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    Deutschland

    21.12.2023, 10:00

    Entscheidung über DHB-Team gefallen

    Der Kader von Deutschland für die Handball-EM

    Bundestrainer Alfred Gislason hat Mitte Dezember das DHB-Aufgebot für die Handball-EM in Deutschland bekannt gegeben. "Ich freue mich auf unser Team, die Arbeit in der Vorbereitung und das Turnier selbst", so der Bundestrainer, der 19 Spieler nominierte. Wer ist dabei, wer fehlt? Die Übersicht.

    Alfred Gislason
    Alfred Gislason hat das DHB-Team für die Handball-EM in Deutschland gewählt. Sascha Klahn

    Alfred Gislason hat sich festgelegt: Mit 19 Spielern startete der Bundestrainer in die Vorbereitung auf die Handball-EM in Deutschland. Mit 16 von ihnen wird das DHB-Team in das Auftaktspiel der Europameisterschaft gegen die Schweiz gehen. Marian Michalczik (TSV Hannover-Burgdorf musste schon vor dem Jahreswechsel ausgebremst durch eine "muskuläre Verletzung am Bein" passen (wir berichteten). Im letzten Testspiel brach dann bei Rechtsaußen Patrick Groetzki eine alte Fußverletzung auf (wir berichteten).

    Deutschland bestritt den Rest der Vorbereitung mit siebzehn Spielern, Lukas Zerbe (TBV Lemgo Lippe) und Tim Nothdurft (Bergischer HC) sollten laut Co-Trainer Erik Wudtke "in den zweiten Gang hochschalten" und wurden auch schon offiziell in das offizielle Aufgebot berufen, das damit nun 19 Spieler umfasst. 

    "Wir haben eine richtig starke Mannschaft beisammen, die über sehr hohe Qualität und ebensolches Selbstvertrauen verfügt sowie das herausragende deutsche Heimpublikum in ihrem Rücken weiß", erklärte Axel Kromer, Vorstand Sport des Deutschen Handballbundes, in einer Pressemeldung des Verbandes. 

    Der DHB hatte für die Handball-EM in Deutschland bereits vor einigen Wochen einen 35er-Kader melden müssen, vor dem EM-Start muss dieser auf maximal 20 Akteure reduziert werden. Da Gislason nur zwei Torhüter unter den 19 Akteuren für die Vorbereitung hat, scheint wahrscheinlich, dass er sich den 20. Platz für eine Nachnominierung bei einer Verletzung - im Tor oder auf einer anderen Position - offen hält. 

    Der Kader von Deutschland für die Handball-EM

    Nr.NamePos.Geb.Verein
    1David SpäthTH29.04.2002Rhein-Neckar Löwen
    33Andreas WolffTH03.03.1991Industria Kielce
    34Rune DahmkeLA10.04.1993THW Kiel
    36Lukas MertensLA22.03.1996SC Magdeburg
    28Tim NothdurftLA11.07.1997Bergischer HC
    73Timo KasteningRA25.06.1995MT Melsungen
    17Lukas ZerbeRA17.01.1996TBV Lemgo Lippe
    38Martin HanneRL12.05.2001TSV Hannover-Burgdorf
    11Sebastian HeymannRL01.03.1998Frisch Auf Göppingen
    18Julian KösterRL16.03.2000VfL Gummersbach
    20Philipp WeberRL15.09.1992SC Magdeburg
    15Juri KnorrRM09.05.2000Rhein-Neckar Löwen
    3Nils LichtleinRM31.07.2002Füchse Berlin
    23Renars UscinsRR29.04.2002TSV Hannover-Burgdorf
    25Kai HäfnerRR10.07.1989TVB Stuttgart
    44Christoph SteinertRR18.01.1990HC Erlangen
    4Johannes GollaKM05.11.1997SG Flensburg-Handewitt
    14Justus FischerKM06.02.2003TSV Hannover-Burgdorf
    80Jannik KohlbacherKM19.07.1995Rhein-Neckar Löwen
    Alfred GislasonTrainer07.09.1959

    Ein Legionär, vier Junioren-Weltmeister

    Einziger Auslandsprofi ist Torhüter Andreas Wolff, sämtliche andere Spieler sind in der heimischen Bundesliga aktiv - so auch Wolffs Gespannpartner zwischen den Pfosten David Späth. Er ist einer von gleich vier Junioren-Weltmeistern, die der Bundestrainer für die Vorbereitung nominiert hat.

    Im Rückraum setzt Deutschland bei der Handball-EM im eigenen Land auf bewährte Kräfte wie Kai Häfner, Juri Knorr und Julian Köster. Personelle Sorgen gab es unter anderem durch Philipp Weber und Luca Witzke, beide gaben vor kurzem ihr Comeback, doch nur Weber schaffte es rechtzeitig in den Kader.

    Als Überraschung gilt auf jeden Fall die Nominierung von Martin Hanne, der nach dem Ausfall Michalcziks einer von gleich drei Akteuren der TSV Hannover-Burgdorf im Kader ist. Im Rückraum ist dies auch noch Renars Uscins. Hinzu kommen Nils Lichtlein, der bei der Junioren-WM als MVP des Turniers ausgezeichnet worden war, sowie Sebastian Heymann und Christoph Steinert.

    Auf den Außen-Positionen erhielten etablierte Kräfte den Vorzug: Timo Kastening wird nach dem Ausfall von Patrick Groetzki die rechte Außenbahn abdecken, Lukas Mertens und Rune Dahmke auf links ein Duo bilden. Am Kreis entschied sich der Bundestrainer neben Kapitän Johannes Golla für Jannik Kohlbacher und Justus Fischer.

    Wer kann eigentlich nachrücken?

    Bei den Torhütern sind Silvio Heinevetter, Joel Birlehm und Daniel Rebmann in der Reserve. Alle drei besitzen Turniererfahrung. Während Heinevetter schon mehrere Großturniere absolviert hat, feierte Birlehm bei der letzten WM sein Turnierdebüt.

    Der Keeper hätte eigentlich schon die vergangene Europameisterschaft spielen sollen, bekam damals aber Nachwuchs und verzichtete, obwohl er offiziell im 20er Kader stand. Als Gislason dann auch aufgrund zahlreicher Coronainfektionen die Torhüter ausgingen, kam hingegen Rebmann zu seiner Turnierpremiere.

    Die Außen besitzen ein unterschiedliches Profil. Für die Magdeburger Matthias Musche und Tim Hornke spricht die Erfahrung, Tim Nothdurft konnte jüngst erst beim Tag des Handballs sein Länderspieldebüt geben und kann als Flügelspieler auch auf der Halbposition verteidigen. Auf der rechten Außenbahn steht zudem noch Lukas Zerbe auf Abruf bereit.

    Am Kreis stellt Sebastian Firnhaber nach seinem Kreuzbandriss keine Alternative dar. Insbesondere mit Blick auf die Abwehr fehlt dem Bundestrainer somit eine Option aus dem 35er-Kader, der vielleicht auch ein Kandidat für den EM-Kader gewesen wäre. Vereinskollege Tim Zechel ist damit der einzig verbliebene Nachrückkandidat.

    Über Abwehrqualitäten verfügen auch die Rechtshänder im Rückraum, die es nicht ins Aufgebot geschafft haben: Lukas Stutzke ist beim Bergischen HC ebenso ein Eckpfeiler wie auch Tim Suton beim TBV Lemgo Lippe. Luca Witzke hatte gerade erst nach einer Oberschenkelverletzung am Sonntag sein Comeback gegeben, fehlte aber schon am Mittwochabend im Ligaspiel. Weitere Optionen sind Simon Ernst sowie die Linkshänder Franz Semper, David Schmidt und U21-Weltmeister Max Beneke.

    Wechsel-Optionen während der Handball-EM

    Zum Turnier selbst muss das Aufgebot formal erst am 9. Januar bei der technischen Besprechung offiziell gemeldet werden. Wechsel während des Turniers sind lediglich mit den 35 Spielern möglich, die Alfred Gislason Ende November nominiert hat. "Wer es in diesen Kreis geschafft hat, darf davon träumen, im Januar Teil einer großen Handball-Geschichte zu sein. Wir werden eine sehr ambitionierte Nationalmannschaft erleben", hatte Axel Kromer, Vorstand Sport beim DHB, bei der Bekanntgabe des erweiterten Aufgebots erklärt.

    Die Verbände müssen im Vorfeld eine bis zu 20 Spieler umfassende Delegation an die Europäische Handballföderation melden. Vor jedem Spiel muss der Bundestrainer dann eine Stunde vor dem jeweiligen Anpfiff 16 Spieler auswählen. Im Laufe des Turnier kann maximal sechsmal gewechselt werden, in jeder Turnierphase (Vorrunde, Hauptrunde, Finalwochenende) zweimal. Sollte ein Spieler ausgewechselt werden und später zurückkehren, würde das als zwei Wechsel zählen.

    Nach einem Kurzlehrgang in Frankfurt (27. bis 29. Dezember) setzten Gislason und sein Trainerteam die EM-Vorbereitung bereits am Neujahrstag in Brunsbüttel fort. Im Vorfeld der Europameisterschaft traf die deutsche Handball-Nationalmannschaft in zwei Länderspielen auf Portugal (34:33, 35:31). Das Eröffnungsspiel gegen die Schweiz steht am 10. Januar 2024 in Düsseldorf an. Weitere Vorrundengegner in der Mercedes-Benz-Arena zu Berlin sind Nordmazedonien (14. Januar) und Frankreich (16. Januar).

    Handball-EM in Deutschland: Diese Spieler fehlen

    Einige prominente Namen fehlten bereits bei der Bekanntgabe des erweiterten Kaders für die Handball-EM: Uwe Gensheimer hatte ebenso schon vor längerer Zeit seinen Rücktritt erklärt, auch Patrick Wiencek, Steffen Weinhold und Johannes Bitter stehen für die DHB-Auswahl nicht mehr zur Verfügung.

    Hendrik Pekeler hatte ein Ende seiner Nationalmannschaftspause überlegt, dem DHB aber "schweren Herzens" einen Korb gegeben. "Ich bin noch nicht wieder in der notwendigen Form, um Alfred und dem Team wirklich helfen zu können. Jetzt bin ich eben Fan unserer Nationalmannschaft und hoffe auf einen begeisternden Januar", so der Kieler.

    Auch die Berliner Fabian Wiede (Sprunggelenkfraktur) und Paul Drux stehen nicht zur Verfügung. Drux hat noch nach monatelanger Auszeit aufgrund einer Achillessehnenrisses jüngst sein Comeback gegeben, sieht sich aber auch nicht bei 100 Prozent und steht auch nicht im erweiterten Kader. Mit Marian Michalczik, Patrick Groetzki und Sebastian Firnhaber sind drei Spieler aus dem erweiterten Aufgebot vor dem Turnierstart ausgefallen.

    Blickt man auf die Kader der vergangenen Turniere, dann fehlen zudem unter anderem Till Klimpke (HSG Wetzlar), Marcel Schiller (Frisch Auf Göppingen), Patrick Zieker (TVB Stuttgart), Julius Kühn (MT Melsungen), Hendrik Wagner (HSG Wetzlar), Veit Mävers (HC Erlangen) oder Djibril M’Bengue (Bergischer HC).

    Diese Spieler können als Reserve nominiert werden

    Nr.NamePos.Geb.Verein
    12Silvio HeinevetterTH21.10.1984TVB Stuttgart
    41Joel BirlehmTH25.04.1997Rhein-Neckar Löwen
    45Daniel RebmannTH16.01.1994VfL Gummersbach
    37Matthias MuscheLA18.07.1992SC Magdeburg
    29Tim HornkeRA04.08.1990SC Magdeburg
    24Patrick GroetzkiRA04.07.1989Rhein-Neckar Löwen
    39Lukas-Maximilian StutzkeRL14.01.1998Bergischer HC
    8Tim SutonRL08.05.1996TBV Lemgo Lippe
    40Simon ErnstRM02.04.1994SC DHfK Leipzig
    99Luca WitzkeRM03.04.1999SC DHfK Leipzig
    6Max BenekeRR27.05.2003Füchse Berlin/VfL Potsdam
    32Franz SemperRR05.07.1997SC DHfK Leipzig
    77David SchmidtRR19.10.1993Frisch Auf Göppingen
    30Sebastian FirnhaberKM18.04.1994HC Erlangen
    96Tim ZechelKM28.09.1996HC Erlangen

    Weitere Informationen: Kader Gruppe A

    Medaillen bei internationalen Großturnieren

    Olympia (4):
    Gold: 1980*
    Silber: 1984, 2004
    Bronze: 2016

    Weltmeisterschaft (10):
    Gold: 1938, 1978, 2007
    Silber: 1954, 1970*, 1974*, 2003
    Bronze: 1958, 1978*, 1986*

    Europameisterschaft (4):
    Gold: 2004, 2016
    Silber: 2002
    Bronze: 1998

    Bilanz bei internationalen Großturnieren

    Olympia: 1936 (1), 1972 (6/4*), 1976 (4), 1980 (1*), 1984 (2), 1988 (7*), 1992 (10), 1996 (7), 2000 (5), 2004 (2), 2008 (9), 2012 (-), 2016 (3), 2020 (6)

    Weltmeisterschaft: 1938 (1), 1954 (2), 1958 (3), 1961 (4), 1964 (4/10*), 1967 (6/9*), 1970 (5/2*), 1974 (9/2*), 1978 (1/3*), 1982 (7/6*), 1986 (7/3*), 1990 (8*), 1993 (6), 1995 (4), 1997 (-), 1999 (5), 2001 (8), 2003 (2), 2005 (9), 2007 (1), 2009 (5), 2011 (11), 2013 (5), 2015 (7), 2017 (9), 2019 (4), 2021 (12), 2023 (5)

    Europameisterschaft: 1994 (9), 1996 (8), 1998 (3), 2000 (9), 2002 (2), 2004 (1), 2006 (5), 2008 (4), 2010 (10), 2012 (7), 2014 (-), 2016 (1), 2018 (9), 2020 (5), 2022 (7), 2024 (4)

    * 1949-1989 DDR

    red, PM DHB