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23.01.2017 18:50 Uhr - Weltmeisterschaft - Felix Buß

"Jedes Problem mein Fehler" - Im Interview: Edouard Donnelly Managing Director der WM

Für Frankreich ist die WM bislang ein Erfolg - nicht nur auf dem ParkettFür Frankreich ist die WM bislang ein Erfolg - nicht nur auf dem Parkett
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Edouard Donnelly ist als Managing Director des WM-Organisationskomitees für den reibungslosen Ablauf der Weltmeisterschaft in Frankreich verantwortlich. Im Vorfeld hatten sich die Verantwortlichen einige innovative Ideen ausgedacht, bereits während der WM machen sich diese beispielsweise hinsichtlich der Ticketingstrategie oder des Umzugs in ein Fußballstadion bezahlt. Mit Felix Buß sprach Donnelly über den bisherigen Verlauf der WM.

Herr Donnelly, Sie sind Managing Director des WM-Organisationskomitees. Was sind Ihre Aufgaben?

Edouard Donnelly:
Meine Aufgabe war zunächst, ein Team für die Organisation zusammenzustellen und das gesamte Turnier zu planen und durchzuführen. Somit bin ich grundsätzlich für alles verantwortlich. Das heißt auch, dass jedes Problem mein Fehler ist (schmunzelt). Wenn wir gute Sachen machen, fällt das Lob auf mein Team zurück.

Über welche positiven Dinge können Sie denn im bisherigen Turnierverlauf berichten?

Edouard Donnelly:
Es gibt viele gute Sachen zu berichten. Bisher sind wir äußerst zufrieden. Es kommen sehr viele Leute zu den Spielen. Wir fahren eine innovative Ticketingstrategie mit diesem „Ein Ticket, ein Spiel“. Es war ein wenig herausfordernd, so vorzugehen. Aber es wird sehr gut angenommen.

Zu jedem Spiel kommen viele Zuschauer. Das ist zunächst großartig für die Spieler, die für uns im Vordergrund aller Betrachtungen stehen. Es ist aber auch großartig für die Medien und das Fernsehen und die vielen Zuschauer selbst, dass wir eine solche positive Atmosphäre anbieten können.

Bisher ist da auch nichts, was uns betrüben würde. Die Teams scheinen mit den Bedingungen glücklich zu sein. Wir haben größtenteils Hotels ausgesucht, die ein wenig abgeschieden liegen, um den Mannschaften ruhige Arbeitsbedingungen zu bieten. Wir mussten immer die besten Hotels finden. Manchmal sind die Wege dadurch ein wenig weiter als bei anderen Veranstaltungen. Aber die Bedingungen in den Hotels sind grundsätzlich gut. Das macht uns glücklich.

Sie haben dieses neuartige Konzept angesprochen, dass man mit einem Ticket immer nur ein Spiel verfolgen kann und die Arenen vor jedem Spiel geräumt werden. Haben Sie einen Eindruck davon, wie die Zuschauer diese Strategie wahrnehmen?

Edouard Donnelly:
Bisher liegen uns darüber keine Beschwerden vor. Wir bemerken vielmehr, dass die Leute ziemlich glücklich über unser Konzept sind. An unseren Statistiken ist ablesbar, dass die meisten Leute nur ein Ticket für ein Spiel kaufen. Die wenigsten kaufen mehrere Tickets für den gleichen Spieltag.

An jedem Spielort bieten wir zudem Entertainment vor der Halle an. Fan-Zonen ermöglichen es den Fans, sich vor, zwischen oder nach den Spielen an der Arena aufzuhalten. Aber noch einmal: Die meisten kommen, um ein Spiel anzuschauen.

Sie haben vorher von der Herausforderung gesprochen, die dieses Vorgehen mit sich bringt…

Edouard Donnelly:
Es ist eine Herausforderung, die Arena nach jedem Spiel zu leeren und die Zuschauer für das nächste Spiel in die Halle zu bringen. Dafür steht nicht viel Zeit zur Verfügung. Aber das klappt an jedem Standort gut. Das macht uns glücklich.

Inwieweit erschweren die Sicherheitsvorgaben, die derzeit in Frankreich gelten, diese Aufgabe?

Edouard Donnelly:
Natürlich sind auch die Sicherheitsvorgaben Teil dieser Herausforderung. Wir arbeiten gut mit der Polizei und den Leuten in der Verwaltung, auch im Innenministerium, zusammen. Mit ihnen haben wir seit Monaten gemeinsam das Vorgehen geplant, mit dem wir für Sicherheit an den Spielorten sorgen.

Das betrifft die Teams, die Arenen, die Trainingsstätten, die Hotels. Wir sind damit zufrieden, wie gut das Sicherheitskonzept in der Umsetzung funktioniert. Dabei hilft uns auch, dass die Leute wissen, dass sie am Eingang abgetastet werden. Daher kommen sie automatisch etwas früher zur Arena. Das ist – leider – zur Gewohnheit geworden.

Frankreich wird nach seinem Achtel- auch das Viertelfinale in Lille spielen. In der dortigen Fußballarena finden 28.010 Zuschauer Platz. Wie kam es zu dieser Idee?

Edouard Donnelly:
Es ist eine große Herausforderung. Wir hoffen, dass wir das erfolgreich organisieren und auf keine Probleme stoßen werden. Aber es ist ein Stadion, das dafür gebaut wurde, neben dem Fußball auch Indoor-Sportereignisse zu veranstalten. Dort wurde bereits das Davis Cup Finale im Tennis ausgetragen, und auch die EuroBasket Finals 2016 haben dort stattgefunden.

Wir haben von Anfang an geplant, dort zu spielen, weil wir so viele Zuschauer wie möglich da haben wollten. Es ist eine große Herausforderung, aber ich erwarte auch im Viertelfinale ein großartiges Fest für die Mannschaften, die dort spielen, und die Zuschauer. Es wird eine großartige Show!

Wie sind Sie generell vorgegangen, um die Spielorte zusammenzustellen?

Edouard Donnelly:
Wir haben in mehreren Regionen und größeren Städten angefragt, ob sie Interesse haben, ein Teil der Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich zu sein. Die Verantwortlichen der Stadt Lille haben uns eine positive Antwort auf unseren Fragebogen gegeben und uns angeboten, Spiele im dortigen Stadion auszutragen und wir haben gesagt: „Okay, lasst uns das machen!“

Die Zusammenarbeit mit den Austragungsstädten ist insgesamt gut?

Edouard Donnelly:
Insgesamt kann man sagen, dass uns die acht Städte, die wir als Spielorte ausgewählt haben, gut bei der Veranstaltung unterstützen. Auch die Regionen (Frankreich ist seit 2016 in 18 Regionen organisiert, die jeweils aus mehreren Departements bestehen, Anm. d. Red.) und alle Teile der Verwaltung, mit denen wir zusammenarbeiten, geben uns einen guten Rückhalt. Wir sind dankbar dafür. Die Städte und Regionen sind ein Schlüssel, um solche Events zu organisieren.

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