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02.02.2015 00:01 Uhr - Weltmeisterschaft - fcb

Frankreich feiert historischen Weltmeistertitel - Fernandez vor Rücktritt?

Nikola Karabatic: "Das Ergebnis harter Arbeit"Nikola Karabatic: "Das Ergebnis harter Arbeit"
Quelle: Michael Heuberger
Der Jubel war überwältigend. Am Sonntagabend errang die französische Nationalmannschaft ihren fünften Weltmeistertitel. Das Team, das seit 2001 von Claude Onesta trainiert wird, ist nun alleiniger Rekordhalter. „Wenn man sieht, wie die Öffentlichkeit uns unterstützt, welche Leidenschaft diese Mannschaft umgibt, diese Erregung in der gesamten Bevölkerung, dann, glaube ich, können wir stolz darauf sein, diese Emotionen mit allen, die uns lieben, zu teilen. Es macht Spaß, das hier mit ihnen zu erleben“, sagte Claude Onesta bei BeIN Sport und lächelte: „Der Eindruck drängt sich auf, dass diese Mannschaft zum Siegen verdammt ist. Wenn das so weitergeht, freuen wir uns darüber.“

„Wir haben immer Lust, noch mehr zu erreichen“, spielte Claude Onesta im Radiosender Europe 1 am Abend auf den Titelhunger seiner Mannschaft an. Seit der Europameisterschaft 2006 haben die Franzosen nun den insgesamt achten Titel in neun Jahren errungen. Lediglich bei der EM 2012, als die „Experts“ enttäuschter Elfter wurden und bei der WM 2013 mit dem sechsten Platz, zeigte man Schwächen. Dazwischen errang Frankreich im Finale gegen Schweden in London Olympisches Gold. Mit dem Europameistertitel 2014 und dem jetzigen Weltmeistertitel, der die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro bedeutet, weist der Weg nun wieder steil aufwärts.

Dabei sollen die Franzosen den Rekord-Weltmeistertitel gar nicht auf der Agenda gehabt haben, behauptet zumindest Didier Dinart, Co-Trainer und Defensivcoach der Franzosen. „Wir wussten, dass das schwierig werden würde. Wir waren zunächst angetreten, das Achtelfinale zu erreichen und vielleicht einen Platz in den Olympischen Qualifikationsturnieren zu sichern. Nun hält man sich vor Augen, dass man bereits direkt für die Olympischen Spiele qualifiziert ist. Die Spieler haben wirklich einen außergewöhnlichen Job gemacht“, freute sich „Le Roc“ Didier Dinart, der sich seit 2013 mit dem durchgängigen Abwehrkonzept in allen französischen Männer-Nationalmannschaften befasst.

Die Titelserie macht Claude Onesta derweil bei Europe 1 an der Gruppenkohäsion fest. „Wir haben Spieler in dieser Mannschaft, die immer ihre ganze und volle Kraft geben und die einen hohen Anspruch an die eigene Leistung und an die ihrer Mitspieler haben. Aber bevor sie den anderen etwas abverlangen, haben sie hohe Ansprüche an sich selbst. So stacheln sie sich gegenseitig an. Alle haben ständig Lust darauf, alles zu gewinnen, was kommt. Wenn du am Ende mal innehältst und du weißt, dass du gewonnen hast, sind da immer viele Gefühle, die einem durch den Kopf gehen“, lässt Onesta aber wie gewohnt keinen direkten Einblick in sein Seelenleben nach diesem historischen Titel zu.

„Es gibt in dieser Mannschaft einen gemeinsamen Anspruch. Jeder hat einen kritischen Blick auf die anderen. In ihren Augen hat man nicht das Recht, mittelmäßig zu sein. Und du musst in der Lage sein, dich auf die anderen einzustellen“, analysiert Philippe Bana, Sportlicher Leiter der Franzosen, in der landesweiten Zeitung „Libération“. „In dieser Gruppe ist eine Gewohnheit entstanden, solche ultimativen Momente zu bestehen. Es klingt ein bisschen sonderbar, aber Angst erhält keinen Raum mehr bei diesen Spielern“, erkennt Bana beim Rekordweltmeister eine besondere mentale Stärke. Dabei wartete im Finale Katar, einer Mannschaft, die „wie ein Kommando gelebt und trainiert“ habe.

„Das war nicht leicht heute, Katar hat ein großes Spiel gemacht. Sie haben alle ihre Qualitäten gezeigt und ihre Fehler verdeckt, bis ihr kleiner Rechtsaußen dann zwei Chancen vergeben hat“, stellte Alain Portes, Frankreichs Nationaltrainer der Frauen, auf die beiden Fehlversuche von Katars Abdulla Al-Karbi ab, der drei und eineinhalb Minuten vor Schluss die beiden Chancen zum 24:25-Anschlusstreffer liegen ließ. Einmal traf er den Pfosten, einmal parierte der heute abermals großartige Thierry Omeyer. Der Torhüter wurde zu Recht zum Wertvollsten Spieler des Turniers gewählt. Dabei sei Katar körperlich überlegen gewesen, so Portes gegenüber Europe 1.

Dennoch siegte am Ende Frankreich. „In der zweiten Halbzeit waren die Franzosen ein wenig unterlegen, besonders was den Spielaufbau im Angriff betrifft“, analysiert Ex-Nationaltrainer Daniel Costantini bei RMC Sport. „Aber dann gab es zwei Ballgewinne, wie die reinsten Wunder, die es uns ermöglicht haben, Saric auszutricksen, den katarischen Keeper, der uns einige Probleme bereitet hat.“ Cedric Sorhaindo hat eine Erklärung für diese „Wunder“: „Da ist diese Abgeklärtheit, diese Ausgeglichenheit, die uns auszeichnet. Da ist auch diese Erfahrung, die sich im Detail auswirkt. Da erobert man eben mal den Ball, wenn es wichtig ist und lässt sich nicht unter Druck setzen.“

„Als die Katarer herangekommen sind, haben wir das gut gemeistert. Sie waren nie wirklich auf Augenhöhe, weil wir sie in diesem Moment unter Druck gesetzt haben. Wir haben eine geniale Mannschaft. Wir hatten heute ein gutes Gefühl und wir haben außergewöhnliche Spieler auf jeder Position. Das hat den Unterschied ausgemacht“, analysierte Wetzlars Guillaume Joli bei L´Equipe.TV. „Heute Abend war es auch wieder ein sehr spannender und fesselnder Kampf. Trotz allem haben wir nicht locker gelassen. Kleinigkeiten haben den Unterschied ausgemacht, genauso wie im Halbfinale gegen Spanien. Und wieder einmal haben wir den Titel geholt“, sekundierte Michael Guigou.

„Die Katarer haben uns nicht überrascht, Wir haben ein schwieriges Spiel erwartet. Vor dem Spiel haben alle gesagt, dass wir das Spiel leicht gewinnen würden. Wir wussten aber, dass es ein großer Kampf werden würde. Katar hat gezeigt, dass sie den Platz im Finale verdient hatten“, so Luka Karabatic bei RMCSport. „Wir mussten auf der Hut sein, Katar war nicht zufällig im Finale. Wir haben in der ersten Halbzeit den Ton angegeben. Dann sind sie aufgekommen, aber wir waren stärker und haben das gezeigt“, zeigte sich Göppingens Kevynn Nyokas stolz über diesen für ihn „ganz besonderen Titel“, sein erstes WM-Gold. „Ganz schön schwer“ sei die Medaille, Lohn für einen Monat „sehr schwerer Arbeit“.

Die Ruhe und Gelassenheit, mit der dieser fünften Stern auf der Brust öffentlich nur ganz verhalten gefeiert, ja hingenommen wird, wirkt etwas selbstgefällig, dabei ist das nur Ausdruck des eigenen Anspruchs. „Natürlich haben wir heute Geschichte geschrieben. Das ist etwas, worüber man sich freut und woran man sich gerne erinnert“, so Cedric Sorhaindo verschmitzt. „Wir werden das jetzt genießen und uns erholen. Dann wird uns irgendwann klar werden, was wir erreicht haben. Wir werden auch ein wenig feiern. Aber wir werden auch versuchen, uns weiter zu entwickeln, um weitere Titel zu erringen. Wir sind weiterhin hungrig nach Medaillen. Nächstes Jahr ist ja auch schon wieder eine EM.“

Einer von ihnen könnte dann nicht mehr dabei sein. Rekordtorschütze Jerome Fernandez, der vor 17 Jahren, im November 1997 in Dijon, gegen Tschechien debütiert hatte, denkt nach seinem vierten persönlichen WM-Titel laut über seinen Rücktritt als Nationalspieler nach. „Wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Spiel im Griff hatten. Als wir drei Tore vorne lagen, wussten wir, dass das Spiel dank unserer Erfahrung entschieden war. Das ist etwas Außergewöhnliches, das vor mehr als 20 Jahren begann“, freute sich der in Kürze 38-Jährige. „Ich glaube, dass diese französische Mannschaft noch schöne Jahre vor sich, aber es kommt eine neue Generation und ich möchte gerne als Weltmeister abtreten.“



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Männer · Weltmeisterschaft · Saison 2014/2015
9. Spieltag · 01.02.2015 · 17:15 Uhr
Katar22:25
Frankreich
Lusail Multipurpose Hall Doha

Spielfilm:
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Torschützen: Markovic(7/3), Capote(6), Fernández Fernández(3), Mallash(3), Madadi(1), Ali(1), Memisevic(1),
Siebenmeter: 3 / 3
Zeitstrafen: 4
Rot:
Torschützen: Karabatic(5), Narcisse(4), Porte(4), Nyokas(3), Barachet(3), Guigou(3/2), Mahé(1), Fernandez(1), Sorhaindo(1),
Siebenmeter: 2 / 3
Zeitstrafen: 2
Rot:

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