesamten Prozess auf: Der Rat der IHF entschied, dass es derzeit keinen von der IHF anerkannten ozeanischen Verband gebe und damit auch die dort gespielte Qualifikation, in der sich Australien gegen Neuseeland durchgesetzt hatte, nicht anerkannt werde. Dass die IHF nun Deutschland zum Nachrücker für die enttäuschten Australier bestimmte, sorgt unterdessen in Island für Fragen. Der Olympiafinalist von 2008 hatte sich als ersten Nachrücker gesehen.

Die EHF hatte in einem Schreiben vom 16. Juni die europäischen Teilnehmer für die WM in Katar an die IHF gemeldet. Auf dieser Liste finden sich neben den durch die EM-Platzierung beziehungsweise die Play-offs erfolgreichen Teams auch drei Nachrücker für den europäischen Kontinent aufgelistet: Island als Fünfter, Ungarn als Achter und Serbien als Dreizehnter der Euro 2014. Auf eben diese Liste verweist der isländische Verband in einem Schreiben an die EHF.

In diesem bittet Island die EHF um Hilfe bei der Durchsetzung der Rechtsansprüche, die der Verband aus dem Artikel 2.8 der WM-Regularien ableitet. In diesen wird das Nicht-Antreten eines Teams und daraus entstehende Nachrücker behandelt. Laut den IHF-Regeln solle zunächst die nächstbeste Mannschaft des Kontinents nachrücken. Sollte allerdings dieses und auch ein möglicher weiterer Nachrücker verzichten, dann sehen die Regeln die Vergabe eines zusätzlichen Platzes an den Verband vor, der den aktuellen Weltmeister stellt. Dies wäre Spanien und somit würde Island nachrücken. Auf diese Weise war auch Deutschland bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2005 in St. Petersburg ins Teilnehmerfeld gerückt, nachdem Taiwan verzichtet hatte.

Allerdings folgte der Rat der IHF bei seiner, dem Vernehmen nach einstimmigen Entscheidung, einer anderen Logik. Die IHF erklärte, dass Deutschland aufgrund seiner Platzierung bei der WM 2013 in Spanien nachrücke. Als Fünfter sei der DHB der Beste nicht für die WM qualifizierte Verband. Weitere Gründe oder Rechtsgrundlagen für dieses Vorgehen wurden nicht genannt, scheinbar entschied sich der Rat aufgrund der kompletten Nicht-Anerkennung des ozeanischen Verbandes von dem Prozedere der Vergabe über die Kontinentalverbände abzurücken.

Ein Indiz dafür ist auch, dass die IHF offiziell davon spricht, den freigewordenen Platz durch eine Wild Card aufgefüllt zu haben. Somit könnte in der Argumentation der IHF kein sportlicher Nachrücker für ein nicht antretendes Team im Sinne des in Artikel 2.8 der Regularien festgeschriebenen Prozederes gesucht, sondern aufgrund der besonderen Umstände des Wegfalls eines gesamten Kontinentalverbands der Weg der Auffüllung durch eine Wild Card beschritten worden sein. Und bei der Vergabe der Wild Card habe sich der Rat dafür entschieden, das Abschneiden bei der letzten WM zum entscheidenden Kriterium zu machen.

Die Reaktionen in Island selbst sind heftig, das renommierte Morgunbladid überschrieb heute einen Kommentar zu dem Thema mit der Zeile "Alles über das Geld". Auch die isländische Spielervereinigung erklärte in einem Statement, dass die Entscheidung nicht gerecht sei und mit dem Blick auf die TV-Rechte Geld eine entscheidende Rolle spiele. Auch Nationaltrainer Aron Kristjansson und viele weitere Persönlichkeiten des isländischen Handballs wurden in den nationalen Medien so oder ähnlich zitiert. Die Spielervereinigung spricht unterdessen auf mbl.is von einer "traurigen Tatsache", dass die IHF Geld verdiene, wenn Deutschland anstatt des kleinen Island bei der WM sei.

Eine Änderung der Entscheidung durch die IHF scheint nicht zu erwarten, am nächsten Sonntag findet in Katar bereits die Auslosung der WM statt - mit Deutschland, das den australischen Platz am Ende der Setzliste eingenommen hat. Nicht nur in Australien und Island wird der Vorgang an sich aber weiterhin Fragen aufwerfen, insbesondere aufgrund der an vielen Punkten fehlenden Transparenz. Offen ist beispielsweise auch, warum die Australier trotz der Auflösung des ozeanischen Verbands an den bevorstehenden Beachhandball-Weltmeisterschaften teilnehmen oder die Uni Sydney als ozeanischer Vereinsvertreter am Super Globe.

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