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12.06.2016 22:32 Uhr - Weltmeisterschaft - Astrid Jöhnck

Dänemark wird gegen Österreich Favoritenrolle erst in den Schlussminuten gerecht

Anders EggertAnders Eggert
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Dänemark hat die Tür zur Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich weit aufgestoßen. Im Hinspiel der Play-Offs siegte das dänische Team mit 35:27 (15:12) gegen Österreich. Das Rückspiel findet am Mittwoch in der Albert-Schultz-Eishalle in Wien statt. Zehn Minuten vor Ende kamen die Gäste um Kapitän Viktor Szilagyi zwar noch einmal auf zwei Tore heran, doch dann häuften sich die Fehlwürfe und Dänemark konterte eiskalt - aus einem 26:24 wurde ein 35:27. Vor dem Spiel war Mikkel Hansen, der zum 150. Mal für Dänemark auflief, als "Nationalspieler des Jahres" ausgezeichnet worden. Jesper Nøddesbo machte sein 200. Länderspiel.

Beide Teams hatten im Vorfeld der Partie zahlreiche Verletzungen zu beklagen, wobei sich bei den Österreichern im Abschlusstraining auch noch Rückraumspieler Romas Kirveliavicius von Bundesligaaufsteiger HSC Coburg eine Oberschenkelverletzung zuzog, sodass die Gäste am Morgen des Spieltags Christian Hallmann einfliegen ließen. Nachdem Casper U. Mortensen von der TSV Hannover-Burgdorf mit dem ersten Wurf des Spiels nur den Pfosten getroffen hatten, traf der in der Nationalmannschaft reaktivierte Vytautas Ziura zur 1:0 Führung der Gäste, die Flensburgs Anders Eggert nur Sekunden später per Strafwurf egalisierte.

Knapp fünf Minuten waren absolviert, als sich Mikkel Hansen in die Höhe schraubte und mit einem wuchtigen Wurf von neun Metern zum 2:1 traf. Anders Eggert erwies sich in der Anfangsphase als bester Schütze des Spiels – nach sieben Minuten hatte er bereits seinen dritten Strafwurf verwandelt und die Gastgeber dadurch mit 4:2 in Front gebracht. Im folgenden Angriff der Österreicher handelte sich Torhüter Thomas Bauer nach lautstarken Protesten auf der Bank sitzend eine Zeitstrafe ein, wodurch sein Team für eine halbe Minute nur noch zu fünft auf dem Feld stand, da zuvor bereits Christoph Neuhold eine Strafe erhalten hatte.

Die numerische Überlegenheit nutzte Mads Mensah Larsen vom Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen zu einem schnellen Gegenstoß und dem 5:2. In seinem vorletzten offiziellen Handballspiel setzte Österreichs Viktor Szilagyi seine Mitspieler immer wieder geschickt in Szene, doch vergaben diese zu viele gute Chancen. Die Auszeit von ÖHB-Teamchef Patrekur Johanesson in der 13. Minute war die logische Konsequenz.

Sie fruchtete jedoch zunächst nicht – im Duell der künftigen Mannschaftskollegen beim THW Kiel scheiterte Mykola Bilyk zum wiederholten Mal an Niklas Landin. Erst in der 15. Spielminute gelang Janko Bozovic der dritte Treffer für den Außenseiter, doch auf der Gegenseite war prompt Henrik Toft Hansen mit einer artistischen Flugeinlage zum 8:3 erfolgreich. Während Nikola Marinovic nicht seinen besten Tag erwischt hatte, konnte sich auf der Gegenseite Niklas Landin in der Folge mehrfach auszeichnen.

Nach einem schönen Treffer von Kasper Søndergaard kam Thomas Bauer ins Tor der Gäste, doch sah er sich prompt einem völlig freistehenden Henrik Toft Hansen gegenüber, der nach mustergültigem Pass von Mikkel Hansen keine Probleme mit dem 10:5 hatte. Niklas Landin parierte einen Gegenstoß und auf der Gegenseite verletzte sich Routinier Ziura beim Versuch, den Konter der Dänen zu vereiteln. Nach längerer Behandlung konnte er jedoch weitermachen. Thomas Bauer wehrte den folgenden Strafwurf von Anders Eggert ab und verhinderte dadurch dessen viertes Tor. Auf der Gegenseite machte es Magdeburgs Robert Weber besser und verkürzte vom Strich auf 10:6.

Nachdem Janko Bozovic die Gäste weiter heran gebracht hatte, ging er in der Abwehr etwas zu rustikal gegen Mikkel Hansen zu Werke. Die Folge: Zeitstrafe für ihn und der nächste Strafwurf für Dänemark. Dieses Mal ließ sich Anders Eggert nicht lange bitten und stellte auf 12:8 (25.). Zeitstrafen gegen Henrik Møllgaard und Casper U. Mortensen eröffneten Österreich gute Chancen und nachdem Mykola Bilyk nur unsanft gestoppt werden konnte, brachte Robert Weber die Gäste per Strafwurf auf drei Treffer heran. Bei diesem Abstand blieb es bis zum Pausenpfiff und so wurden beim Stand von 15:12 die Seiten gewechselt.

Direkt nach Wiederbeginn versuchte es Tobias Schopf mit einem Heber von Linksaußen gegen Niklas Landin – eine schlechte Entscheidung, denn der Schlussmann pflückte den Ball ohne Mühe aus der Luft. Auf der anderen Seite war Hans Lindberg nach feinem Anspiel von Mads Mensah Larsen zum 16:12 erfolgreich. Die Österreicher behielten in der Abwehr ihre aggressive Linie bei und mussten in Person von Dominik Brammer nach 32 Minuten die nächste Zeitstrafe hinnehmen – nur zehn Sekunden später folgte ihm Christoph Neuhold auf die Sünderbank. Zwar konnte Viktor Szilagyi als zusätzlicher Feldspieler den 17:14-Anschlusstreffer erzielen, doch da der Wechsel auf Thomas Bauer zu lange dauerte, hatte Mikkel Hansen keinerlei Probleme, direkt vom Anwurfpunkt ins leere Tor zu treffen.

Vytautas Ziura, gerade zum vierten Mal zu Österreichs Handballer des Jahres gewählt, traf in der 35. Minute zum 18:14, zog sich jedoch für den Rest des Spiels den Unmut des dänischen Publikums zu, das ihm eine vermeintliche Verletzung, die den nächsten Schnellangriff der Skandinavier verhinderte, nicht abnahm. Nach einem Gegenstoßtreffer von Henrik Toft Hansen zum 20:15 verlangte Österreich die zweite Auszeit. Nachdem Niklas Landin zunächst stark gegen ihn parieren konnte, traf Branko Bozovic zum 20:16. Beide Torhüter bekamen in dieser Phase kaum eine Hand an den Ball, obwohl beide Abwehrreihen sehr engagiert zu Werke gingen. Nach einem sehenswerten Anspiel von Kasper Søndergaard traf Mads Mensah Larsen ansatzlos zum 23:18, eine Vorentscheidung schien gefallen.

Als Österreich im folgenden Angriff ein Strafwurf zugesprochen wurde, wechselte nicht nur der dänische Torhüter, sondern auch der Schütze – offenbar wollte Robert Weber nicht gegen seinen Magdeburger Vereinskollegen Jannik Green antreten. So nahm sich der künftige Kieler Mykola Bilyk den Ball und brachte ihn humorlos im Gehäuse unter. Eigentlich hatte Kasper Søndergaard seine Nationalmannschaftskarriere Ende des letzten Jahres beendet, kehrte jedoch aufgrund einer Verletzung von Mads Christiansen zu den Qualifikationsspielen für Olympia ins Team zurück – und blieb. Wie wichtig der 35-Jährige für sein Nationalteam ist, bewies er nicht zuletzt, als er sich nach 45 Minuten in die Luft schraubte und zum 25:20 traf. Am Ende standen acht Treffer auf dem Konto des Linkshänders. Doch wie schon in der ersten Hälfte kämpfte sich Österreich, gestützt auf Robert Weber sowie Viktor Szilagyi, zurück und war nach einem Gegenstoßtor von Tobias Schopf zum 25:22 wieder in Schlagdistanz.

ÖHB-Teamchef Johanesson hatte im Vorfeld der Partie erklärt, dass er Vytautas Ziura vor allem deshalb reaktiviert habe, weil dieser die Kreise von Mikkel Hansen einengen sollte. Hierbei agierte der gebürtige Litauer jedoch oft am Rande des Erlaubten und sah sich einem dänischen Jubelsturm gegenüber, als er in der 49. Minute nach allzu heftigem Trikotziehen eine Zeitstrafe kassierte. Seiner Mannschaft erwies er damit einen Bärendienst, denn vom 26:24 zogen die Dänen nun dank zweier Paraden von Niklas Landin und den folgenden Kontern von Casper U. Mortensen auf 28:24 (51.) davon.

Ein weiteres Aufbäumen der Gäste blieb aus. Zwar war Janko Bozovic zum 29:25 erfolgreich, doch nach Schneller Mitte erzielte Berlins Hans Lindberg den 30. Treffer für Dänemark. Sowohl Niklas Landin als auch Thomas Bauer zeigten nun sehenswerte Paraden, wobei sich insbesondere Landin auf seine Abwehr verlassen konnte. Drei Minuten vor dem Ende war es der an diesem Abend bärenstark aufspielende Kasper Søndergaard, der von der ungewohnten linken Rückraumposition sicher zum 32:25 traf. Am Ende bejubelten die Gastgeber einen 35:27-Erfolg und machten durch diesen Erfolg im ersten Play-Off-Spiel einen sehr großen Schritt in Richtung Frankreich 2017.

Dänemark: Landin, Green – Lynggaard, Mensah Larsen (3), Mortensen (6), Eggert (6/6), Markussen, Nøddesbo (1), Svan, Lindberg (4), Møllgaard, Søndergaard (8), Toft Hansen (3), Hansen (4), Damgaard, Andersson

Österreich: Bauer, Marinovic – Ziura (4), Schmid, Bozovic (5), Szilagyi (6), Hallmann, Esegovic, Klopcic, Weber (7/4), Bammer (1), Frühstück, Schopf (3), Jelinek, Bilyk (1/1), Neuhold

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Männer · Weltmeisterschaft · Saison 2015/2016
7. Spieltag · 12.06.2016 · 20:15 Uhr
Dänemark35:27
Österreich
· Zuschauer : 3945
Live im TV auf ORF Sport+ (AUT)

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