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11.10.2017 17:30 Uhr - Europameisterschaft - jun

"Ich musste eine Entscheidung treffen": Christian Prokop im "Interview der Woche"

Christian ProkopChristian Prokop
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Vorfreude statt Nervosität: Bundestrainer Christian Prokop steuert mit der deutschen Nationalmannschaft auf sein erstes großes Turnier zu. Die Europameisterschaft wird vom 13. bis 28. Januar 2018 in Kroatien ausgetragen. Das erste Highlight auf dem Weg zur EM wird der Testspiel-Doppelpack gegen Spanien am 28. und 29. Oktober sein. Im Interview mit handball-world.com blick Prokop auf die Partien voraus, sprach über seinen Kader und erklärte, warum er Tim Hornke und Yves Kunkel nominierte ...

Herr Prokop, die Europameisterschaft wird Ihr erstes großes Turnier als Bundestrainer sein. Was überwiegt: Die Vorfreude oder die Nervosität?

Christian Prokop:
Ganz klar die Vorfreude! Aktuell geht der volle Fokus aber erst einmal auf unseren Lehrgang. Wir haben uns seit vier Monaten nicht mehr gesehen, das ist eine immens lange Zeit. Darum gilt es, diesen Lehrgang intensiv zu nutzen - im taktischen Bereich wie auch für den Teamgeist.

In Leipzig haben Sie quasi täglich mit der Mannschaft gearbeitet, die Nationalmannschaft unterliegt jedoch einem anderen Rhythmus. Wie sah Ihr Alltag in den vergangenen vier Monaten aus?

Christian Prokop:
Es war sehr vielseitig - von Videoanalysen über Gegnervorbereitung für die Europameisterschaft und Beobachtung des internationalen Handballs bis hin zu Besuchen und Gesprächen in den Bundesligahallen. Es war eine sehr spannende und schöne Erfahrung.

Welches Spiel ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Christian Prokop:
Es waren mehrere Highlights dabei, aber gerade das Spiel THW Kiel gegen den SC Magdeburg war ein Erlebnis. Der THW sah bei sechs Toren Rückstand bei noch zu spielenden zwölf Minuten fast tot aus, hat die Partie aber mit sehr viel Kampf und einem ganz tollen Publikum noch gedreht.

Ende Oktober stehen zwei Testspiele gegen Spanien an, Sie haben am Dienstag den Kader bekannt gegeben. Haben die Spieler, die jetzt nicht dabei sind, trotzdem noch eine Chance, sich in das Aufgebot für die Europameisterschaft zu spielen?

Christian Prokop:
Hundert Prozent! Gerade, wenn man die Außenpositionen sieht, haben wir in Deutschland einen sehr großen Pool an starken Spielern - ob man jetzt einen Tobias Reichmann, Rune Dahmke, Marcel Schiller oder Matthias Musche nennt. Es sind sehr viele Spieler, welche die Chance haben, in die Nationalmannschaft vorzustoßen. Aktuell hat die Form entschieden; dementsprechend habe ich hinter Patrick Groetzki und Uwe Gensheimer diese beiden Nominierungen getätigt.

Auf den Außenpositionen haben Sie neben dem erfahrenen Duo den Neu-Leipziger Yves Kunkel sowie Lemgos Tim Hornke nominiert.

Christian Prokop:
Yves Kunkel hat mir im bisherigen Saisonverlauf sehr gefallen - gerade von der Explosivität und Schnelligkeit her. Daher möchte ich ihn kennenlernen und testen. Tim Hornke ist ein sehr zuverlässiger Spieler, was ich an Bundesligaspielern generell sehr schätze. Er erzielt häufig eine enorm Quote, ist taktisch sehr gut ausgeprägt und wirft sich nach jedem Ball.

Im Vergleich zum Kader der DHB-Auswahl, die vor zwei Jahren den EM-Titel holten, fehlen mehrere Spieler - unter anderem Rune Dahmke, Niclas Pieczkowski oder Erik Schmidt. Wie schwierig war es für Sie, diese Akteure, die an einem so großen Erfolg beteiligt waren, nicht zu berufen?

Christian Prokop:
Ich musste eine Entscheidung treffen, weil ich diese Lehrgangswoche mit der Mannschaft intensiv nutzen möchte. Dementsprechend muss ich diesen Kader auf 16 Spieler plus zwei Torhüter - sprich auf 18 Spieler - beschränken, um auch gut arbeiten zu können. Das heißt aber nicht, dass die anderen, nicht-nominierten Spieler nicht mehr berücksichtigt werden. Sie sind auch weiterhin im Blickfeld.

Zu wie viel Prozent steht Ihr EM-Kader bereits?

Christian Prokop:
Mit Sicherheit wird es auf zentralen Positionen keine faustdicken Überraschungen geben, aber alles andere ist offen. Es wird sich schlussendlich von der Form und verschiedenen anderen Dingen ableiten lassen.

Zum Abschluss ein Blick auf das Doppel-Duell gegen Spanien: Welche Schwerpunkte werden Sie Ihrer Mannschaft mitgeben?

Christian Prokop:
Unser Gesamtkonzept gibt den taktischen Schwerpunkt vor. Die Spieler kommen aus unterschiedlichen Vereinsphilosophien - deswegen möchte ich Spieler mit einer hohen Auffassungsgabe in dieser Woche haben, die es schaffen, diese taktischen Vorgaben auch umsetzen. Wir werden neben der Abwehrarbeit, die entscheidend ist, an unserem Tempospiel arbeiten. Situationen wie Sieben-gegen-Sechs oder Sieben-gegen-Fünf können jedoch ebenfalls wichtige Momente in einem EM-Spiel sein. Dementsprechend müssen wir diese Tage nun - wie gesagt - intensiv nutzen. Mit der Taktik allein gewinnt man jedoch kein Handballspiel. Man muss emotional und mit sehr viel Leidenschaft spielen können. Daher freue ich, dass wir das in den beiden Handballhochburgen Magdeburg und Berlin zeigen können.

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Männer · Europameisterschaft · Saison 2017/2018
1. Spieltag · 13.01.2018 · 17:15 Uhr
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