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06.12.2017 08:30 Uhr - Weltmeisterschaft - Julia Nikoleit

Von Frauen-WM, TV-Lösung, Beach, Olympia und Zielen seiner Amtszeit: IHF-Präsident Dr. Moustafa im Exklusiv-Interview

Hassan MoustafaHassan Moustafa
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Von der aktuellen WM und den mit ihr verbundenen TV-Problemen, über die Ziele für seine aktuelle Amtszeit, die Entwicklung des Handballs in China oder den Amerika sowie den Ball ohne Harz und seine Zeit in Leipzig bis hin zum Beachhandball: Am fünften Tag der Frauen-Weltmeisterschaft nahm sich IHF-Präsident Dr. Hassan Moustafa Zeit für ein exklusives und ausführliches Interview mit handball-world, das auch DHB-Präsident Andreas Michelmann mitverfolgte. Moustafa steht dem Weltverband seit 2000 vor und wurde im November auf dem Kongress des Weltverbandes wiedergewählt. Der Ägypter sprach offen - und aufgrund seiner Studienzeit in Leipzig in Deutsch - mit Julia Nikoleit darüber, was ihn und die International Handball Federation (IHF) derzeit bewegt.

Herr Moustafa, wie fällt Ihr Fazit nach den ersten Tagen dieser Weltmeisterschaft aus?

Hassan Moustafa:
Meine Meinung ist nicht wichtig. Wichtig für uns sind die Delegationen - die Trainer, die Spielerinnen, die Offiziellen, die Schiedsrichter und die Ärzte. Sie sind bisher hochzufrieden - nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Deutschland. Auch die Zuschauer sind es, es ist immer voll.

Es war auch eine gute Idee, in Leipzig die Kinder in die Halle zu lassen. Ich habe zum DHB-Präsidenten gesagt: "Das ist wie ein Kindertag für den Handball." Es ist sehr wichtig, dass die Kinder jetzt Handball schauen und sehen, wie attraktiv Handball ist. Hoffentlich spielen viele von diesen Kindern in Zukunft Handball.

Ein großes Thema im Vorfeld der Weltmeisterschaft waren die TV-Rechte. Wie zufrieden sind Sie, dass dieses große Streitthema doch noch gelöst werden konnte?

Hassan Moustafa:
Es war ein sehr wichtiges, aber auch sehr schwieriges Thema. Ich muss meinem Freund Herrn Müller (Robert Müller vom Sportrechteverwalter Lagardere, Anm. d. Red.) danken, er hat uns sehr geholfen. Wir haben versucht, mit der Bundeskanzlerin und dem NOK zu reden, aber am Ende war es Herr Müller. Jetzt sind wir sehr zufrieden.

Ist es korrekt, dass sich die deutsche Botschaft eingeschaltet hat?

Hassan Moustafa:
dreht sich zu DHB-Präsident Andreas Michelmann und gibt die Frage weiter.

Andreas Michelmann:
Wir hatten den Außenminister angeschrieben und um Hilfe gebeten. Er hat dann gesagt, dass er sich da nicht einmischen darf, aber die deutsche Botschaft in Katar informiert sei. Dort hat es dann ein Treffen gegeben, als Mark Schober in Doha war - mit führenden Repräsentanten.

Hassan Moustafa:
Wir danken dem Botschafter dafür.

Sie haben früher in Leipzig studiert und sind nun für die Weltmeisterschaft wieder hier. Wie wohl fühlen Sie sich?

Hassan Moustafa:
Früher war schöner als jetzt (lacht). Ich habe hier gelernt und bin sofort nach dem Trainerkurs nach Ägypten. Dort habe ich als Nationaltrainer angefangen. Ich habe an der Deutschen Hochschule für Körperkultur sehr viel gelernt und ich habe dort auch gespielt.

Im Sport war die DDR immer ausgezeichnet. Sie haben gegen Deutschland, die USA und Russland gekämpft - und sie waren immer spitze. Es gab seit dieser Zeit auch viele Änderungen in Leipzig, auch die Leute waren anders - sie waren freundlicher und sehr offen.

Auf dem IHF-Kongress in Antalya sind Sie vergangenen wiedergewählt worden; Sie sind nun bereits seit 2000 Präsident. Welche Ziele haben Sie für die kommende Amtszeit?

Hassan Moustafa:
Viele (lacht). Ein Ziel ist die Vorbereitung der Olympischen Spiele in Tokio, davor haben wir noch die Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. Wir hoffen, dass wir dort mit der Unterstützung des Präsidenten und des DHB mehr als 750.000 Zuschauer haben werden.

In Frankreich war das Ziel eine halbe Million - sie wollten es nicht akzeptieren, weniger als Deutschland zehn Jahre zuvor zu haben (lacht). Ich hoffe, dass wir 2019 vielleicht sogar auf eine Million kommen. Die Hauptsache dabei wird die Leistung der Nationalmannschaft sein - 2007 ist Deutschland Weltmeister geworden, wie Sie ja wissen.

Worauf richten Sie Ihr Augenmerk sonst noch?

Hassan Moustafa:
Wir werden uns auf den Handball in China konzentrieren. Ich hatte bereits verschiedene Sitzungen mit dem Sportminister. Sie haben dort jetzt einen Trainer aus Dänemark. Auch den Handball in Japan ist wichtig für uns, als Vorbereitung auf Tokio. Auch für den Handball in den USA müssen wir arbeiten, das ist auch sehr wichtig für uns. Daher haben wir einen Vorschlag, dass wir Panamerika so teilen, dass es zwei Verbände sind.

Wieso?

Hassan Moustafa:
Es sind ja immer die gleichen Mannschaften, die dort stark sind: Chile, Brasilien und Argentinien. Die USA, Mexiko, Kanada und Kuba nicht. Das sie auch Chancen haben, ist ein Ziel.

Wenn die USA eine gute Mannschaft haben, dann können wir dort auch viel Aktivitäten machen. Die USA ist sehr wichtig für den Handball. Der Vorschlag ist aber noch nicht beschlossen. Außerdem wollen wir die Entwicklung des Handballs in großen Ländern wie Indien vorantreiben. Das ist wichtig für uns. Auch der Ball ohne Harz ist wichtig.

Der Ball ohne Harz wurde bereits diskutiert. Warum glauben Sie, dass er notwendig ist?

Hassan Moustafa:
Wir haben auch hier in Deutschland viele Probleme, das Harz macht den Boden schmutzig. Die Farbe von dem Ball ist nicht zu sehen, nach zehn Minuten ist der Ball schwarz. Das ist nicht gut für unser Image.

Gibt es einen Plan, wann der Ball erstmals zum Einsatz kommen soll?

Hassan Moustafa:
Ich hoffe, dass wir den Ball bei der Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark testen können. Molten arbeitet Tag und Nacht. Die letzte Sitzung mit ihnen war hier in Leipzig - sie machen jetzt ihre Aufgaben, dann kommen sie wieder und wir machen verschiedene Tests für die Jugend und Junioren. Ohne Tests werden die Spielerinnen und Spieler den Ball nicht akzeptieren.

Und wie sieht es mit dem Beachhandball aus?

Hassan Moustafa:
Der Beachhandball ist unser Baby.

Soll das Baby denn olympisch werden?

Hassan Moustafa:
Das hoffe ich, ja. Wir haben auch eine gute Chance - ich hoffe auf 2024. Wir machen Beachhandball schon in Tokio - nicht offiziell, aber wir dürfen es dort vorstellen.

Zum Abschluss noch einmal der Blick auf die WM: Wer holt sich am Ende den Titel?

Hassan Moustafa:
Die Mannschaft, die am besten spielt (lacht).



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