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21.11.2017 15:30 Uhr - shop.handball-world.com - red

"Handballhölle Bezirksliga" - Autor Daniel Duhr über "Die härtesten Seiten des Handballs"

Pünktlich zur kalten Jahreszeit wird es heiß. Höllisch heiß. Mit "Handballhölle Bezirksliga, Siebte Liga - Erste Sahne" kommt ein Buch über den Amateurhandball auf den Markt. "Ein grobes Foulspiel inmitten all der Gesundheitsratgeber, Gedichtsammlungen und Groschenromane", heißt es in der Ankündigung. Im Interview erzählt Autor Daniel Duhr - der Handballer, Handballfan und Handballjournalist ist - von Kreisläufern mit Steherqualitäten, von Kirmesanspielen und Bällen, die im Seitenaus landen - und wie man es schafft, den Anwurf direkt auf den Fuß des Mitspielers zu setzen.

Bücher über Handball gibt es jede Menge. Über die Geschichte, über große Erfolge, über Handballtraining. Was hat Sie getrieben, ausgerechnet über die Bezirksliga zu schreiben?

Daniel Duhr:
Ich spiele selbst Handball und arbeite seit vielen Jahren als Handballjournalist, vor allem auch im Lokalsport. Die unteren Ligen - und da gehört die Bezirksliga zweifelsohne dazu - kenne ich in- und auswendig. Außerdem hatte ich schon immer eine Vorliebe für Glossen. Und in gewisser Weise ist die Handball-Bezirksliga ja eine einzige Glosse.

Ich habe so viele harte, also völlig verrückte, skurrile und witzige Geschichten auf und neben dem Spielfeld gesehen, von denen wir Handballer uns auch Jahre später noch erzählen. Da hat sich so viel Stoff angesammelt - das muss raus! Was sich hier abspielt, ist so absurd, so "schlecht-gut" - das gab es noch nie in einem Buch.

132 Seiten über siebtklassigen Handball - müssen wir das wirklich lesen?

Daniel Duhr:
Nein. Aber wer Handballer ist, Handball feiert und womöglich sogar über die Amateurhandball-Sprüche lacht, die derzeit Facebook und WhatsApp überfluten, der wird die Handballhölle lieben. Und sich und seine Mannschaftskollegen definitiv auch im ein oder anderen Kapitel wiederfinden. Ob als Kreisläufer - dem Steher unter den Läufern -, als Mittelmann - dem Dirigenten des unmusikalischen Orchesters - oder als Getränkewart - dem höchsten Amtsträger innerhalb der Mannschaft.

Du schreibst also über das wahre Leben eines Handballers?

Daniel Duhr:
Man könnte denken, ich erzähle Geschichten. Das Schreiben selbst hat deswegen aber auch so unfassbar viel Spaß gemacht, weil ich nichts dazu dichten musste. Denn es ist alles so oder so ähnlich passiert. An manchen Stellen ist das kaum zu glauben. Aber die Handballhölle beschreibt nichts als die Wahrheit. Vielleicht musste ich mir so manches schräge Ereignis auch von der Seele schreiben. Als Teil meiner persönlichen Verarbeitung des ein oder anderen Wochenendes beziehungsweise der ein oder anderen Mannschaftsfahrt.

Handballhölle Bezirksliga. Was erwartet den Leser?

Daniel Duhr:
Es ist das erste Buch auf dem Markt über niederklassigen Handball überhaupt. X Seiten über das Besondere des Amateurhandballs. Über die Atmosphäre, die Faszination. Über Kameradschaft, Mannschaftsgeist und Himbeergeist. Über die einzelnen Positionen und Charaktere.

Lustige Geschichten und verrückte Dinge haben vermutlich die meisten Handballer schon mit ihren Teams erlebt. Sie sind dennoch der erste, der ein Buch darüber geschrieben hat. Wie kam es dazu?

Daniel Duhr:
Mit dem Gedanken habe ich schon länger gespielt. Konkret ist es aber erst vor etwa eineinhalb Jahren geworden, als mein Vater, selbst Handballer und ein großer Lesefreund, schwer erkrankte. Das war ein großer Antrieb für mich. Ich wollte unbedingt, dass er mein Buch noch lesen kann. Das habe ich leider nicht geschafft. Aber ich glaube, er ist stolz auf mich.

Sie nehmen Ihre eigenen Handball-Kollegen ganz schön aufs Korn. Können Sie es denn besser?

Daniel Duhr:
Ich bin selbst Kretzsche-Fan und habe zugegebenermaßen einen Hang zu Kirmeswürfen. Ich mache lieber einen Dreher als acht Tore. Wer das Buch liest und mich kennt, wird merken, dass es insofern auch autobiografische Züge hat. Selbst habe ich es immerhin in die Landesliga geschafft. Aktuell spielen wir dagegen um den Wiederaufstieg in die Bezirksliga. Kurzum: nein.

Sie erwähnen Kretzsche. Es ist Ihnen gelungen, mit Henning Fritz einen seiner prominentesten Mitspieler aus der Nationalmannschaft für das Vorwort zu gewinnen. Wie kam die Verbindung zustande?

Daniel Duhr:
Ich durfte Henning vor einem Jahr interviewen. Er ist genauso sympathisch und locker, wie er früher auf dem Feld und heute als TV-Experte rüberkommt. Ein Riesentyp. Ich habe ihn einfach angesprochen und gefragt, ob er sich vorstellen könne, ein Vorwort zur Handballhölle zu schreiben. Und dann hat er einfach ja gesagt. Mittlerweile duzen wir uns. Ein komisches Gefühl, plötzlich einen Welthandballer zu duzen. Aber so sind sie, die Handballer: bodenständig und cool drauf.

Was gefällt Ihnen am Amateurhandball am besten?

Daniel Duhr:
Die vier "K": Kicken, Kirmesanspiele an den Kreis, Knobeln aus der Hand - und die Kameradschaft. Auf seine Mitspieler kann man sich immer verlassen. Zumindest abseits des Handballs.

Was mögen Sie nicht?

Daniel Duhr:
Spielzüge. Landen immer im Seitenaus.

Ihr schwierigster Moment beim Schreiben?

Daniel Duhr:
Anzufangen. Es ist ein extrem spannendes Projekt, an dem ich gewachsen bin. Jetzt bin ich vor allem aufgeregt, wie es laufen wird. Beinahe so aufgeregt, wie bei meinem ersten Anwurf in der C-Jugend in Esbjerg, Dänemark. Ein Turnier vor 250 Zuschauern, mit Harz. Werde ich nie vergessen. Ich war so nervös und hatte so viel Harz an der Hand, dass ich den Anwurf meinem Halbrechten Flo Wallerstein auf den Fuß geworfen habe.

Was war Ihr Highlight beim Schreiben?

Daniel Duhr:
Ein kleines Malheur mit Happy End. Ich hatte ein ganzes Kapitel im Urlaub geschrieben, auf Kuba, an der Playa Ancón. Ich war gerade fertig, sehr zufrieden, hatte selbst laut gelacht - und habe mir vor lauter Freude ein Bier über den Block gekippt. Alles nass, alles weg.

Sie schreiben noch auf einem Block?!

Daniel Duhr:
Ja. Nicht immer - aber am liebsten schreibe ich sogar noch auf den Old-School-DIN-A-5-Blöcken, die Lokaljournalisten früher immer einmal geknickt in der Gesäßtasche stecken hatten.

Konnten Sie das Kapitel noch retten?

Daniel Duhr:
Ich habe auf den Schreck ein weiteres Bier getrunken. Und von vorne angefangen. Fünf Stunden später war mein persönliches Lieblingskapitel fertig.

Welches?

Daniel Duhr:
"Der Trainer". Eindeutig. Ich selbst habe Sportwissenschaft studiert und auch eine Trainerlizenz. Deswegen habe ich meine eigenen Trainer immer schon sehr kritisch beäugt. Und beim Schreiben konnte ich mich herrlich an ihnen orientieren. Ich hatte jeden Typ dabei, den Jugendtrainer, den Ambitionierten, den Weil`s-ja-sonst-keiner-macht, den Der-nicht-loslassen-kann, den Spielertrainer und den Veteranen.

Was kommt jetzt? Gibt es schon ein neues Projekt?

Daniel Duhr:
Wieder verstärkt am Ball, statt am Stift arbeiten. Noch mal angreifen und vielleicht sogar noch mal in die Landesliga aufsteigen. Oder in die Kreisklasse gehen und die Priorität noch mehr auf das Gesellige setzen.

Sie planen keinen zweiten Teil?

Daniel Duhr:
Wir müssen von Spiel zu Spiel gucken. Irgendwann werde ich sicher noch tiefer spielen. Und da wird`s ja nicht besser. Nachschub an Geschichten ist also in Sicht.

Macht Bücher schreiben eigentlich reich?

Daniel Duhr:
Leider nein. Schreiben ist in unserer heutigen Gesellschaft eher brotlose Kunst. Fürs Korrigieren bekommt man heutzutage mehr Geld als fürs Schreiben. Für mich ist der Aspekt, selbst ein Buch geschrieben zu haben, schon Lohn genug. Ich wünsche mir einfach, dass zahlreiche Handballer damit eine gute Zeit haben, sich selbst und ihre Teamkameraden wiederentdecken und über sich und miteinander viel lachen.

Dass ich mit diesem Buch etwas verdiene, ist unwahrscheinlich. Ich werde also weiterhin darauf angewiesen sein, nach dem Training beim Würfeln zu gewinnen, um ein kostenloses Bier abzustauben. Es ist ja auch mein erstes Buch, ich habe das rein nebenberuflich, als Hobby, gesehen. Entsprechend habe ich das Buch selbst herausgebracht. Ohne die Hilfe eines Verlags.

Niemand hat Ihnen geholfen?

Daniel Duhr:
Doch! Henning Fritz. Ansonsten - alles alleine. Im Ernst: Ich hatte viele Helfer um mich herum, denen ich sehr dankbar bin. Vom Lektor, über die Grafikerin bis zum IT-Profi für die Homepage - und viele Handballfreunde, die Probe gelesen haben.

Wer hat das erste Exemplar bekommen?

Daniel Duhr:
Da haben sich viele drüber gefreut. Mein Lektor, mein erster Trainer, meine Frau, mein Chef und viele mehr. Glauben sie zumindest. Spaß beiseite: Das erste habe ich Vater am Grab vorgelesen. Und ich meine ihn auch lachen gehört zu haben.

Der Autor - Eigenvorstellung:

Daniel Duhr ist am 17. Februar 1984 im Drei-Städte-Eck zwischen Düsseldorf, Essen und Wuppertal, im beschaulichen Velbert nahe des Birther Sportpalasts, per Dreher zur Welt gekommen. Dank ein paar guter Anspiele fasste der Spanien- und Schnitzel-Liebhaber nach seinem Sportwissenschaft- und Spanischstudium bei der Westdeutschen und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung Fuß und spielt nach einer Ausleihe als Söldner ins Agenturleben sowie einigen persönlichen Fouls und Verletzungen jetzt als Redakteur an der Düsseldorfer IST-Hochschule für Management in der Pressestelle.

In seiner Freizeit und an spielfreien Wochenenden versucht der Siegerurkundengewinner der Bundesjugendspiele 1994, frühere Seepferdchenträger und heutige Schriftführer der Skatrunde "18", 20, Weg!" viel wegzufahren, viel Rad zu fahren und viel Ski zu fahren. Und wann immer er sich aus der Manndeckung einer Angststörung befreien kann, spielt, schaut, schreibt und lebt er den Handball - besonders gerne den niederklassigen.


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