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19.06.2017 17:33 Uhr - 2. Bundesliga - Sven Noack

"Offen für Innovationen" - Jüngster Bundesligatrainer Jaron Siewert im Interview

Jaron Siewert ist mit 23 Jahren der jüngste Trainer der Bundesliga-Geschichte.Jaron Siewert ist mit 23 Jahren der jüngste Trainer der Bundesliga-Geschichte.
Quelle: Sebastian Brauner/DHB
Seitdem der Zweitligist TuSEM Essen einen neuen Trainer präsentiert hat, gibt es auch eine neue Rekordmarke. Der Berliner Jaron Siewert ist der bislang jüngste A-Lizenz-Inhaber und Bundesligatrainer der Geschichte mit 23 Jahren. Der zuvor jüngste Trainer mit A-Lizenz war sein Förderer Bob Hanning mit 26 Jahren. Für Siewert ist das Alter nicht entscheidend: "Die Kraft, sich über eine Zahl im Personalausweis zu unterhalten, kann man besser in inhaltliche Diskussionen zum Thema Handball stecken." Im Interview mit handball-world.com sprach der neue Trainer des TuSEM Essen über seinen persönlichen Weg, seine Ambitionen in der 2. Bundesliga und warum ein junger Trainer auch seine Vorteile haben kann.

Du bist mit 23 Jahren mit Abstand der jüngste Trainer in der Bundesliga-Historie. Normalerweise ist es das beste Alter für aufstrebende Spieler. Du hast schon vor Jahren einen anderen Weg gewählt. Wie kam es dazu?

Jaron Siewert:
Ich selber habe zwar noch keine Statistik dazu gesehen, aber wahrscheinlich bin ich wirklich der jüngste Bundesligatrainer. Der aktuelle Rekordhalter in dieser Disziplin war wohl kein anderer als Bob Hanning.

Nach meiner letzten Saison in der Jugend gab es für mich die Möglichkeit eventuell in die 2. Bundesliga zu wechseln oder in Berlin zu bleiben und dort die Trainerlaufbahn einzuschlagen. Dies war das Ergebnis einiger Gespräche mit Bob, in denen er mir eine größere Perspektive als Trainer aufgezeigt hat. Als Spieler hätte es wohl nicht über das Niveau der 2. Bundesliga hinaus gereicht, sodass ich auch für mich den Schritt in die Trainerlaufbahn vorstellen konnte.

Außerdem war ich schon immer sehr interessiert an den taktischen und technischen Inhalten unseres Sportes, sodass ich mir dort schnell Wissen angeeignet habe. Es war wohl hilfreich, dass ich schon als Spieler sehr analytisch und manchmal auch etwas zu selbstkritisch mit der eigenen Leistung umgegangen bin.

Ist dieser Weg der Ausbildung der Füchse Berlin zu verdanken?

Jaron Siewert:
Auf jeden Fall! Es wurde immer sehr großen Wert darauf gelegt, dass man nicht nur als Spieler wächst, sondern auch als Persönlichkeit. Bei den Füchsen Berlin stehen einem immer alle Türen offen und man kann alles erreichen, wenn man bereit ist in sich selber und in die Organisation maximal zu investieren.

In den Jahren wurden immer die höchsten Ansprüche an einen gestellt, aber man bekam auch immer das volle Vertrauen ausgesprochen und die Zeit sich zu entwickeln. Ich hatte die Möglichkeit meine Lizenzen zu machen und den Sport mit meinem Studium optimal zu verbinden. Mir würde kein anderer "Arbeitgeber" einfallen, welcher so viel Wert auf die individuellen Anforderungen seiner Mitarbeiter legt und eine maximale Kooperation in allen Bereichen ermöglicht.

Zuletzt warst du Trainer bei der DHB-Jugend, unter anderem mit bekannten Größen wie Bennet Wiegert (SC Magdeburg) und Jugend-Bundestrainer Jochen Beppler. Wie viel hast du in den letzten zwei Jahren von diesen Trainern gelernt?

Jaron Siewert:
Mit Bennet Wiegert hatte ich leider nicht viel Kontakt, da die geplante Doppelbesetzung der Co-Trainerposition gar nicht zu Stande kam. Für Bennet natürlich aus positiven Gründen, weil er die Cheftrainerposition beim SC Magdeburg kurzfristig übernommen hatte.

Mit Jochen Beppler und Carsten Klavehn habe ich in den letzten beiden Jahren sehr viel erlebt, wodurch ich auch andere Blickwinkel und Erfahrungen sammeln konnte. Ich konnte viel aus den internationalen Erfahrungen im Nachwuchsbereich lernen und habe ein Gesamtbild von der Arbeitsweise im DHB bezüglich des Sichtungs- und Fördersystems erhalten.

Es ist immer sehr interessant, aus seinem gewohnten Umfeld herauszukommen und andere Arbeitsweisen bzw. Herangehensweisen kennenzulernen. Nur so kann man seinen eigenen Erfahrungshorizont erweitern und auch in der eigenen Entwicklung den nächsten Schritt machen.

Welche Ziele hast du dir als neuer Trainer des TuSEM Essen gesetzt?

Jaron Siewert:
In erster Linie möchte ich jeden Spieler individuell verbessern, sodass er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung nehmen kann. Wir haben eine sehr junge und ehrgeizige Mannschaft, in der ich noch einiges an Entwicklungspotenzial sehen und wecken möchte.

Wenn also jeder Spieler diesen Trainingsprozess für sich annimmt, dann wird man sich auch als Mannschaft verbessern. Natürlich wollen wir mit dem TuSEM auch einen weiteren Schritt in Richtung Professionalisierung gehen, damit auch die Strukturen eine sportliche Weiterentwicklung positiv verstärken werden.

Konkrete Ziele werden wir ab dem 10.07. mit der Mannschaft besprechen, da diese nur erreicht werden können, wenn sie von innen heraus kommen und man selber dafür brennt. Da ich momentan noch nicht den Charakter der Spieler bzw. der Mannschaft exakt kenne, werden wir dies in den ersten Wochen der Vorbereitung angehen.

Ist es nicht ungewöhnlich, dass viele Spieler älter sind als der Trainer?

Jaron Siewert:
Natürlich ist es in der Vergangenheit bei vielen Spielern nicht oft der Fall gewesen, dass der Trainer jünger oder genauso alt war wie man selber, aber viele Dinge ändern sich und warum nicht auch das. Für mich spielt das Alter am Ende keine Rolle, da ich mit Persönlichkeit und Fachwissen überzeugen möchte. Die Kraft, sich über eine Zahl im Personalausweis zu unterhalten, kann man besser in inhaltliche Diskussionen zum Thema Handball stecken.

Als junger Trainer ist man auch eventuell offener für Innovationen, um seine Arbeit zu verbessern und nicht an alten Wegen festzuhalten. Und es liegt wohl auch ein bisschen im Trend, wenn man nach Hoffenheim (Nagelsmann), Magdeburg (Bennet Wiegert) oder Leipzig (Andre Haber) guckt, wo jungen Trainern das Vertrauen geschenkt wird.

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