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20.01.2015 14:30 Uhr - Weltmeisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Gudmundur Gudmundsson: "Wenn man diese Insel verlässt, möchte man gute Arbeit leisten"

Gudmundur Gudmundsson - hier beim Jubel über den isländischen Sieg gegen Frankreich bei den Olympischen Spielen 2012 in LondonGudmundur Gudmundsson - hier beim Jubel über den isländischen Sieg gegen Frankreich bei den Olympischen Spielen 2012 in London
Quelle: Michael Heuberger
Island ist ein sonderbares Land. Nur gut 325.000 Einwohner hat die Insel im Norden Europas, doch Handballer mit isländischen Wurzeln sind in allen europäischen Profiligen zu finden. Und nicht nur als Spieler, auch als Trainer sind die Isländer derzeit gefragt - dies zeigt sich beispielsweise am heutigen Dienstag, wenn bei der WM in Katar im Spitzenspiel der Gruppe D Deutschland und Dänemark aufeinandertreffen. An der Seitenlinie mit Dagur Sigurdsson und Gudmundur Gudmundsson zwei Isländer. Sigurdsson spielte dabei noch selbst unter dem Nationaltrainer Gudmundsson, der im Sommer von den Rhein-Neckar Löwen auf den Posten des dänischen Nationaltrainer wechselte. Seinen größten Erfolg aber errang er mit Island, er holte mit dem Team 2012 Olympisches Silber. "Wenn man diese Insel verlässt, möchte man gute Arbeit leisten", so Gudmundsson, der auf dem 3. Kempa Praxis-Forum by handball-world.com einen Einblick in die Vorbereitung auf das damalige Turnier gab.

Nach der EM 2012 hatte sich Gudmundur Gudmundsson, damals Nationaltrainer Islands, vor seine Mannschaft gestellt und ihr sein Ziel für die Olympischen Spiele in Peking vorgetragen: Eine Medaille. "Alle Spieler haben mich angeguckt: Der ist bekloppt!", schmunzelte Gudmundsson am 5. September beim 3. Kempa Praxis-Forum by handball-world.com, als er auch auf diese Erfolgsgeschichte einging. Island errang in Peking Olympisches Silber. "Man sagt: Ziele soll man gemeinsam machen, sonst funktioniert das nicht. Ja, doch: es funktioniert!", so der aktuelle Nationaltrainer Dänemarks mit einem Lächeln. Etwas Bedeutendes entwickelt der Isländer aber mit seinen Spielern: Den Trainingsfortschritt.

"Wenn man diese Insel verlässt, möchte man gute Arbeit leisten", blickt Gudmundur Gudmundsson auf die isländische Mentalität. "Wir sind Kämpfertypen, spielen mit Herz Handball. Faktoren wie Stolz, Herz und Ehre kommen zusammen, das ist fast ein bisschen verrückt", versucht der Isländer den ungefähr 100 Zuhörern einen Eindruck darüber zu vermitteln, wie ein Isländer aus Sicht des 53-Jährigen klassischerweise an eine Aufgabe herangeht. Ziele seien dabei wichtig, auch, dass man sich gezielt hohe, unerreichbar wirkende Ziele suche, so genannte Überforderungsziele. "Diese Ziele müssen sehr klar sein und messbar. Aber gegenüber den Medien rede ich wie ein Politiker darüber."

Die Mannschaft, Spieler und Trainer, müssen diese Ziele für sich behalten, nur sich selbst darauf fokussieren, fordert Gudmundsson. "Ich als Trainer muss dabei dafür sorgen, den Druck, was diese hohen Ziele betrifft, von der Mannschaft zu nehmen. Diese Ziele sind sehr hoch. Das war bei Island und bei den Rhein-Neckar Löwen so und das wird auch bei den Dänen so sein", blickte der Trainer im September auf seine neue Aufgabe voraus. "Die haben früher gesagt: Wir gewinnen alles, auch Gold. Das wird sich ein bisschen ändern", schmunzelt Gudmundsson wiederum und geht dann darauf ein, wie er sein Team auf die von ihm gesetzten Überforderungsziele einschwört.

"Man muss die Ziele immer wieder wiederholen und darüber reden", lautet einer der Leitgedanken von Gudmundsson. Ein zweiter ist die hochkonzentrierte Vorbereitung auf den Wettbewerb. "Ich werde den Spielern helfen als Trainer und muss sie mitziehen auf dieser Reise, aber ich mache ihren Job nicht", legt der Mann, der seine Karriere in der Bundesliga als Deutscher Vizemeister mit den Rhein-Neckar Löwen vorerst beiseite gelegt hat, den Kern der Verantwortung in die Hände jedes einzelnen Spielers. "Eine Mannschaft muss aus möglichst vielen Gewinnertypen bestehen, die selbstverantwortlich arbeiten. Ich versuche diese Typen zu finden und zusammenzuholen."

Gudmundsson konnte dabei im Fall von Island darauf bauen, dass die Spieler in den Vereinen dort früh Verantwortung übertragen bekommen - und so wäre zu ergänzen anscheinend auch den Trainern. Da die besten Spieler immer wieder den Weg in die europäischen Ligen finden und schon in jungen Jahren das Land verlassen, sind die Teams in der isländischen Liga oft mit Nachwuchsspielern besetzt. "In Island bekommen die Spieler sehr früh große Aufgaben übertragen, weil die starken Spieler sehr früh weggehen. Das führt zu einer frühen Persönlichkeitsentwicklung", erläutert Gudmundsson, für den im Nationalteam nicht unbedingt die Erfahrung im Vordergrund steht. "Auch der Ehrgeiz jedes einzelnen ist wichtig", betont er.

"Der Wille zur Vorbereitung muss stärker sein als der Wille zu siegen. Das ist sehr hartes Arbeiten, das ist sehr schwer", macht Gudmundsson den Schwerpunkt der Trainerarbeit deutlich. "Ich will mir dabei keine Gedanken machen müssen, ob die Spieler bereit sind. Eigentlich soll man davon ausgehen können. Wenn nicht, dann hat man nicht die richtigen Typen an Bord. Und wenn es Misstrauen zwischen zwei Leuten im Team gibt, muss das sofort gelöst werden", legt er auch großen Wert auf eine hohe Konfliktkompetenz. "Wir wollen jedes Spiel gewinnen, das steht über allem", stößt er dabei übrigens in dasselbe Horn wie Deutschlands neuer Nationaltrainer Dagur Sigurdsson.

Wie entwickelt man eine dauerhafte Siegermentalität? Gudmundsson nimmt die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking und 2012 in London als Beispiele. "Wir haben gesagt: Unsere Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg." Daher wird jedes einzelne Training und die Leistung jedes einzelnen Spielers beurteilt. "Wir haben oft Fußball gespielt. Auch dabei wurde beurteilt, ob ein bestimmter Spieler es gut gemacht oder alles gegeben hat." Alles, was in der Vorbereitung gemacht wird, wird von den Spielern selbst protokolliert. Alles wird gemessen und beurteilt. "Damit macht man den Spielern bewusst, was eine gute Vorbereitung ausmacht", lenkt den Fokus voll darauf.

Am Ende gibt es einen Spieler, der die Vorbereitung "gewonnen" hat, der die meisten Punkte gesammelt hat. "Der hat einen Preis bekommen, den hat die Mannschaft selbst gekauft", plaudert Gudmundsson aus dem Nähkästchen. "Die haben um diesen Preis gekämpft bis zum letzten Training", freut er sich über den Erfolg seines "Anreizsystems", wie die Organisationspsychologie ein derartiges Konstrukt nennt. Damit gelang es dem 53-Jährigen, ein allgemeines Bewusstsein über die Bedeutung der Vorbereitung auf eine WM, EM oder Olympische Spiele zu schaffen und alle mit einzubinden und zu motivieren, die Ziele zu erreichen. Den Rest erledigte in Peking eine Abwehr namens "Wahnsinn".

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Männer · Weltmeisterschaft · Saison 2014/2015
3. Spieltag · 20.01.2015 · 19:00 Uhr
Dänemark30:30
Deutschland

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Spielfilm:
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Torschützen: Hansen (6), Christiansen (6), Eggert (5/3), Svan (3), Lindberg (2/1), Toft Hansen (2), Toft Hansen (2), Møllgaard (1), Lauge Schmidt (1), Spellerberg (1), Mortensen (1),
Siebenmeter:4 / 4
Zeitstrafen:3
Rot:
Torschützen: Weinhold (8), Gensheimer (6/3), Groetzki (6), Strobel (3), Pekeler (3), Drux (3), Wiencek (1),
Siebenmeter:3/4
Zeitstrafen:5
Rot:

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