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31.01.2017 16:39 Uhr - Weltmeisterschaft - Christian Pavlic

Großer Umbruch in Kroatien steht bevor - Nationaltrainer Babic und Ivano Balic müssen gehen

Kroatien trennt sich von Nationaltrainer Zeljko Babic.Kroatien trennt sich von Nationaltrainer Zeljko Babic.
Quelle: Marco Wolf
Der kroatische Handballverband trennt sich mit sofortiger Wirkung von seinem Nationaltrainer Zeljko Babic. Dies berichtete zunächst die kroatische Nachrichtenseite 24sata, später wurde diese Information durch den nationalen Verband (HRS) auf dessen Homepage bestätigt. Auch Koordinator Ivano Balic, Co-Trainer Petar Metlicic und Torwarttrainer Venio Losert müssen gehen. Die Nachfolge soll noch im Laufe dieses Monats geregelt werden.

Grund der Trennung sei nicht etwa das Resultat oder die Platzierung bei der Weltmeisterschaft (Platz vier), sondern vielmehr der Führungsstil und die Art der Vorbereitung. Laut Verbandspräsident Tomislav Grahovac habe sich seit der EM in Polen über Herning, Rio und Frankreich "nichts verändert".

Die Verbandsspitze traf sich am heutigen Dienstag zu einer kurzfristig anberaumten "außerordentlichen Präsidiumssitzung" in Zagreb. Nach gut zwei Stunden sickerte langsam durch, was die kroatische Öffentlichkeit bereits seit dem auf unglaubliche Art und Weise verlorenen Spiel um Platz drei in Paris (wir berichteten) vermutete: Das 30:31 gegen Slowenien war die letzte Partie für Zeljko Babic und sein Trainerteam.

"Sie wurden entlassen aufgrund der Inkonsequenz sowie der Art und Weise, wie die Nationalmannschaft im Laufe des vergangenen Jahres geführt wurde", erläuterte Verbandspräsident Grahovac in den Räumlichkeiten des HRS. "Beginnend beim Turnier in Polen bis hin zur WM in Frankreich - nichts hat sich verändert oder verbessert. Und ich spreche hier nicht etwa von beruflichen Fähigkeiten, sondern von bestimmten Dingen hinsichtlich der Führung des Teams."

Dass für das Team um Kapitän Domagoj Duvnjak letzten Endes nur ein Siebenmeter zwischen Platz vier und zumindest einer Silbermedaille lag, sei folglich nicht der Grund für die Trennung vom gesamten Staff - auch wenn es mit Blick auf die Zielvorgabe bei der WM in Frankreich eine Diskrepanz zwischen Trainerteam und Verbandsspitze gab.

"Wir haben das ‚Minimalziel Viertelfinale‘ nicht ausgerufen, das hat irgendjemand eigeninitiativ gesagt", so Tomislav Grahovac. "Einer der Gründe, weswegen wir dem Trainerstab nun das Vertrauen entzogen haben, ist aber eben jene fehlende Ambition, eine Medaille holen zu wollen. Denn unsere Nationalmannschaften verfolgen immer das Ziel Medaillengewinn, und die bloße Zufriedenheit mit dem Erreichen eines Achtel- oder Viertelfinals ist für uns trotz aller Umstände nicht ausreichend."

Eine Nachfolge für das entlassene Trainerteam soll noch im Laufe dieses Monats bestimmt werden. Laut Medienberichten gibt es zahlreiche Kandidaten: Lino Cervar, Slavko Goluza, Zvonimir Serdarusic, Veselin Vujovic, Ivica Obrvan - sie alle zeigten sich jüngst nicht abgeneigt, das handballverrückte Kroatien bei der in gut einem Jahr anstehenden Heim-EM als Auswahltrainer zu betreuen und zum einzigen großen Titel zu führen, der dem Land an der Adria noch fehlt.

"Es gibt mehrere Kandidaten, mit denen wir alsbald Gespräche führen werden", bestätigte HRS-Präsident Tomislav Grahovac. "Der neue Nationalcoach wird sich seine Assistenten sowie den gesamten Trainerstab selbst auswählen. Wir werden schon in den nächsten Tagen mit den Anwärtern sprechen, und in der Auswahl-Kommission werden Zoran Gobac, Damir Poljak und ich sitzen."

Schließlich nahm der Verbandspräsident noch einmal konkret Bezug auf die abgelaufene WM in Frankreich - nach dem etwas überraschenden Sieg im Viertelfinale gegen Spanien folgten in der Endrunde von Paris zwei dramatische Niederlagen: zunächst im Halbfinale gegen Norwegen, anschließend keine 24 Stunden später in einer denkwürdigen Schlussphase gegen die von Veselin Vujovic trainierten Slowenen im Spiel um Platz drei.

"Ich glaube, dass das Erreichen des Halbfinals in Frankreich ein sehr gutes Ergebnis ist", so Grahovac. "Aber noch einmal: Der Grund für die Trennung liegt nicht im verlorenen Halbfinale oder Bronzematch, sondern im Führungsstil, der sich uns über einen kontinuierlichen Zeitraum offenbart hat."

Der 44-jährige Zeljko Babic hatte die kroatische Handball-Nationalmannschaft 2015 als Nachfolger von Slavko Goluza übernommen. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der EM 2016 in Polen folgte bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zunächst das überraschende Aus im Viertelfinale, bevor jüngst bei der Weltmeisterschaft in Frankreich der vierte Platz erreicht wurde. Über seine gesamte Amtszeit hinweg war Babic nie unumstritten - vielmehr sah er sich oftmals herber öffentlicher Kritik ausgesetzt. Allem voran das sporadische Angriffsspiel sowie ein respektloser Umgang mit den Medienvertretern sorgten immer wieder für Unmut und Unverständnis bei vielen kroatischen Fans und Handball-Experten.

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