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27.01.2016 11:09 Uhr - Europameisterschaft - Julia Nikoleit, Astrid Jöhnck

"Finger in die Wunde legen": Amateurmannschaft schickt Karlsson Regenbogen-Schweißbänder

Die 2. Damen des FC St. Pauli hat ihre Saison unter das Motto ‚Lieb doch wen du willst’ gestellt Die 2. Damen des FC St. Pauli hat ihre Saison unter das Motto ‚Lieb doch wen du willst’ gestellt
Quelle: Gläser Photography
Die Diskussion um eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde sorgte vor der laufenden Europameisterschaft für großen Wirbel in der Handball-Szene. Der schwedische Kapitän Tobias Karlsson hatte angekündigt, als „stilles Statement für Toleranz und die Gleichwertigkeit aller Menschen“ mit einer bunten Armbinde aufzulaufen. Andere Mannschaftsführer wie Bjarte Myrhol und Gudjon Valur Sigurdsson wollten sich dem anschließen, doch die EHF verbot die Aktion. Mit dieser Entscheidung machte sich die EHF keine Freunde - und eine Mannschaft aus Hamburg reagierte. Die 2. Damen des Kultklubs Sankt Pauli schickte ein Paket mit regenbogenefarbenen Schweißbändern nach Breslau, „weil uns der Kampf gegen Homophobie genauso am Herzen liegt wie der gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art.“

Doch von Anfang an: Nach Karlssons Ankündigung, die europaweit in den Medien für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, untersagte die EHF dem schwedischen Kapitän das Tragen der Regenbogen-Binde mit Verweis auf die bestehenden Regularien. Es werde eine farbig einheitliche Kleidung vorgeschrieben, heißt es dort - was neben der Binde auch Leggins, Stirnbänder und Kompressionskleidung umfasst. „Unabhängig von unseren eigenen Ansichten zu diesem und anderen Themen ist die EHF nicht in der Position, solche Statements während der Spiele und Veranstaltungen wie der Euro zuzulassen“, hatte EHF-Präsident Jean Brihault erklärt.

Dieses Statement stieß bei den Spielerinnen des FC St. Pauli - ebenso wie bei vielen anderen Handballfans - auf Unverständnis: „Schlimm genug, dass es noch immer eines Eintretens für die gleichen Rechte aller Menschen bedarf - und schlimmer noch, dass die EHF sich windet in einem Verweis auf die Trikotbestimmungen, um Tobias Karlsson das Tragen einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben zu verbieten“, war die einhellige Meinung der 2. Damen.

Für die Paulianerinnen war daher schnell klar: „Das Statement Jean Brihaults ist schwach - und weil wir in den Statuten nichts bezüglich ‚einheitlich bunter‘ Schweißbänder gefunden haben, fassten wir den Entschluss, dem schwedischen Team doch einfach einige jener regenbogenfarbenen zu schicken, mit denen auch wir spielen, seit wir unsere Saison unter das Motto ‚Lieb doch wen du willst’ gestellt haben.“

So erreichte Karlsson ein Paket mit regenbogenfarbenen Schweißbänder - zur Freude des schwedischen Mannschaftskapitäns: „Ich bin absolut begeistert“, erklärte Karlsson gegenüber handball-world.com. „Es macht uns alle stolz, dass die Damen vom FC St. Pauli auf uns zugekommen sind und uns dieses Päckchen zur Unterstützung geschickt haben. Eine tolle Geste. Ich werde die Schweißbänder in der gesamten Mannschaft verteilen, so dass alle eins bekommen und die Botschaft weitergetragen wird. Vielen Dank auf diesem Weg und beste Grüße nach Hamburg!“

Am Dienstag machte der schwedische Torwart Mattias Andersson mit einem Foto im sozialen Netzwerk Instagram das bunte Geschenk öffentlich. „Dass der Paketdienst tatsächlich so reibungslos arbeitet und die Schweißbänder rechtzeitig ankommen, damit haben wir allerdings nicht mehr unbedingt gerechnet“, freuten sich die Paulianerinnen.

Für die Mannschaft des sozial engagierten Kultklubs stellt die ganze Diskussion ein Unding dar. Stimmen, die darauf pochen, dass der Sport keinen Raum für politische oder gesellschaftliche Statements sei, kann die 2. Damen nicht nachvollziehen. „Für uns stellt der Sport sehr wohl eine Möglichkeit der politischen Intervention dar“, begründete die Mannschaft ihre Aktion in einem Statement gegenüber handball-world.com. „Wir spielen bei Sankt Pauli Handball, weil uns der Kampf gegen Homophobie genauso am Herzen liegt wie der gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art. Als Mitglieder, Spielerinnen und Fans des FC St. Pauli ist es uns wichtig, den berühmten Finger in die Wunde zu legen und auf Missstände aufmerksam zu machen. In diesem Fall: Homophobie und Funktionäre der EHF, die plötzlich Regularien aus einer Schublade ziehen, um ein wertvolles Zeichen für mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft zu verbieten.“



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Schweden22:14
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Torschützen: Östlund(5), Nilsson(5), Jakobsson(3), Petersen(2), Konradsson(2), Källman(2), Stenmalm(1), Nilsson(1), Ekberg(1),
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