News sendenPDF öffnen

13.09.2017 14:12 Uhr - Jugend/Juniorinnen - Christian Ciemalla

Doping bei Juniorinnen-EM: EHF startet Verfahren gegen Silbergewinner Russland

Die EHF - hier Präsident Michael Wiederer bei einer Auslosung - hat ein Verfahren gegen Russland gestartetDie EHF - hier Präsident Michael Wiederer bei einer Auslosung - hat ein Verfahren gegen Russland gestartet
Quelle: sportseye.de
Mit einem 28:27 gegen Dänemark war Russland im vergangenen Monat in das Endspiel der Europameisterschaft der U19-Juniorinnen in Slowenien eingezogen und reiste nach der 26:31-Finalniederlage gegen Frankreich mit Silber zurück in die Heimat. Doch hinter dieser Medaille steht nun ein Fragezeichen, die EHF hat nach drei positiven Dopingbefunden nicht nur ein Verfahren gegen die betroffenen Spielerinnen eröffnet, auch der russische Verband steht nun im Fokus.

In den vergangenen Jahren stand Russland immer wieder im Zentrum von Dopingermittlungen. Nach den Enthüllungen rund um die Vorgänge bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi waren für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro beispielsweise die Leichtathleten gesperrt worden. Da es im Handball bis dato keine Vorfälle gab, durfte der russische Verband in dieser Sportart allerdings mit seinen Frauen starten - und gewann nach packenden Duellen im Halbfinale gegen Norwegen und im Endspiel gegen Frankreich Gold. Mit dem russischen Fußball kam wenig später allerdings auch eine der Ballsportarten in Berührung mit Dopingverdächtigungen - und nun ist auch der Handball betroffen.

Wie die EHF in einer Meldung auf ihrer Website bekannt gab, wurden - wie bei internationalen Endrunden üblich - durch die EHF Anti-doping Unit Wettkampftests bei der Europameisterschaft der Juniorinnen vorgenommen. Nach jedem Spiel werden dabei Spielerinnen ausgelost, die sich einem Test unterziehen müssen. Diese wurden in der Folge an ein von der World Anti-doping Agency WADA akkreditiertes Labor übergeben und dort analysiert.

Bei drei Proben russischer Akteurinnen gab es laut EHF einen positiven Nachweis auf den metabolischen Modulator Meldonium, das sich in der Klasse S4 der WADA Verbotsliste findet. In dieser Klasse werden Stoffe, die Einfluss auf den Hormonhaushalt und Stoffwechsel nehmen, aufgeführt - Meldonium unter den Stoffwechselmodulatoren sogar als eigener Unterpunkt 5.3.

Meldonium ist in Russland als Medikament gegen Herzprobleme zugelassen, steht aber bereits seit Januar 2016 auf der Verbotsliste der WADA, es soll die Blutversorgung und somit die Ausdauer erhöhen. Im Frühjahr 2016 - und somit kurz nach der offiziellen Listung auf der Verbotsliste - war der Stoff bei mehreren russischen Sportlern nachgewiesen worden, unter anderem der Tennisspielerin Maria Scharapowa, die erklärte, es aufgrund ihrer Diabetes zu nehmen, da Meldonium ähnlich wie Insulin wirke. Der Stoff stand zuvor bereits auf der Beobachtungsliste der WADA, die dabei einen hohen Missbrauch in verschiedenen Sportarten festgestellt hatte und das Mittel auf die offizielle Verbotsliste setzte.

Bei einer russischen Spielerin wurde nun eine Probe aus einem Spiel der Hauptrunde positiv auf Meldonium getestet. In dieser hatte sich Russland mit dem zweiten Platz vor den Norwegerinnen den Platz im Halbfinale gesichert; zwei weitere Test waren nach dem Finale gegen Frankreich positiv. Alle drei Spielerinnen wurden daher von der EHF vorläufig gesperrt. Unter ihnen ist auch die mit 45 Treffern beste Werferin des russischen Teams, die im Halbfinale gegen Dänemark beim 28:27 fünf Tore erzielte und im verlorenen Endspiel gegen Frankreich acht.

Neben den Verfahren gegen die drei Spielerinnen, die nun mit Sperren rechnen müssen, hat die EHF auch Ermittlungen gegen den russischen Verband aufgenommen. Dies könnte weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen, unter anderem den Verlust der Silbermedaille. Hintergrund ist Artikel 10 der Anti-Doping Regeln der EHF: Dieser besagt, dass wenn mehr als zwei Mitglieder eines Teams eines Verstoß gegen die Anti-Doping Richtlinien innerhalb einer Wettkampfperiode schuldig befunden werden, auch angemessene Sanktionen gegen den Verband eingeleitet werden sollen. Daher hat die EHF ein Verfahren gegen den russischen Verband in Gang gesetzt.

Verband und Spielerinnen wurden von der EHF um Stellungnahmen gegenüber dem EHF Court of Handball gebeten. Der russische Verband erklärte unterdessen auf seiner Website, dass er seit Bekanntwerden des Vorfalls in Kontakt mit der EHF stehe und eigene Untersuchungen eingeleitet habe, die auch mit dem für den Sport zuständigen russischen Vize-Ministerpräsidenten Vitali Mutko abgestimmt werden. "Wir betrachten mehrere Versionen des Vorfalls, unter ihnen auch eine geplante Aktion oder eine Provokation", so der russische Verband, der eigenen Angaben zu Folge auch die Polizei eingeschaltet hat.

Handballecke.de Diskutieren Sie direkt im Forum mit!


Meistgelesen:



Lesen Sie auch: