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07.12.2017 13:00 Uhr - Weltmeisterschaft - PM Veranstalter, Sport1

"Mädels machen einen guten Job" - Stefan Kretzschmar fordert respektvoll vom Frauen-Handball zu sprechen

Stefan KretzschmarStefan Kretzschmar
Quelle: Marco Wolf
Stefan Kretzschmar hat langjährige Verbindungen zum Frauenhandball. Seine Mutter Waltraud galt als eine der besten Handballerinnen ihrer Zeit. Silber bei den Olympischen Spielen 1976, Bronze vier Jahre später, drei WM-Titel (1971, 1975 und 1978) und zwei Europapokal-Siege mit dem SC Leipzig (1966 und 1974) lautet die Bilanz der 217maligen Nationalspielerin. Peter Kretzschmar, ihr Ehemann, war ihr Trainer und angesichts dieser Ausbeute einer der Besten seines Fachs. Und seine Tochter steht im Aufgebot des DHB-Nachwuchses. Der wohl bekannteste deutsche Handballer stellt klar: "Die Mädels machen einen guten Job und haben durchaus Talent. Das muss man anerkennen und sollte respektvoll vom Frauen-Handball sprechen."

Welches Ansehen das Ehepaar Kretzschmar nach wie vor in Leipzig genießt, hat Sohn Stefan speziell 2009 erfahren, als er sich in seiner Geburtsstadt bei den damals noch viertklassigen DHfK-Handballern als Aufsichtsrat zu engagieren begann, und so beschrieben: "In ganz Deutschland bin ich einfach nur Kretzsche, in Leipzig aber gelte ich als der Sohn von Traudl und Pit." In der Arena Leipzig wird Kretzschmar von seiner Tochter Lucie Marie begleitet. Sie gehört zu den Hoffnungsträgern in der neuen Zeit des HCL, der nach der Insolvenz mit jungen Spielerinnen in der dritten Liga einen Neuanfang startet. Die Tradition des Frauenhandballs bleibt in der Familie Kretzschmar also erhalten.

Als Experte für Frauenhandball möchte sich Stefan Kretzschmar, neben Heiner Brand das wohl bekannteste Gesicht des deutschen Handballs, trotz der Familientradition nicht bezeichnen. Davon verstünden andere wesentlich mehr. Natürlich verfolgt er die Spiele der deutschen Mannschaft, sei es vor Ort in der Arena oder im Fernsehen. Und er betont: "Ich habe durch meine Tochter natürlich auch nochmal eine ganz andere Beziehung zum Frauen-Handball bekommen."

"Ich halte alles für möglich, das haben die K.O.-Spiele ab dem Achtelfinale nun mal so an sich", sagt er. "Das Halbfinale ist unser großer Traum - dass die Frauen in Hamburg spielen, vielleicht an einem guten Tag auch das Finale erreichen können. Klar träumen irgendwie auch alle vom WM-Sieg, aber ich finde persönlich, dass Frauen-Handball unberechenbarer ist als Männer-Handball. Die Deutschen sind durchaus auch in der Lage, die ganz Großen zu schlagen. Aber wir haben uns eben auch gegen Serbien schwer getan, obwohl wir die ersten zehn Minuten die klar überlegene Mannschaft waren. Das Team ist so ein bisschen eine Wundertüte."

Die Stärken des Teams von Michael Biegler liegen nach seiner Meinung auf der Torhüter-Position und in der Abwehr. Im Angriff sieht er Steigerungspotenzial. "Doch da möchte ich auch nicht als Besserwisser dastehen, denn was speziell Friederike Gubernatis im rechten Rückraum gezeigt hat, ist aller Ehren wert. Die Mädels verkaufen sich gut, sie treten sehr sympathisch auf und zeigen einen guten Teamspirit nach außen." Und er hofft: "Man darf die Erwartung nicht übertrieben formulieren, aber wir haben mit der Heim-WM eine tolle Möglichkeit und gute Einschaltquoten - auch die Hallen sind gut besucht. Vielleicht wollen jetzt dann viele Mädels gerne so sein wie Emily Bölk oder Angie Geschke."

Was das Spiel der Männer von dem der Frauen unterscheidet, beschreibt er mit einem Beispiel. "Frauen wollen das, was sie sich im nächsten Angriff vorgenommen haben, unbedingt auch so zu Ende spielen. Da kommt auch mitunter der letzte Pass zur vorgesehenen Mitspielerin, auch wenn das die Situation vielleicht nicht hergibt." Der frühere Nationalspieler fügt an: "Qualitativ ist schon noch ein Unterschied. Männer-Handball ist viel athletischer, aber Frauen-Handball ist durchaus attraktiv, wenn er technisch fehlerfrei gespielt wird. Die Mädels machen einen guten Job und haben durchaus Talent. Das muss man anerkennen und sollte respektvoll vom Frauen-Handball sprechen."

In Bezug auf Einsatz und kämpferischer Einstellung sei aber speziell des deutsche Team über jeden Zweifel erhaben. "Da kann ich nur den Hut ziehen", applaudiert der 218fache Nationalspieler, der zudem Nationaltrainer Michael Biegler hervorhebt: "Er ist sehr direkt, sehr ehrlich und ein guter Freund. Ich hatte das Glück, sehr lange mit ihm zu arbeiten. Er ist nicht für alle Menschen leicht zu handeln. Er legt sehr viel Wert auf Loyalität, schätzt Qualität und Leute, die wissen, was sie tun. Wenn man diese Kriterien erfüllt, dann hat man bei ihm einen Stein im Brett. Man darf ihn nicht vorverurteilen und nicht vom kauzigen Äußeren auf seinen Kern und seinen Charakter schließen, weil er ein sehr guter Mensch ist. Und was das Handballerische angeht, gibt es keinen, der eine höhere Qualität an Trainingsmethodik hat als Michael Biegler. Er ist einer der besten Trainer, die ich kenne."

Angetan ist Stefan Kretzschmar auch von der Stimmung in der Arena, die speziell bei den Spielen der deutschen Mannschaft im Eröffnungsspiel gegen Kamerun mit 6.000 Zuschauern und gegen Südkorea mit 5.800 sehr gut besucht war. "Leipzig ist der ideale Standort für die Vorrunde der Frauen. Der Frauen-Handball hat hier eine große Tradition. Schön zu sehen war auch, dass bei Südkorea gegen China 3000 Kinder in der Halle sind und die beide Mannschaften anfeuern. Leipzig ist ein würdiger Gastgeber und die Frauen bekommen eine großartige Atmosphäre. Die Halle ist emotional, das wird sich im Laufe des Turniers noch steigern."

Auch seine früheren Kollegen von Sport 1 - inzwischen begrüßt er am Sonntag bei Sky das Publikum bekanntlich zu seiner eigenen Sendung - seien mit den Übertragungen sehr zufrieden, da sich im Schnitt 600.000 und in der Spitze fast eine Million Zuschauer eingeschaltet hätten. "Da kann ich mir bei dem Interesse schon vorstellen, das in der Öffentlichkeit von dieser WM einiges hängenbleibt und der Frauenhandball profitiert Das ist eine große Chance für den Frauen-Handball in Deutschland. Wir haben gesehen, was nach der Männer-WM 2007 passiert ist: Viele Kinder wollten Handball spielen und unseren Frauen-Bereich können wir damit genauso stärken. Die WM ist richtungsweisend für den Frauen-Handball in Deutschland", so Kretzschmar



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Frauen · Weltmeisterschaft · Saison 2017/2018
5. Spieltag · 08.12.2017 · 18:00 Uhr
Niederlande31:23
Deutschland
Arena Leipzig · Zuschauer : 6000

Spielfilm:
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Torschützen: Abbingh(9/6), Groot(6), van der Heijden(5), Broch(3), Polman(2), Rozemalen(2), Snelder(2), Smeets(1), Malestein(1),
Siebenmeter: 6 / 7
Zeitstrafen: 3
Rot:
Torschützen: Stolle(6), Nadgornaja Mansson(5), Geschke(4), Huber(3/1), Smits(2), Gubernatis(1), Bölk(1), Wohlbold(1),
Siebenmeter: 1 / 1
Zeitstrafen: 3
Rot:

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