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11.08.2016 09:25 Uhr - Olympische Spiele - Christian Pavlic

Geteiltes Echo in Kroatien - Coach Babic: "Dann am besten, wenn es darauf ankommt"

Zeljeko BabicZeljeko Babic
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Die kroatische Nationalmannschaft tut sich in Rio de Janeiro schwer. Der Auftakt des Olympischen Handballturniers misslang, gegen Katar lag das Team zwischenzeitlich mit zehn Toren zurück. Der Auftritt gegen Gastgeber Brasilien war eine Zitterpartie, der Außenseiter stand kurz vor der Sensation. Doch zehn Sekunden vor dem Ende fing Domagoj Duvnjak einen Pass ab, wurde danach umgerissen und verwandelte den fälligen Strafwurf - mit dem nach dem neuen Regelwerk die durch das Foul unterbundene Chance wiederhergestellt wurde. Während sich nach der zuvor desaströsen Niederlage gegen Katar zum Olympia-Auftakt und dem Zittersieg gegen Brasilien in der kroatischen Medienlandschaft bereits erste kritische Stimmen häufen, geben sich Mannschaft und Trainerteam betont gelassen.

„Wir sind immer dann am besten, wenn es wirklich darauf ankommt“, gab Kroatiens Nationaltrainer Zeljko Babic nach dem 27:26 gegen Argentinien zu verstehen. „Auch und gerade aus diesem Spiel werden wir gestärkt hervorgehen“, fügte Babic an. Sein Team hatte allerdings auch im zweiten Turnierspiel nicht überzeugen können.

Das Spiel der Kroaten war geprägt von stotterndem Spielaufbau und großen Lücken in der Defensive – 56 Gegentore kassierte man bereits in den ersten beiden Begegnungen gegen Katar und Argentinien. „Wir wissen, dass wir nicht gut gespielt haben“, erklärte Manuel Strlek, der seine Mannschaft mit vielen Toren in der zweiten Halbzeit fast im Alleingang im Spiel gehalten hatte. „Das Wichtigste sind aber die zwei Punkte, nun können wir gegen Dänemark und Frankreich etwas befreiter auftreten.“

Während sich die Spieler demonstrativ in Gelassenheit üben, geht die traditionell kritische kroatische Medienlandschaft mit den Handballern hart ins Gericht. „Nur die neuen IHF-Regeln bescherten uns diesen glücklichen Sieg“, titelte etwa das Nachrichtenportal 24sata. Hinterfragt werden auch taktische Entscheidungen des Trainerteams. Drago Cosic, der wohl bekannteste TV-Reporter des Landes, äußerte zudem während seiner Live-Reportage im Staatsfernsehen HRT Unverständnis mit Blick auf die stetigen Wechsel der Siebenmeterschützen.

„Warum nun Zlatko Horvat den zweiten Strafwurf nimmt, nachdem vor wenigen Minuten Manuel Strlek erfolgreich abgeschlossen hatte, muss ich nicht verstehen“, ließ der Reporter über den Äther wissen. Im weiteren Verlauf der Partie scheiterten sowohl Strlek als auch Horvat je ein Mal von der Siebenmeterlinie, was den kroatischen Sieg durchaus hätte gefährden können.

„Wenn der erste Spieler den ersten Wurf verwandelt, dann lasse ich ihn doch so lange ausführen, bis er verwirft – und wenn nicht, dann ist es gut, ein paar weitere Schützen in der Hinterhand zu haben“, so Cosic. Am Ende sollte mit Domagoj Duvnjak ein in der kroatischen Nationalmannschaft ungewohnter Schütze die Verantwortung übernehmen und den entscheidenden Siebenmeter verwandeln.

Beruhigende Töne stimmt hingegen Kroatiens Handball-Lichtgestalt Lino Cervar an. „Was wir bisher von der Nationalmannschaft gesehen haben, war langsam, ideenlos und wahrlich nicht hübsch anzusehen“, äußerte der Trainer der Goldmannschaft aus Athen 2004 gegenüber dem Portal 24sata. „Aber auch zu meiner Zeit als kroatischer Nationaltrainer war es so, dass wir immer ein paar Spiele brauchten, um ins Turnier zu finden.“ Der 65-Jährige, der momentan die Handball-Auswahl Mazedoniens betreut, ist daher alles andere als pessimistisch.

„Wir werden aller Voraussicht nach das Viertelfinale erreichen und kreuzen uns dann mit der vermeintlich schwächeren Vorrundengruppe. Die Jungs haben immer noch eine absolut realistische Chance auf die Medaillenrunde, unabhängig davon, was wir bisher auf das Parkett gebracht haben.“ Zunächst jedoch geht es für das Team von Trainer Zeljko Babic gegen die Topteams aus Dänemark und Frankreich, bevor man die Vorrunde gegen die stets unangenehmen Tunesier beendet. „Es klingt vielleicht komisch, aber uns fällt es etwas leichter, gegen europäische Topteams zu spielen als etwa gegen Katar oder Argentinien“, sagte auch Flügelspieler Manuel Strlek unmittelbar nach dem schwer erkämpften Sieg gegen die Gauchos.

Letzten Endes steht bei allen kroatischen Akteuren und Medienschaffenden die Freude und Erleichterung über den ersten Triumph in Rio im Vordergrund. Matchwinner Domagoj Duvnjak gab die Gemengelage direkt nach der Partie wieder. „Klar, in unserem Spiel ist momentan noch sehr viel Luft nach oben“, sagte der 28-Jährige. „Wichtig ist jedoch erst einmal, das Viertelfinale zu erreichen. Dann geht alles bei Null los und es ist alles möglich. Wir wissen, dass wir jeden Gegner schlagen können.“

Ähnliche Stimmen mehren sich auch in den Nachrichtenportalen des Landes. „Nachdem wir bei der EM zu Jahresbeginn in der Zwischenrunde gegen Frankreich verloren hatten, gab niemand mehr einen Pfifferling auf uns“, blickt etwa ein User bei 24sata zurück. „Was dann gegen Polen passierte, weiß jeder. Glaubt mir, keiner möchte im Viertelfinale Kroatien als Gegner haben.“

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