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08.01.2016 17:28 Uhr - Europameisterschaft - Astrid Jöhnck - handball-world.com

Tobias Karlsson bei EM mit Kapitänsbinde in Regenbogenfarben: "Stilles Statement für Toleranz"

Tobias KarlssonTobias Karlsson
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Eine Woche vor Beginn der Europameisterschaft der Männer in Polen gibt es „bunte Neuigkeiten“ aus Schweden. Tobias Karlsson, Spielführer der Skandinavier, gab gestern bekannt, dass er bei der EM eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben tragen wird. Die von ihm vorgestellte Binde entspricht in ihrer Gestaltung der Regenbogenfahne, die seit den 1970ern als internationales Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung gilt. Es ist indes nicht das erste Mal, dass der Kapitän der SG Flensburg-Handewitt ein Zeichen für Toleranz und Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe setzt.

Blick zurück: Die Hochspringerin Emma Green erlangte bei der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau weltweites Aufsehen, als sie sich aus Protest gegen die russischen Anti-Homosexuellen-Gesetze die Fingernägel in Regenbogenfarben lackierte. Die Schwedin wurde für dieses Vorgehen noch während der Wettkämpfe vom internationalen Leichtathletikverband IAAF verwarnt und aufgefordert, ihre Nägel umzulackieren.

Rund zweieinhalb Jahre später findet ab kommenden Freitag in Polen die Europameisterschaft der Männer statt. Ein Land, in dem die gleichgeschlechtliche Ehe verboten ist und deren konservativer Regierungspartei Prawo i Sprawiedliwość (dt. Recht und Gerechtigkeit) Homophobie vorgeworfen wird. Greens Landsmann Tobias Karlsson beabsichtigt, bei den kontinentalen Titelkämpfen eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben zu tragen – eine Aktion, die vermutlich nicht nur im Gastgeberland Aufsehen erregen wird. Befragt nach den Gründen erklärt Karlsson: „Das Ganze ist keinerlei Protest gegen irgendetwas, sondern ein stilles Statement für Toleranz und die Gleichwertigkeit aller Menschen.“

Ob es bei der Handball-EM ähnliche Probleme mit dieser Art der Meinungsäußerung geben wird wie seinerzeit bei der Leichtathletik-WM 2013, ist derzeit nicht absehbar. Der Protagonist selbst ist verhalten optimistisch: „Ich hoffe nicht, dass es seitens der EHF zu einem Verbot kommen wird.“ Da der Kapitän jedoch keinesfalls seiner Mannschaft schaden möchte, hat er die schwedischen Verantwortlichen gebeten, den Vorgang zu prüfen: „Ich kenne die Regeln der EHF nicht im Detail und möchte nicht riskieren, dass uns womöglich Punkte abgezogen werden, nur weil ich eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben trage.“ Nachdrücklich fügt der 34-Jährige jedoch an: „Ich werde diese Armbinde tragen, bis es mir jemand verbietet!“ Aus dem Kreis der schwedischen Nationalmannschaft hat Karlsson nicht mit Widerstand zu rechnen, wie er betont: „Wir haben über das Thema gesprochen und niemand hat etwas dagegen geäußert, insofern gehe ich davon aus, dass alle einverstanden sind.“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Familienvater für die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben einsetzt. Im vergangenen Jahr war er offizieller Botschafter der EuroGames in Stockholm, der größten queeren Sportveranstaltung in Europa. Ein Amt das er seinerzeit sehr gern übernommen hat, wie der Abwehrspezialist lächelnd betont: „Ich habe mich sehr darüber gefreut und war stolz darauf, Botschafter für so eine gute Sache wie die EuroGames zu sein. In meinen Augen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass alle die Möglichkeit haben sollten, unter gleichen Bedingungen zu leben.“

So verwundert es auch nicht, dass sich der sympathische Schwede gern dazu bereiterklärt hat, die symbolträchtige Armbinde in der Nationalmannschaft zu tragen. Die Idee hierzu hatte Karlsson jedoch nicht selbst, wie er erklärt: „Im Sommer haben wir mit der SG Flensburg-Handewitt ein Trainingsspiel in Kristianstad absolviert. Bei dieser Gelegenheit sprach mich Johan Jepson, der Kapitän von IFK Kristianstad, an und fragte mich, ob ich so eine Armbinde für die Nationalmannschaft haben möchte – das wollte ich unheimlich gern.“ Jepson selbst hatte bereits die gesamte letzte Saison mit einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben für seinen Verein gespielt, eine Sache um die ihn der Spielführer der SG Flensburg-Handewitt nahezu beneidet: „Leider wurde die Kapitänsbinde ja im deutschen Handball abgeschafft und man darf keine mehr tragen, sonst hätte ich sie auch bei unseren Ligaspielen dabei. Umso besser gefällt mir Johans Initiative entsprechende Armbinden an alle Kapitäne zu verteilen, die er in der schwedischen Eliteserie und der Champions League trifft. Ich finde es fantastisch, dass man so die Möglichkeit bekommt mitzuteilen, für welche Werte wir im schwedischen Handball stehen.“

Beim Testspiel der Schweden gegen Tschechien am Dienstag (34:28) kam die neue Kapitänsbinde zum ersten Mal zum Einsatz und wenn es nach Karlsson geht, so werden nicht nur in den am Wochenende anstehenden Testspielen in Spanien, sondern auch bei den Titelkämpfen in Polen viele weitere Einsätze folgen. Schweden startet am 16.01.2016 gegen Slowenien in die Europameisterschaft.

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Männer · Europameisterschaft · Saison 2015/2016
1. Spieltag · 16.01.2016 · 20:45 Uhr
Schweden23:21
Slowenien
· Zuschauer : 6500

Spielfilm:
1:0 (2.), 2:0 (5.), 2:1 (6.), 2:3 (8.), 4:3 (10.), 4:4 (12.), 6:4 (14.), 7:4 (15.), 7:5 (16.), 8:5 (18.), 9:5 (19.), 9:6 (20.), 9:7 (21.), 10:7 (22.), 11:7 (23.), 12:7 (24.), 13:8 (25.), 14:9 (26.), 16:9 (28.), 16:9 (HZ), 16:10 (31.), 17:10 (32.), 18:11 (33.), 18:13 (36.), 18:14 (38.), 19:15 (40.), 19:16 (42.), 19:17 (43.), 19:18 (46.), 20:18 (48.), 20:20 (50.), 21:20 (51.), 22:21 (56.), 22:21 (59.), 23:21 (EN)

Torschützen: Ekberg(4), Nilsson(3), Källman(3), Cederholm(3), Petersen(2), Konradsson(2), Östlund(2), Nielsen(2), Stenmalm(1), Jakobsson(1),
Siebenmeter: -
Zeitstrafen: 6
Rot: Nielsen (1.)
Torschützen: Gaber(5), Gajic(4), Zarabec(2), Marguc(2), Zorman(2), Cingesar(2), Bombac(1), Miklavcic(1), Kavticnik(1), Blagotinsek(1),
Siebenmeter: -
Zeitstrafen: 5
Rot:

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